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Was ist dran an der «Impf-Lüge»? Aussagen im Faktencheck

29.01.2022, Niedersachsen, Wolfsburg: Julius l
Die Covid-Impfung wirkt in erster Linie gegen schwere Erkrankung, nicht gegen eine Ansteckung.Bild: keystone
Faktencheck

Was ist dran an der «Impf-Lüge»? 5 Aussagen im Faktencheck

Seit Tagen kursieren Behauptungen zu einer angeblichen «Impf-Lüge». Wir klären diese im Faktencheck.
29.10.2022, 17:1629.10.2022, 17:31
Bruno Knellwolf / ch media

Eine Managerin der Pharmafirma Pfizer hat erklärt, dass in der ersten klinischen Zulassungsstudie nicht getestet worden ist, ob die Impfstoffe davor schützen, dass ein Geimpfter die Viren weitergibt. Auch Bundesrat Alain Berset hat während der Pandemie wissenschaftlich nicht korrekte Aussagen gemacht. Haben wir nun den ganz grossen Impf-Skandal? Wir beantworten fünf Fragen dazu.

Wurden die Covid-Impfstoffe in den ersten Zulassungsstudien darauf geprüft, ob die Impfung vor einer Ansteckung schützt?

Nein. Das war auch nicht das Ziel. Deshalb hat die Managerin der Pharmafirma Pfizer bei einer Anhörung im EU-Parlament arglos sagen können, dies nicht gemacht zu haben. Das Hauptziel in den ursprünglichen Zulassungsstudien gegen die Wuhan-Variante von Sars-CoV-2 war die Vorbeugung einer symptomatischen Coronainfektion und damit einhergehend ein Schutz vor schwerer Erkrankung. Das ist das Prinzip einer Impfung schon seit ihrer Entdeckung im Jahr 1796.

Mit dem Impfstoff wird das Immunsystem des Körpers so trainiert, dass beim Eindringen des Virus der Körper mit Gegenmassnahmen sofort reagieren und eine schwere Erkrankung verhindern kann. Die Studien der Entwickler der Covid-Impfungen zeigten dann, dass Geimpfte einen mehr als 90 Prozent höheren Schutz gegen symptomatische Infektionen hatten als nicht geimpfte Studienteilnehmer.

Wurde in der Zulassungsstudie nicht gesagt, dass die Impfung die Virenverbreitung stoppt?

Die Zulassungsstudien untersuchten nicht die asymptomatischen Infektionen bei Geimpften und auch nicht die mögliche Übertragung von Viren bei Personen, die ohne Symptome infiziert waren. Auch die Frage, ob die Impfstoffe sich auf die Infektiosität auswirkten, also ob Geimpfte das Virus weitergeben, wurde in den Zulassungsstudien nicht untersucht. Das wurde aber weder von den Pharmafirmen noch von den Zulassungsbehörden behauptet, wie Swissmedic unterstreicht.

Nach der Zulassung des mRNA-Impfstoffs von Pfizer/Biontech sagte BAG-Direktorin Anna Lévy am 19. Dezember 2020: «Auch Geimpfte werden sich immer noch an die Schutzmassnahmen halten müssen, denn die Impfung schützt die Personen vor einer Erkrankung, aber wir wissen bis heute nicht, ob sie auch schützt vor Übertragungen. Also wir wissen nicht, ob nicht auch geimpfte Personen das Virus übertragen können. Dazu werden wir im Verlauf der nächsten Wochen und Monate mehr wissen.»

Was war denn das Ziel der Covid-Impfung?

Die Ansteckung zu verhindern, war nicht das Ziel der Impfung. Das war zu diesem Zeitpunkt auch gar nicht möglich. Um die Infektiosität der Geimpften festzustellen, muss es ja Geimpfte geben, die schon einige Monate einen Impfstoff erhalten haben. Dazu gab es dann erst später Studien, zuerst aus Israel. Dort wurde bereits sehr früh geimpft.

Diese epidemiologischen Studien nach Beginn der Impfungen zeigten dann, dass die Viruslast bei Geimpften schneller sinkt als bei Ungeimpften. Geimpfte reproduzierten unter den damals vorherrschenden Varianten offenbar weniger Sars-CoV-2-Viren als Nicht-Geimpfte, wenn sie sich trotz Impfung mit dem Virus ansteckten.

Diese Erkenntnis gilt in erster Linie für die Ursprungsvariante von Sars-CoV-2. Mit den neuen Varianten hat sich auch die Wirkung der Impfstoffe verändert. «Mit den Erfahrungen aus Millionen geimpfter Personen aber auch in Abhängigkeit der zirkulierenden Virusvarianten ergeben sich laufend neue Erkenntnisse», sagt dazu Lukas Jaggi von Swissmedic.

