Schweiz
Homosexualität

Zürcher Spitzen-Imam tritt nach homophoben Aussagen zurück

Bild
Bild: instagram.com/drbashkim

Zürcher Spitzen-Imam tritt nach homophoben Aussagen zurück

Ein einflussreicher Schweizer Imam hat seine Ämter bei Zürcher Muslimorganisationen niedergelegt. Vorausgegangen sind Recherchen der «SonntagsZeitung» zu homophoben Aussagen und Kontakten in islamistische Kreise.
08.11.2026, 05:4908.11.2026, 05:49

Bashkim Aliu leitete bis Mitte dieser Woche die Imam-Kommission der Föderation Islamischer Dachorganisationen Schweiz (FIDS). Gleichzeitig war er die leitende theologische Instanz der Vereinigung der Islamischen Organisationen in Zürich (VIOZ) und stand in dieser Funktion regelmässig mit Zürcher Behörden in Kontakt.

Nun ist Aliu nicht mehr im Amt. Nach Recherchen der «SonntagsZeitung» ist er von sämtlichen Funktionen innerhalb der VIOZ zurückgetreten. Die FIDS hat ihn gleichzeitig per sofort von seinen Aufgaben entbunden.

Pride als «Parade der Schande» bezeichnet

Die Zeitung stiess unter anderem auf einen Facebook-Beitrag aus dem Jahr 2017. Darin bezeichnete Aliu die Pride in der kosovarischen Hauptstadt Pristina als «Parade der Schande». Die VIOZ und die FIDS betonen dagegen in ihren Grundsatzerklärungen die Gleichberechtigung sowie die Geltung des Schweizer Rechts. Beide Organisationen erklärten gegenüber der «SonntagsZeitung», homophobe oder menschenverachtende Aussagen stünden im Widerspruch zu ihren Grundsätzen.

Für Fragen sorgte zudem eine Reise Alius nach Doha im Januar 2024. Dort nahm er an der Generalversammlung der International Union of Muslim Scholars teil, die von der «SonntagsZeitung» als eng mit der Muslimbruderschaft verflochten beschrieben wird. An der Veranstaltung trat auch der damalige Hamas-Chef Ismail Haniyeh auf. Die FIDS erklärte, vor der Anfrage der Zeitung nichts von Alius Teilnahme gewusst zu haben.

Die VIOZ teilte mit, Aliu habe weder in ihrem Namen noch in ihrem Auftrag an der Konferenz teilgenommen. Seine Teilnahme und die damit verbundenen Fragen seien Gegenstand weiterer Abklärungen.

Millionen an öffentlichen Geldern

Politisch relevant ist der Fall auch wegen der Finanzierung der muslimischen Organisationen. Die VIOZ erhielt zwischen 2017 und 2025 insgesamt rund 2,5 Millionen Franken vom Kanton Zürich für das Projekt Quams, das die muslimische Seelsorge in öffentlichen Institutionen verbessern sollte.

Seit Anfang 2026 erfolgt die Finanzierung über Projektbeiträge der reformierten und katholischen Kirche, die ihrerseits staatliche Gelder erhalten. Auch die Stadt Zürich unterstützt die VIOZ jährlich mit 50'000 Franken. Die beteiligten Stellen erklärten gegenüber der «SonntagsZeitung», die Vorwürfe würden ernst genommen und geprüft. (mke)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
watson-Schweizerdeutsch-Prüfung
1 / 14
watson-Schweizerdeutsch-Prüfung
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Abstimmungsvideo: AHV-Initiative
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Bareggtunnel gesperrt
Massenkarambolage auf A1 bei Baden fordert 21 Verletzte 
Insgesamt 13 Autos sind am Samstagabend auf der Autobahn A1 in eine Massenkarambolage verwickelt gewesen. Kurz vor 21 Uhr geriet ein PW, der Richtung Zürich unterwegs war, kurz nach dem Bareggtunnel ins Schleudern und kollidierte mit der Mittelplanke. 12 weitere Autos wurden in der Folge in den Unfall verwickelt. Insgesamt wurden 21 Personen verletzt, eine davon schwer.
Zur Story