Tausende Fische sterben wegen technischer Störung bei Kraftwerk in Sils GR
Fischer stellten am frühen Sonntagabend fest, dass die Albula bei Sils im Domleschg praktisch kein Wasser mehr führte, weshalb sie umgehend die Kantonspolizei Graubünden kontaktierten.
Erste Abklärungen zusammen mit dem zuständigen Fischereiaufseher ergaben gemäss einer Mitteilung der Kantonspolizei Graubünden vom Dienstag, dass eine technische Störung im Unterwerk Sils Albula dazu führte, dass die Wassermenge in der Albula sehr schnell und stark verringert wurde. Es handelt sich dabei um ein Kraftwerk der Elektrizitätswerke der Stadt Zürich.
Durch die technische Störung fielen gemäss Mitteilung grosse Bereiche der Albula und folglich auch des Hinterrheins unterhalb des Zusammenflusses während rund einer Stunde trocken.
Trotz des Einsatzes von Fischern, welche auf einigen Dutzend Laufmetern über 100 Fische in den Flusslauf zurückversetzen konnten, sind auf der mehreren Kilometer langen, betroffenen Flussstrecke mutmasslich mehrere Tausend Fische verendet, wie die Kantonspolizei schreibt.
Das sagt das kantonale Amt
Marcel Michel, der Co-Leiter des kantonalen Amts für Jagd und Fischerei, sagt zum Vorfall gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA: «Es ist ein Ereignis, das einen grossen Verlust für dieses Gewässer bedeutet.» Am stärksten betroffen seien die Groppen, eine geschützte Kleinfischart in Graubünden, die nicht in der Fischzucht gehalten werde und sich deshalb selbst erholen müsse.
Im betroffenen Abschnitt werden jährlich auch 20'000 kleine Bachforellen vom kantonalen Amt für Jagd- und Fischerei eingesetzt. «Es ist wahrscheinlich, dass ein Grossteil der diesjährigen Besatzfische Schaden genommen hat», so Michel.
Michel erwartet zwar keinen kompletten Fischverlust in der Albula und im Hinterrhein, «aber eine so extreme Störung kann die Resilienz, also die Selbstregeneration einiger Arten, gefährden». Die Fische in dieser Region seien bereits mit anderen Stressfaktoren wie dem Klimawandel, Strukturarmut und den Wasserstandsschwankungen für die Stromerzeugung konfrontiert.
Das Amt werde nun versuchen, den Schaden genauer zu quantifizieren. Ein ausserordentlicher Fischbesatz im Fluss ist nach Michels Angaben derzeit nicht vorgesehen.
Zweite Meldung innert weniger Wochen
Es handelt sich bereits um den zweiten Vorfall in Graubünden innerhalb weniger Wochen. Am 25. Juni verendeten im Sufnersee gemäss damaliger Mitteilung der Polizei ebenfalls mehrere tausend Fische. Sie lagen am Ufer des Stausees über rund 800 Meter verstreut.
Inzwischen ist klar, dass dieses Fischsterben nicht wie im neusten Fall mit der Stromproduktion zusammenhängt. Dies teilte die Kantonspolizei Graubünden ebenfalls am Dienstag mit. «Die Änderungen des Seepegels fanden im Rahmen des ordentlichen Betriebs und somit geltender Konzessionsbestimmungen statt», schreibt die Polizei.
Im Fokus der Abklärungen würde nun das massive Algenwachstum im Uferbereich und sich dadurch veränderte Umweltbedingungen stehen, die sich im Zusammenspiel mit den ordentlichen Seespiegelschwankung allenfalls akzentuiert haben. (sda)