Bei Omikron zeigt sich, dass die Impfungen weniger gut gegen milde Infektionen schützen, aber immer noch sehr gut gegen einen schweren Krankheitsverlauf und somit gegen Hospitalisation und Todesfälle. Bei der aktuell dominanten Omikron-Variante und ihren Untervarianten gehen die Impfkommission EKIF und das BAG davon aus, dass durch eine Auffrischimpfung kein relevanter indirekter Schutz gegen Virusübertragung mehr besteht. Alle Auffrischimpfungen erhöhen aber weiterhin den Schutz vor schweren Verläufen, was, wie gesagt, das Hauptziel der Covid-19-Impfstrategie ist.

Seitens der Wissenschaft gab es somit keine falschen Versprechungen, wie Impfgegner jetzt behaupten?

Die Aussage war, dass die Virusweitergabe nicht beurteilt werden könne, weshalb das in der Zulassung der Impfstoffe kein Thema war. Es gab somit keine falschen Versprechungen. Keine Impfung bietet einen 100-prozentigen Schutz und Swissmedic wie auch die Pharmafirmen haben sich nicht zur offenen Frage der Infektiosität geäussert.

Das BAG hat folgendermassen kommuniziert: «Die Impfstoffe bieten einen wirksamen Schutz gegen symptomatische Infektionen, insbesondere gegen schwere Krankheitsverläufe und verringern das Übertragungsrisiko. Dies schliesst jedoch nicht aus, dass sich vollständig geimpfte Personen (mit oder ohne Auffrischimpfung) anstecken können, da kein Impfstoff einen 100-⁠⁠prozentigen Schutz bietet.»

Gab es falsche Versprechungen von Seiten der Politiker?

Das kann man so nicht sagen, aber sicher waren die Aussagen an den vielen Medienkonferenzen medizinisch nicht immer 100-prozentig korrekt. Wenn Bundesrat Alain Berset im Oktober 2021 gesagt hat, dass man mit dem Zertifikat zeigen könne, «dass man nicht ansteckend ist», stimmt das so nicht. Auch Geimpfte können ansteckend sein. Aber sie geben weniger Viren ab als Ungeimpfte, womit sich auch die Verbreitung der Viren gesamthaft durch die Impfung sowie auch durch eine Covid-Erkrankung reduziert.

Dass BAG war im September 2021 bei der Begründung des Zertifikats etwas genauer: «Weil damit nur noch Personen zusammentreffen, die nicht ansteckend sind oder ein geringes Risiko aufweisen, ansteckend zu sein, wird das Übertragungsrisiko stark reduziert.» Hintergrund dieser Aussage ist ein Bericht der wissenschaftlichen Covid-19-Task-Force von Ende September.

Nach zwei Dosen eines mRNA-Impfstoffs bestand demnach bei Personen unter 75 «während 16 Monaten ein 50-prozentiger Schutz gegen eine leichte Erkrankung und während dreier Jahre ein 80-prozentiger Schutz gegen einen schweren Krankheitsverlauf». Bei älteren Personen ist die Schutzwirkung kürzer.

Gesprochen wird also von einer milden und einer schweren Erkrankung, nicht davon, ob die Weitergabe des Virus verhindert wird. Für die Fachleute war somit von Beginn an klar, dass die Impfung nie einen 100-prozentigen Schutz insbesondere gegen Ansteckung bieten kann.

(aargauerzeitung.ch)

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178 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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stormcloud
29.10.2022 17:22registriert Juni 2021
Ehrlich:
Es ist armselig, solche Dinge wieder und wieder zu erklären. Denn die Schwurbler wollen das offenbar nicht verstehen und sind logischen Argumenten gegenüber "immun".
Die hören lieber auf Stimmen bei Telegram, wo der Schwippschwager der Nichte der Schuhverkäufin etwas im Internet gelesen hat, wo ein Philosophieprofessor seine kruden Ideen zu Corona zum Besten gegeben hat. Als Professor muss er das doch genau wissen, oder etwa nicht?
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Macca_the_Alpacca
29.10.2022 17:32registriert Oktober 2021
Was ist dran an der «Impf-Lüge»? Da dieser Titel auf der Titelseite Weltwoche steht und Roger Köppel ein entsprechendes Video gedreht hat ist da rein gar nichts dran. Einfach am besten die Klo Spülung kräftig drücken und vergessen.
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Auster N
29.10.2022 17:41registriert Januar 2022
Es ist mit schleierhaft wie es 2022 immer noch Leute gibt, die so dumm, ungebildet, unerfahren und hirntot sind und nicht wissen wie eine Impfung geht. Und dann ohne die geringste Ahnung von Medizin, Biologie, Chemie, Pharmakologie oder offensichtlich, wie man eine Toilette benutzt, solche idiotischen Fragen zu stellen und es nach hundertfacher Wiederholung immer noch nicht kapieren. Die Menschheit ist ganz klar am Verblöden. Entsetzlich.
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