Schweiz
Gesellschaft & Politik

Tessiner Lega-Regierungsrat Claudio Zali tritt zurück

Claudio Zali State Councillor of the Canton Ticino during the Press conference on the referendum of 28 September 2025 on Wednesday, 15 April 2026 at the Palazzo delle Orsoline in Bellinzona. In Septem ...
Claudio Zali will sein Amt als Staatsrat abgeben.Bild: keystone

Tessiner Regierungsrat Claudio Zali will sein Amt abgeben

In einem Brief an Radio Ticino soll der Regierungsrat angekündigt haben, nach der Erledigung einiger Formalitäten sein Amt abzugeben. Zali war heftig in Kritik geraten.
29.07.2026, 11:4429.07.2026, 13:09

Lega-Regierungsrat Claudio Zali will von seinem Amt zurücktreten, wie Radio Ticino berichtet. In einem Brief an den Sender soll er dies angekündigt haben. Zali sah sich zuletzt mit heftiger Kritik konfrontiert, nachdem bekannt geworden war, dass er in einem Telefongespräch einen Bekannten dazu aufgefordert haben soll, Gewalt gegenüber einer Frau anzuwenden.

Kurz nach Mittag bestätigte Zalis Partei die Berichte. Sie habe die Entscheidung von Zali zur Kenntnis genommen, sein Amt als Staatsrat mit Wirkung per Ende September 2026 niederzulegen und auf die Kandidatur bei den nächsten Kantonswahlen zu verzichten, schrieb die Lega dei Ticinese. Der Entscheid sei politisch und greife keinem Urteil auf juristischer Ebene vor. Zali habe gegenüber der Partei betont, keinerlei Straftaten begangen zu haben. Es gelte die Unschuldsvermutung.

Die Partei kritisierte in ihrer Mitteilung den «unverhältnismässigen politischen und medialen Druck» auf Zali. Dieser sei genährt durch einen «wiederkehrenden Anti-Lega-Hass». Zali habe sich während über dreissig Jahren in den Dienst der Institutionen gestellt: zuerst als Richter und danach für über zwölf Jahre im Staatsrat und an der Spitze des Bau- und Umweltdepartements. «Die letzten Tage können nicht einen gesamten politischen und institutionellen Weg auslöschen.»

Zali weist Vorwürfe zurück

Der Druck auf Zali war in den vergangenen Tagen gewachsen. Für Mittwochabend kündigten ein feministisches Kollektiv sowie linke Parteien in Bellinzona eine Demonstration gegen den Tessiner Regierungspräsidenten an.

Zali weist die Vorwürfe zurück. Es habe sich um einen privaten Wutausbruch gehandelt. «Ich habe niemanden verprügelt, ich habe niemanden zum Prügeln geschickt. Ich bin kein gewalttätiger Mensch», zitiert der Sender aus dem Schreiben. Der Fall sei juristisch geklärt.

Gleichzeitig kritisiert er die «mediale und politische Hetzjagd». Nun wolle er einige laufende Projekte abschliessen und offene Fragen klären. «Sobald dies geschehen ist, werde ich zum von mir genannten Zeitpunkt mein Regierungsamt für die letzten Monate der Legislaturperiode an einen neuen Kandidaten übergeben, der unbedingt sein Amt antreten möchte.»

Gegen Zali läuft überdies ein Strafverfahren der Tessiner Staatsanwaltschaft, weil er sich für einen Minderjährigen, den Sohn einer Freundin, eingesetzt haben soll, der in einen Fall von Gewalt und Freiheitsberaubung gegen einen anderen Jugendlichen verwickelt gewesen sein soll. Zali gab als Reaktion darauf die politische Verantwortung für den Bereich Justiz und Polizei ab.

Der Skandal, der das Tessin seit vergangenem Mittwoch erschüttert, sorgte in der Schweiz und bis ins benachbarte Italien für Aufsehen. Bereits am Sonntag distanzierte sich die der Lega nahestehende Wochenzeitung «Il Mattino della domenica» vom 64-Jährigen. Er ist erst seit dem 15. April 2026 im Amt.

Für 14 Uhr ist in Bellinzona eine Medienkonferenz des Tessiner Staatsrats angekündigt. (vro/hkl/sda)

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