95'000 Franken ausgegeben – Geheimdienst stoppt sein eigenes Buch
Der Nachrichtendienst des Bundes (NDB) hatte 2024 zwei ausgewiesene Experten mit der Aufarbeitung seiner Geschichte beauftragt: Adrian Hänni vom Münchner Institut für Zeitgeschichte und den Historiker Titus Meier. Sie erhielten privilegierten Zugang zu Archiven, deren Akten teilweise noch während Jahrzehnten gesperrt bleiben.
Das Ziel war ein rund 100 Seiten langer, allgemein verständlicher Überblick über die Geschichte der Schweizer Nachrichtendienste. Das Manuskript sollte im September 2026 eingereicht werden. Dazu kommt es nun nicht, wie die «SonntagsZeitung» berichtet.
NDB war mit Qualität zufrieden
NDB-Direktor Serge Bavaud stoppte das Projekt. Bemerkenswert ist die Begründung: Laut dem Nachrichtendienst gab es weder Kostenüberschreitungen noch inhaltliche Differenzen oder zeitliche Probleme. Der NDB sei zudem «mit der Qualität der Arbeit zufrieden».
Als Grund nennt der Dienst stattdessen eine «konsequente Repriorisierung der finanziellen und personellen Ressourcen». Das Projekt habe nicht nur Geld, sondern auch Arbeitszeit interner Mitarbeitender beansprucht.
Gross ist die Einsparung allerdings nicht mehr. Für das Projekt waren maximal 120'000 Franken vorgesehen, davon sind laut «SonntagsZeitung» bereits exakt 94'945 Franken ausgegeben worden. Der NDB hält das Geld dennoch nicht für verschwendet: Die Forschungsergebnisse sollen, soweit möglich, für interne Schulungen verwendet werden.
Historiker bedauern Entscheid
Hänni und Meier bedauern den Abbruch. Eine historische Aufarbeitung des Nachrichtendiensts wäre ihrer Ansicht nach sowohl für die Öffentlichkeit als auch für den NDB selbst wertvoll gewesen. Erkenntnisse aus vergangenen Reorganisationen könnten etwa für den heutigen Umbau des Dienstes relevant sein.
Ganz verschwinden sollen ihre Erkenntnisse möglicherweise nicht. Die Historiker dürfen Resultate aus gesperrten Akten grundsätzlich selbst publizieren. Das Manuskript muss allerdings dem NDB vorgelegt werden. Dieser kann Passagen untersagen, wenn dadurch etwa Quellen, Methoden, Mitarbeitende oder Beziehungen zu Partnerdiensten gefährdet würden. (mke)
