Der kantonale Mitte-Parteivorstand distanziert sich von Valérie Dittli
Mit 14 zu sechs Stimmen bei zwei Enthaltungen empfahlen die 22 Mitglieder des kantonalen Parteivorstands der Delegiertenversammlung, Dittli nicht zu unterstützen. Die Vorstandsmitglieder seien tief enttäuscht über die Art und Weise, wie Dittli ihre Kandidatur angekündigt habe, hiess es in einer Mitteilung vom Donnerstagabend nach einer Sitzung in Henniez VD in Anwesenheit der Mitte-Staatsrätin.
«Die mangelnde Koordination mit dem Parteipräsidium, die Nichteinhaltung der gesetzten Fristen sowie die Ankündigung einer bereits beschlossenen Kandidatur, mit oder ohne Unterstützung der Delegiertenversammlung, zeugen von einer offenkundigen Geringschätzung für unsere Partei und ihre Mitglieder», hiess es weiter.
Die neun Mitglieder des Parteipräsidiums hatten bereits im Juli mit sieben zu zwei Stimmen die gleiche Empfehlung ausgesprochen. Die Führungsgremien der Mitte Waadt bekräftigten damit «ihren Willen, ein neues Kapitel aufzuschlagen» und somit das Kapitel Dittli zu schliessen.
Die Basis entscheidet
Das letzte Wort hat die Parteibasis. Die Delegiertenversammlung wird am 2. September in Epalinges VD stattfinden. Zwischen 60 und 100 Delegierte der Mitte Waadt werden oberhalb von Lausanne erwartet. Die Parteileitung kündigte bereits an, dass Dittli keine Gegenkandidatur gegenüberstehen werde. Falls es ihr gelinge, die Delegierten zu überzeugen, werde die gesamte Partei offiziell hinter ihr stehen, sagte Parteipräsident Giancarlo Sergi.
Sollte Dittli hingegen am 2. September eine Abfuhr erhalten, könnte sie noch als Unabhängige antreten. Dies liess sie in Interviews vom vergangenen Wochenende mit «Le Matin Dimanche» und «Le Courrier Lavaux-Oron-Jorat» durchblicken. Die Mitte Waadt ihrerseits würde am 16. September zu einer weiteren Delegiertenversammlung zusammenkommen. Die Partei müsste dann eine Strategie ohne Dittli für die kantonalen Wahlen 2027 vereinbaren.
Allianzen ohne Dittli
Die Mitte, die auf der politischen Bühne der Waadt wenig Gewicht hat, hofft, an Bedeutung zu gewinnen und insbesondere wieder Sitze im Grossen Rat zu erobern. Dafür setzt sie auf Allianzen. Die potentiellen Partner sind jedoch nicht zu einem Bündnis bereit, sollte Dittli unter den Farben der Mitte-Partei erneut für den Staatsrat kandidieren.
Das jüngste Mitglied der Waadtländer Regierung hatte die Spannung lange aufrechterhalten. Erst am vergangenen Sonntag teilte Dittli in einem Doppelinterview mit der Presse ihre Entscheidung mit, bei den kantonalen Wahlen im kommenden Februar für eine zweite Amtszeit zu kandidieren. Sie räumte ein, dass ihre Mission schwierig werde, da sie isoliert und von allen Seiten kritisiert sei. «Es wird David gegen Goliath sein. Aber ich trete an, um zu gewinnen», sagte sie. (dab/sda)
