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Essen im Spital

Starb der Patient, weil die Spitalpflegerin sein Essen nicht püriert hat? Bild: shutterstock.com

Patient erstickt an Essen, weil es nicht püriert war – ist die Spitalpflegerin schuld?

Wegen einer Schluckstörung hätte ein Patient nur püriertes Essen zu sich nehmen dürfen. Eine Spitalpflegerin wurde nun wegen fahrlässiger Tötung angeklagt. Vor Gericht erschien sie nicht.

Martin Rupf / ch media



Mit feuchten Augen sass Marta (alle Namen geändert) am Montag im Gerichtssaal. Ganz offensichtlich wühlt sie der Tod ihres Gatten Robert immer noch auf. Marta hatte den Weg ins Badener Bezirksgericht aber vergebens auf sich genommen. Denn die Frau, die laut Staatsanwaltschaft für Roberts Tod verantwortlich ist, erschien nicht vor Gericht. Deshalb entschied Gerichtspräsidentin Gabriella Fehr, den Gerichtstermin auf Mitte August zu verschieben.

Der Beschuldigten wird von der Staatsanwaltschaft fahrlässige Tötung durch Unterlassen zur Last gelegt. Passiert ist die Tragödie im Sommer 2017. Marta begab sich mit ihrem Mann ins Kantonsspital Baden, nachdem dieser zuvor beim Essen kurz das Bewusstsein verloren hatte.

Der Grund: 2003 hatte Robert einen Hirninfarkt erlitten, der nach den vorgenommenen ärztlichen Eingriffen unter anderem eine Schluckstörung zur Folge hatte. Aus diesem Grund bereitete Marta seither immer einfach zu kauendes Essen zu und beobachtete ihren Mann beim Essen.

Unzerkautes Essen verstopft Rachenraum

Folglich wurde Robert bei seinem Eintritt ins Spital auch ein püriertes Nachtessen verabreicht. Doch am Folgetag wurde Robert ein nicht püriertes Frühstück und Mittagessen serviert. Zwar wurde ihm das Essen laut Anklageschrift in «mundgerechte Stücke» geschnitten, aber eine Überwachung der Essenseinnahme fand nicht statt. Nachdem Robert das Frühstück ohne Zwischenfall zu sich genommen hatte, kam es beim Mittagessen zum tragischen Vorfall. Unzerkautes Essen verstopfte den Rachenraum und die Atemwege und führte zum Ersticken von Robert.

Für die Staatsanwaltschaft ist klar, dass die «erfahrene, diplomierte Pflegerin» hierfür die Verantwortung trägt. So habe es die Pflegerin unterlassen, den Pflegebedarf den Umständen der Schluckstörung anzupassen. «Hätte die Beschuldigte die Kostform überprüft und sichergestellt, dass er bei der Essenseinnahme überwacht wird, wäre Robert höchstwahrscheinlich nicht am Essen erstickt», heisst es in der Anklage.

Und: «Aus ihrem pflichtwidrigen Untätigbleiben kann der Beschuldigten derselbe Vorwurf gemacht werden, wie wenn sie die Tat durch aktives Tun begangen hätte.» Die Beschuldigte sei zu einer bedingten Geldstrafe von 41'600 Franken und einer Busse von 5000 Franken zu verurteilen. Ob es so weit kommt, wird die Verhandlung im August zeigen. (aargauerzeitung.ch)

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31Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Notra 20.05.2020 09:31
    Highlight Highlight Ja, die zur Tatzeit zuständige Pflegerin hat sich der fahrlässigen Tötung schuldig gemacht.

    Es gibt auch keine Ausrede. Sie wusste, dass das passieren kann. Also hätte sie den Patienten nicht alleine essen lassen dürfen. Allfälligen anderslautenden Instruktionen hätte sie sich widersetzen müssen. Ein Menschenleben zählt einfach mehr.
  • Och 20.05.2020 07:58
    Highlight Highlight Im Artikel fehlt eine ziemlich entscheidende Information: Die Urteilsfähigkeit des verstorbenen Patienten:
    War der Patient urteilsfähig und in der Lage, die Gefahren bei der unbeobachteter Einnahme fester Speisen selbst zu überschauen, läge eine eigenverantwortliche Selbstgefährdung vor und die Pflegerin könnte kaum mehr zur Verantwortung gezogen werden...
    • Notra 20.05.2020 13:01
      Highlight Highlight Nein, weil es offenbar unterlassen wurde, Hilfe zu leisten.
      Die allfällige Urteilsfähigkeit des Patienten entbindet nicht von der Fürsorgepflicht des Pflegepersonals, bzw. der Institution.
    • Och 20.05.2020 16:22
      Highlight Highlight @Notra: Welche unterlassene Hilfeleistung? Falls der Patient selbst entscheiden konnte, benötigte er diesbezüglich keine Hilfe und hätte auf püriertes Essen bestehen oder die Speisen einfach in der dargebotenen Weise nicht (oder nur unter Beobachtung) einnehmen können. Dass das Personal nicht zeitnah gehandelt hätte, nachdem es die Erstickungssymptome bemerkennen konnte, geht aus dem Artikel nicht hervor.

