Diese Schweizer Forscherin könnte bald einen Nobelpreis gewinnen
Auf der am Donnerstag veröffentlichten Liste des britisch-US-amerikanischen Datenkonzerns Clarivate von Forscherinnen und Forschern mit Nobelpreisniveau steht mit Nicola Spaldin eine Professorin der ETH Zürich. Spaldin ist gebürtige Britin, hat aber mittlerweile auch die Schweizer Staatsbürgerschaft.
Wer für einen Nobelpreis nominiert ist, bleibt grundsätzlich 50 Jahre lang geheim. Auch über die Beratungen der Komitees dringt nichts nach aussen. Die Preisträger werden erst unmittelbar vor den offiziellen Bekanntgaben informiert. Vorherzusagen, wer einen Preis gewinnen könnte, ist daher schwierig.
Die Liste von nobelpreisverdächtigen Forschenden, die Clarivate alljährlich erstellt, basiert auf der Resonanz, die deren Arbeiten in der Fachwelt gefunden haben – also darauf, wie oft ihre Fachartikel von anderen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern zitiert wurden.
Neuartige Materialien
Die ETH-Forscherin Spaldin wird von Clarivate dabei als nobelpreisverdächtig im Fach Physik gehandelt. Grund dafür sind ihre theoretischen Arbeiten zu sogenannten magnetoelektrischen Multiferroika.
Das sind Materialien, die sich sowohl durch magnetische als auch durch elektrische Felder beeinflussen lassen. Das macht sie interessant für Anwendungen wie energieeffiziente Datenspeicher oder hochpräzise Magnetfeldsensoren. Spaldin legte die theoretischen Grundlagen für diese Materialklasse.
Insgesamt führt Clarivate in diesem Jahr 22 Forschende auf seiner Liste. Neben Spaldin stammen die Genannten aus den USA, Kanada, Dänemark, Israel, Japan und China.
Seit 2002 hat Clarivate insgesamt 487 Forschende als sogenannte «Citation Laureates» ausgezeichnet. 89 von ihnen erhielten später tatsächlich einen Nobelpreis. Das entspricht einer Trefferquote von rund 18 Prozent. Häufig lagen zwischen der Aufnahme auf die Liste und dem Nobelpreis mehrere Jahre.
Vorhergesagt hat Clarivate etwa den Nobelpreis der Schweizer Physiker Didier Queloz und Michel Mayor – allerdings sechs Jahre vor ihrem Nobelpreis.
Auch weitere an Schweizer Universitäten tätige Forscherinnen und Forscher, die bislang keinen Nobelpreis erhalten haben, wurden in früheren Jahren als Citation Laureates ausgezeichnet. Dazu gehören der Chemiker Michele Parrinello (USI und ETH Zürich), der Biochemiker Michael N. Hall (Universität Basel), der Chemiker Michael Grätzel (EPFL), der Ökonom Ernst Fehr (Universität Zürich), der Physiker Daniel Loss (Universität Basel) und die Immunologin Andrea Ablasser (EPFL).
Den Auftakt bei den wissenschaftlichen Nobelpreisen macht am 5. Oktober der Nobelpreis für Medizin. Am 6. Oktober folgt die Bekanntgabe der Nobelpreisträgerinnen und -träger für Physik, am 7. Oktober jene für Chemie. (dab/sda)
