Kundgebungsroute in Genf nach Kritik von G7-Gegnern angepasst
Beim Streit um die Route der Kundgebung gegen den G7-Gipfel in Évian (F) haben die Genfer Behörden mit den Aktivistinnen und Aktivisten einen Kompromiss erzielt. Die Demonstration vom 14. Juni in Genf wird nicht in die Nähe der Mont-Blanc-Brücke führen.
Das Demonstrationskollektiv und die Genfer Staatsrätin Carole-Anne Kast (SP) hätten sich am Donnerstagabend auf eine Anpassung der Route mit einer Abzweigung von den Quai-Anlagen in die Rue des Alpes geeinigt, sagte Françoise Nyffeler von der No-G7-Koalition am Freitag der Nachrichtenagentur Keystone-SDA.
Die Magistratin sei auf die Forderungen der Organisatoren eingegangen und habe Änderungen an der in der vergangenen Woche vom Staatsrat vorgestellten Streckenführung auf dem rechten Rhoneufer akzeptiert.
Da die Überquerung der Mont-Blanc-Brücke untersagt ist, befürchteten die Demonstrierenden, dass ein Vorbeizug in unmittelbarer Nähe der Brücke zu Konfrontationen mit den Sicherheitskräften führen könnte. Der Zugang zur Brücke soll durch ein oder mehrere Fahrzeuge der deutschen Polizei mit Wasserwerfern gesperrt werden.
Der Demonstrationszug wird zudem die Rue de la Servette meiden, die von den Aktivisten wegen ihrer Verkehrsinseln als gefährlich eingestuft wird. Laut Nyffeler bekräftigte Kast ihre Zusage, den Bereich bei der Place des Nations von den laufenden Bauarbeiten freizuhalten.
Weitere Besprechung geplant
Welche Strasse im Nations-Quartier genutzt wird, soll nach einer Begehung durch die Polizei entschieden werden. Eine weitere Besprechung zwischen der No-G7-Koalition und Kast ist für Dienstagabend geplant.
Die Demonstrierenden dürfen nach dem Umzug im Parc Mon Repos verbleiben, wo Ansprachen vorgesehen sind. Dort werden Trockentoiletten aufgestellt. Zudem dürfen die Organisatoren einen Verpflegungsstand betreiben.
Die Demonstration ist ab 16 Uhr bewilligt. Die Teilnehmenden sollen den Park spätestens gegen 22 Uhr verlassen haben. Bereits am Dienstag hatte sich die Koalition damit abgefunden, die Kundgebung ausschliesslich am rechten Rhoneufer durchzuführen, um die Bewilligung nicht zu gefährden.
Umfangreiche Sicherheitsvorkehrungen
Nyffeler betonte, die Organisatoren seien weiterhin überzeugt, dass eine Route rund um die Genfer Bucht sicherer und einfacher zu organisieren gewesen wäre. Mit den vorgenommenen Anpassungen sei das Sicherheitsdispositiv nun jedoch «zufriedenstellend». Vollständig zufrieden seien die Aktivisten dennoch nicht.
Nun gehe es darum, die Bevölkerung zu beruhigen und eine möglichst hohe Beteiligung zu erreichen. Die Behörden rechnen mit zwischen 10'000 und 50'000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern.
Rund 1000 Polizistinnen und Polizisten werden im Einsatz stehen, unterstützt von Kräften aus anderen Kantonen. Zum Schutz kritischer Infrastrukturen stellt die Armee zusätzlich rund 4000 Soldatinnen und Soldaten bereit.
Bereits im Jahr 2003 fand ein Gipfel, damals der G8 unter Einbezug Russlands, statt. Dabei kam es zu schweren Ausschreitungen in Genf mit massiven Sachbeschädigungen. (dab/sda)