      Wenn Sie eine Nussalergie haben und ihnen Nüsse angeboten werden, sind sie auch selbst für deren Verzehr verantwortlich, sofern Sie die Konsequenzen abschätzen können!
  • Amarillo 19.05.2020 11:49
    Highlight Highlight Wie es schon erwähnt wurde, ist zumindest die "administrative IT" in vielen Spitälern + Reha-Zentren ein Graus. Kollege mit einer Hüftoperation musste kürzlich seine beim Hausarzt aktenkundige Krankengeschichte 4x erzählen, 1x dem Spital, 1x bei Eintritt in die dem Spital angeschlossene Reha, und je 1x noch 2 verschiedenen Therapeuten, weil die offenbar die für ihre Tätigkeit notwendigen Details sonst nicht gekannt hätten. Wobei es auch unabhängig von solchen Erschwernissen diverse Berufe gibt, wo man eine riesige Verantwortung trägt und eigentlich dauernd mit einem Bein vor dem Richter steht.
    • Notra 20.05.2020 09:32
      Highlight Highlight Es ist gut, wenn man seine Krankengeschichte viermal erzählen muss. Weil es ist immer besser, wenn die Geschichte aus erster Hand erfahren wird.
  • Hardy18 19.05.2020 09:43
    Highlight Highlight Kommt es bei Schluckbeschwerden zu einem akuten Sprachverlust?

    Warum weisst der Betroffene nicht auf diesem Umstand hin, dass sein Essen falsch dargereicht wurde?
    Fehler passieren und mit einer kleinen Kommunikation wäre es aus der Welt geschafft.
    • Notra 20.05.2020 09:36
      Highlight Highlight Möglicherweise litt der Patient nicht nur an Schluckproblemen als Folge des Schlaganfalles, sondern auch an Aphasie (Sprachverlust) oder Gesichtslähmungen, die das Sprechen behindern. Auch möglich ist, dass der Patient zusätzlich eine Demenz entwickelt hatte und darum eventuell nicht merken konnte, dass er sich gleich selbst in Lebensgefahr bringt, wenn er seinen Hunger stillt.
  • Oki 19.05.2020 08:20
    Highlight Highlight .... verstopft Rauchen-Raum.... jetzt aber nicht wirklich ein Freudscher.... kommt jetzt.
  • Toxic Buddha 19.05.2020 05:35
    Highlight Highlight Sollte nicht auch geprüft werden ob das Spital selbst mitschuld hat? Ich meine mangelhafter Informationsfluss, Personalmangel, etc?
    • Notra 20.05.2020 09:42
      Highlight Highlight Jeder Mitarbeiter muss sich selbst informieren, so dass er seine Aufgabe gesetzeskonfom und pflichtgerecht erfüllen kann.
      Ein Verstoss gegen das Gesetz kann nicht entschuldigt werden mit der Gehorsamspflicht des Arbeitnehmers gegenüber dem Arbeitgeber.
      In einem solchen Fall muss der Arbeitnehmer seinem Arbeitgeber den Gehorsam verweigern.
  • Jolie Blabla 18.05.2020 21:38
    Highlight Highlight Was mich wundert warum hat er es gegessen? Warum nicht darauf aufmerksam gemacht, dass das schwierig ist für ihn? Aber so viele Patienten geben die Selbstverantwortung im Spital ab wie einen Mantel. Möchte diesem Patienten der traurigerweise verstorben ist nichts unterstellen.
    • hoffmann_15@hotmail.com 19.05.2020 11:08
      Highlight Highlight @SWB
      und da isst man dann natürlich aus Trotz das Essen, nur um daran zu ersticken?
    • Lami23 19.05.2020 18:52
      Highlight Highlight Viel wahrscheinlicher: das er kognitiv eingeschränkt war.
    • Notra 20.05.2020 10:33
      Highlight Highlight @SwissWitchBitch
      Es wäre fürchterlich, wenn Du mit dem Motiv Hunger recht hättest. Das könnte nämlich bedeuten, dass dieser Patient wiederholt Essen vorgesetzt bekam, dass er nicht essen darf, weil er sonst ersticken würde. Diese Situation solange und so oft wiederholt, bis der Patient sich jedesmal entscheiden musste, ob er lieber ganz sicher verhungern will oder nur vielleicht ersticken, bis letzteres passiert.
      Einfach fürchterlich diese Vorstellung, aber scheinbar doch im Bereich des Möglichen.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Hillman 18.05.2020 20:41
    Highlight Highlight Wahrscheinlich sehr schwierig die Situation hier zu beurteilen wenn man die Hintergründe nicht genauer kennt. Keine Entschuldigung aber halt leider trotzdem ein Fakt ist dass in der Pflege die Zeit pro Patient viel zu gering berechnet wird.
    • Notra 20.05.2020 09:52
      Highlight Highlight Das Leben eines Menschen kann und darf nicht aufgewogen werden gegen die Einhaltung eines Zeitplans. Und selbstverständlich kann und darf ein Menschenleben nicht aufgewogen werden gegen die Möglichkeit, den Job zu verlieren, weil man den Zeitplan nicht einhalten kann. Das weiss jede Pflegerin ganz genau.

