Zürcher Spitzen-Imam tritt nach homophoben Aussagen zurück
Bashkim Aliu leitete bis Mitte dieser Woche die Imam-Kommission der Föderation Islamischer Dachorganisationen Schweiz (FIDS). Gleichzeitig war er die leitende theologische Instanz der Vereinigung der Islamischen Organisationen in Zürich (VIOZ) und stand in dieser Funktion regelmässig mit Zürcher Behörden in Kontakt.
Nun ist Aliu nicht mehr im Amt. Nach Recherchen der «SonntagsZeitung» ist er von sämtlichen Funktionen innerhalb der VIOZ zurückgetreten. Die FIDS hat ihn gleichzeitig per sofort von seinen Aufgaben entbunden.
Pride als «Parade der Schande» bezeichnet
Die Zeitung stiess unter anderem auf einen Facebook-Beitrag aus dem Jahr 2017. Darin bezeichnete Aliu die Pride in der kosovarischen Hauptstadt Pristina als «Parade der Schande». Die VIOZ und die FIDS betonen dagegen in ihren Grundsatzerklärungen die Gleichberechtigung sowie die Geltung des Schweizer Rechts. Beide Organisationen erklärten gegenüber der «SonntagsZeitung», homophobe oder menschenverachtende Aussagen stünden im Widerspruch zu ihren Grundsätzen.
Für Fragen sorgte zudem eine Reise Alius nach Doha im Januar 2024. Dort nahm er an der Generalversammlung der International Union of Muslim Scholars teil, die von der «SonntagsZeitung» als eng mit der Muslimbruderschaft verflochten beschrieben wird. An der Veranstaltung trat auch der damalige Hamas-Chef Ismail Haniyeh auf. Die FIDS erklärte, vor der Anfrage der Zeitung nichts von Alius Teilnahme gewusst zu haben.
Die VIOZ teilte mit, Aliu habe weder in ihrem Namen noch in ihrem Auftrag an der Konferenz teilgenommen. Seine Teilnahme und die damit verbundenen Fragen seien Gegenstand weiterer Abklärungen.
Millionen an öffentlichen Geldern
Politisch relevant ist der Fall auch wegen der Finanzierung der muslimischen Organisationen. Die VIOZ erhielt zwischen 2017 und 2025 insgesamt rund 2,5 Millionen Franken vom Kanton Zürich für das Projekt Quams, das die muslimische Seelsorge in öffentlichen Institutionen verbessern sollte.
Seit Anfang 2026 erfolgt die Finanzierung über Projektbeiträge der reformierten und katholischen Kirche, die ihrerseits staatliche Gelder erhalten. Auch die Stadt Zürich unterstützt die VIOZ jährlich mit 50'000 Franken. Die beteiligten Stellen erklärten gegenüber der «SonntagsZeitung», die Vorwürfe würden ernst genommen und geprüft. (mke)
