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Ausbeuten der Mitarbeiter – Modekette H&M mit Vorwürfen konfrontiert

Pedestrians walk past the Fifth Avenue store owned by Stockholm-based fashion retailer Hennes and Mauritz (H and M) Wednesday, June 21, 2006, in New York. HandM posted a 12 percent increase in second- ...
Die Filiale des H&M an der Fifth Avenue in Manhattan, New York.Bild: AP

So soll H&M seine Mitarbeiter in der Schweiz ausbeuten – Angestellte erzählen

Ein Bericht des «Kassensturz» zeigt: Die Modekette H&M setzt vermehrt auf sogenannt flexible Arbeitszeiten. Angestellte sollen jederzeit verfügbar sein, auch wenn sie in tiefen Pensen angestellt sind. Dass dies lediglich dem Arbeitgeber dient, gibt H&M – wenn überhaupt – nur indirekt zu.
02.05.2017, 23:3203.05.2017, 14:27

Das schwedische Textilhandelsunternehmen Hennes & Mauritz, kurz H&M, beschäftigt in der Schweiz in 96 Filialen 2500 Mitarbeiter. Wie viele Unternehmen, die in derselben Branche tätig sind, spürt auch H&M die Konkurrenz aus dem Onlinehandel. Die Umsätze sind rückläufig.

In einem Bericht der SRF-Sendung «Kassensturz» geben zwei Mitarbeiterinnen anonym Auskunft über die Arbeitsbedingungen, die bei H&M immer mehr an der Tagesordnung sind. Sie sind alles andere als glücklich darüber, dass sie H&M in Zukunft vermehrt flexibel einsetzen will.

«In einigen Filialen der Schweiz hat H&M diese Vision bereits getestet und umgesetzt.»
Die Modekette zu ihren künftigen Arbeitszeitmodellen

Eine Mitarbeiterin erzählt gegenüber SRF: «Ich komme jeden Tag eine Mittagsablösung machen oder abends den Laden aufräumen. Einfach für drei oder vier Stunden, je nach Pensum, in welchem man angestellt ist. Es gibt keine fixen Tage mehr, wir kommen einfach gerade so, wie das Unternehmen uns braucht.»

Shoppers wait to go inside the Hennes & Mauritz, H&M fashion shop during the launch for the Jimmy Choo designer clothes and shoes released at the store in Lausanne, Switzerland, Saturday, Nove ...
Enormer Andrang bei einer H&M-Filiale in Lausanne. Designerlabel Jimmy Choo sei Dank.Bild: KEYSTONE

Die beiden porträtierten Frauen sind Mütter. Sie arbeiteten bisher teilzeit, immer an denselben Tagen in der Woche. Den ganzen Tag, teils mehr als acht Stunden. Dies sei praktisch, so liessen sich Kinder und Arbeit gut planen. Dass dieses Arbeitsmodell in Zukunft angepasst wird, macht ihnen Sorgen: «Es ist schwierig als Mutter, dies einrichten zu können. Man wohnt auch nicht gerade um die Ecke und so ist man den ganzen Tag unterwegs, nur um drei Stunden arbeiten zu gehen.»

«Wir folgen jederzeit den Gesetzen und Reglementen in der Schweiz und wollen ein attraktives Arbeitsumfeld im Einklang mit bestem Kundenservice gewährleisten.»
H&M wehrt sich gegen die Vorwürfe

Dass diese neuen, flexibleren Arbeitszeitmodelle Absicht und nicht einfach eine Zwischenlösung sind, bestätigt H&M, wenn auch nicht ganz direkt. Flexibel eingesetzt zu werden, jeden Tag für den Arbeitgeber zur Verfügung zu stehen, wenn auch nur für ein paar Stunden und vornehmlich dann, wenn viele Kunden im Laden sind, dies hat System.

Die schwedische Vision

Die Modekette nimmt zu den Vorwürfen schriftlich Stellung und sagt unter anderem: «H&M verfolgt eine Vision.» Die Rede ist von Arbeitsverträgen, die nur noch 50 Stellenprozente umfassen, von den Arbeitnehmern wird jedoch eine hundertprozentige Verfügbarkeit verlangt. Weiter heisst es: «In einigen Filialen der Schweiz hat H&M diese Vision bereits getestet und umgesetzt.»

«Sie suchen ganz gezielt nach solchen Leuten, sie wollen dies bei jedem Mitarbeiter so umsetzen. Wenn es einem nicht passt, kann man gehen.»
Eine Mitarbeiterin zu flexiblen Arbeitszeiten

Dass diese Vision aktiv in Tat umgesetzt wird, beweist eine einfache Internetrecherche des «Kassensturz». H&M sucht tatsächlich in der ganzen Schweiz sogenannte «Sales Advisor», die Stellenprozente bewegen sich zwischen 30 und 50. Dies jedoch flexibel, inklusive Samstag, Sonntag und Abendverkauf.

Eine der beiden Mitarbeiterinnen im SRF-Bericht sagt: «Sie suchen ganz gezielt nach solchen Leuten, sie wollen dies bei jedem Mitarbeiter so umsetzen. Wenn es einem nicht passt, kann man gehen.»

Die Modemarke versucht sich daraufhin zu rechtfertigen, in dem sie betont, dass der Einzelhandel einem ständigen Wandel unterliege. Um ein stabiles Unternehmen aufrecht zu erhalten, nehme H&M die Verantwortung ernst. «Wir folgen jederzeit den Gesetzen und Reglementen in der Schweiz und wollen ein attraktives Arbeitsumfeld im Einklang mit bestem Kundenservice gewährleisten.»

«Ich finde es sehr verletzend, wie sie mit einem umgehen. Das macht mich ein Stück weit traurig.»
Eine der beiden im «Kassensturz» porträtierten Mitarbeiterinnen

Die Sachlage ist nicht kompliziert

Dass die schwedische Modekette dabei tatsächlich legal agiert, bestätigt Kurt Pärli, Professor für soziales Privatrecht an der Universität Basel gegenüber dem «Kassensturz»: «Grundsätzlich gilt die Vertragsfreiheit. Wenn ein solch flexibles Modell abgemacht wurde, dann gilt das. Die Arbeitgeberin muss jedoch Rücksicht nehmen auf die Bedürfnisse der Arbeitnehmer, beispielsweise wenn eine angestellte Person Kinder hat, welche noch nicht 15-jährig sind. Sie kann somit nicht nur einseitig nach betrieblichen Bedürfnissen entscheiden.

Vom Fach: Kurt Pärli, Professor für soziales Privatrecht.
Vom Fach: Kurt Pärli, Professor für soziales Privatrecht.

Pärli sagt jedoch auch: «Ist ein solches Modell nicht abgemacht, kann die Arbeitgeberin nicht einfach einseitig vom Vertrag abweichen. Will sie etwas ändern, muss sie eine Offerte unterbreiten.» Willigt der Arbeitnehmer dieser jedoch nicht ein, kann es zu einer Kündigung kommen.

Zuletzt betonen die beiden betroffenen H&M-Mitarbeiterin noch einmal, wie sehr sie unter den flexiblen Arbeitszeitmodellen leiden: «Ich finde es sehr verletzend, wie sie mit einem umgehen. Das macht mich ein Stück weit traurig.» Die zweite Angestellte meint: «Ich bin wahnsinnig enttäuscht vom Unternehmen. Sie wollen eigentlich der beste Arbeitgeber sein, aber im Moment machen sie alles, dass dies nicht so ist. Das macht mich wütend.» (rst)

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