      Also muss eine Pflegerin ihre fachliche Verantwortung wahrnehmen und sich gegen unrealistische, lebensgefährdende Instruktionen wehren und gegebenfalls ihr Amt niederlegen.

      Wenn Sie diese Verantwortung nicht tragen will, dann muss sie den Job wechseln.
    • Notra 20.05.2020 17:42
      Highlight Highlight Ich vermute, dass jene die mir hier Blitze gaben, Plegerinnen sind, denen das Leben ihrer Patienten weniger wichtig ist als ihr eigener Arbeitsvertrag.

      Hoffentlich sterbe ich, bevor ich zum Pflegefall werde.
  • Ökonometriker 18.05.2020 20:22
    Highlight Highlight Das ist etwas, das mich in unseren Spitälern unendlich nervt. Man hat extrem schlechte Informationssysteme die kaum zusammenhängen und schiebt stattdessen alle Verantwortung auf die Pflegenden ab. Wenn dann, wie es ja kommen muss, ein Fehler passiert und man den Fehler ausnahmsweise mal tatsächlich beweisen kann, gibt's einfach ein Bauernopfer.

    Was braucht es noch, bis unsere Spitäler im 21. Jahrhundert ankommen und endlich eine anständige Informatik erhalten? Warum investieren wir Milliarden in die Informatik von Finanzsystemen, aber bei der Gesundheit wird gespart?
    • Team Insomnia 18.05.2020 20:55
      Highlight Highlight Dafür haben wir die „beste“ Armee der Welt. Ich meine die richtig, richtigste, „beste“ Armee der Welt. Keine war besser, niemals zuvor und danach so oder so nicht. Switzerland First, make Switzerland great again! 😂😎
    • Lami23 18.05.2020 20:58
      Highlight Highlight Die Informationssysteme sind nicht so schlecht. Normalerweise wird so etwas bei Eintritt erfasst und ist dann dokumentiert. Aber eben, manchmal ist es stressig und es geht nicht nach Plan.
    • Ökonometriker 19.05.2020 06:07
      Highlight Highlight @Lami: wenn die Küche das Essen nicht püriert liefert, sondern die Pflegerin das machen muss, dann läuft bereits im Informationsfluss etwas schief.
      Und wenn es die Pflegerin machen muss aber sie nirgends dokumentieren muss, dass sie es getan hat, ist die Informatik schlecht.
      Gerade im Zeitalter von Tablets und Smartphones wäre das kein Problem mehr.

      Wenn Leute unter so viel Druck wie unsere Pflegefachkräfte arbeiten müssen, müssen die Prozesse „Dubelisicher“ sein. Denn wer 50+ Stunden pro Woche arbeitet, wird unweigerlich manchmal zum Dubeli.
    Weitere Antworten anzeigen
  • What’s Up, Doc? 18.05.2020 20:13
    Highlight Highlight Anscheinend wurde ja erfasst dass das Essen püriert werden muss (Nachtessen) solche wichtigen Sachen gehen einfach nicht vergessen genau darum gibt's 1. ein Patienblatt und 2. eine Patientenübergabe beim Schichtwechsel. Wurde alles korrekt erfasst ist eine Pflege schon in Verantwortung zu ziehen erst recht eine HF. Wurde das Problem nicht erfasst ist das noch ein viel grösseres Problem.
    Wenn dir jetzt aktuell dein Automech die Sommerräder nicht anzieht und rauscht in einen Baum wäre auch klar wer den Fehler gemacht hat.
    • Lami23 18.05.2020 21:00
      Highlight Highlight Also so etwas wird auf Normalstation (jedenfalls nicht da wo ich es kenne) nicht erzählt bei Übergabe am Morgen. Das würde viel zu viel Zeit benötigen. Patientenblätter gibts auch nicht mehr, normalerweise. Aber man kommt zu diesen Informationen, zweifellos. Muss man auch. Aber ich kann mir gut vorstellen, wie das passieren konnte... Da sieht man wieder einmal, welch grosse Verantwortung dieser Job mit sich bringt.
    • troedler 18.05.2020 23:12
      Highlight Highlight Apropos Doc: Kollege im Winter vom Mech ein Ersatzauto gekriegt, fetten Unfall fabriziert, da das Auto Sommerpneus dran hatte. Kollege knapp am Tod vorbei und lebenslange Leiden, und wer war schuld gemäss Richter: Kollege, Eigenverantwortung sei, das Auto zu checken vorm abfahren...
      Hätten wir alle gemacht, oder doch nicht...?
    • What’s Up, Doc? 19.05.2020 09:42
      Highlight Highlight Wenn so etwas, was insbesondere auch bei alten Menschen in Sachen Lungenentzündung sehr wichtig ist, nicht besprochen wird geht definitiv etwas falsch. Bei stationären Patienten gibt's definitiv ein Verlaufsblatt, ob digital oder nicht sei jetzt mal dahingestellt und dort gehört das rein.
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