DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Skifahren geht in den Fideriser Heubergen dieses Jahr ohne Maske.
Skifahren geht in den Fideriser Heubergen dieses Jahr ohne Maske. bild: fideriser heuberge
Interview

Dieses Skigebiet setzt freiwillig aufs Zertifikat: «Wir haben eine spezielle Ausgangslage»

21.10.2021, 05:5522.10.2021, 10:19

Diese Woche wurde klar, welche Corona-Regeln für die Skigebiete zum Saisonstart gelten. Es sind dieselben wie im öffentlichen Verkehr. In geschlossenen Kabinen müssen demnach Masken getragen werden, eine generelle Zertifikatspflicht gibt es vorerst nicht. In den Innenräumen der Bergrestaurants muss das Covid-19-Zertifikat indes gezeigt werden.

Nicht sicher ist, ob diese Regeln während des ganzen Winters bleiben werden. Bei einer Verschlechterung der epidemiologischen Lage ist auch der Einsatz des Zertifikats nicht ausgeschlossen. Dieser Entscheid liegt beim Bundesrat.

Falls die Skigebiete wollen, können diese jedoch selbstständig eine Zertifikatspflicht beschliessen. Mindestens ein Skigebiet hat dies bereits getan: die Fideriser Heuberge.

Henrik Vetsch, CEO der Heuberge, erzählt, weshalb er diesen Schritt gewagt hat und welche Vorteile die Zertifikatspflicht mit sich bringt.

Diese Woche bekamen die Fideriser Heuberge viel Aufmerksamkeit. Sie setzen als bisher einziges Skigebiet freiwillig auf eine Zertifikatspflicht. Waren Sie überrascht ob der grossen Medienpräsenz?
Henrik Vetsch: Wir sind ein Gebiet, das hin und wieder etwas auf eigene Faust macht. Deshalb sind wir uns das gewohnt.

Henrik Vetsch, CEO Fideriser Heuberge.
Henrik Vetsch, CEO Fideriser Heuberge.bild: zvg

Wann sind die Heuberge denn das letzte Mal aus der Reihe getanzt?
Letztes Jahr haben wir früh beschlossen, dass wir die Wintersaison 20/21 nicht bestreiten werden und das Skigebiet geschlossen halten. Aufgrund der epidemiologischen Lage hielten wir eine Öffnung des Gebietes für unverantwortbar. Retrospektiv war das absolut richtig. Am Anfang gingen die Meinungen zwar etwas auseinander, aber am Ende spürten wir viel Verständnis für unseren Entscheid.

Auch dieses Jahr gehen Sie einen eigenen Weg. Sie haben eine Zertifikatspflicht eingeführt. Warum?
Wir haben eine etwas spezielle Ausgangslage. Wir haben nur einen Eintrittsort ins Gebiet, wo sich die ganze Hotellerie und Gastronomie befindet. Für uns ist es einfach, das Zertifikat unten im Tal zu kontrollieren. Danach können sich alle Gäste frei im Gebiet bewegen.

Ins Skigebiet der Fideriser Heuberge gelangt man nur über einen Weg.
Ins Skigebiet der Fideriser Heuberge gelangt man nur über einen Weg.bild: zvg

Dann waren also eher organisatorische Gründe ausschlaggebend als epidemiologische Bedenken?
Organisatorische Gründe sind das eine. Aber man muss schon sehen; im Vergleich zum letzten Jahr haben wir jetzt ein Instrument, mit dem wir gegen die Pandemie vorgehen können. Und das ist die Impfung. Von dem her verhindert die Kontrolle des Zertifikats auch die Ausbreitung des Virus in unserem Skigebiet, was nur zu unserem Vorteil sein kann.

Bei Ihnen gibt es gerade mal drei Bügellifte. Dort wäre das Ansteckungsrisiko ja nicht besonders hoch gewesen ...
Ja, die Wahrscheinlichkeit ist wohl ziemlich gering. Aber darum alleine ging es nicht. Wir haben im Skigebiet drei Berghäuser. Wenn wir da jeden kontrollieren müssen, wenn er schnell auf die Toilette geht, ist das ein enormer Aufwand. Für uns ist es viel einfacher, die Kontrolle einmalig unten im Tal beim Nadelöhr durchzuführen. Und das Schöne ist: Die Leute können sich danach im ganzen Gebiet ohne Maske bewegen.

«Manchmal muss man einen Entscheid treffen und dann hinter diesem stehen, egal wie er aufgefasst wird.»

Dann sind die Heuberge vielleicht das einzige Skigebiet der Schweiz, in dem keine Maske getragen werden muss.
Im Moment wäre dies anscheinend so. Welche Anpassungen der Regeln und Vorgaben durch den Bund im Verlaufe der Pandemie folgen werden, wissen wir nicht. Aber gemäss aktuellem Stand braucht es in unserem Skigebiet keine Maske. Auch Abstandsregeln wird es nicht geben. Das ist sicher ein Vorteil für unsere Gäste.

Haben Sie keine Angst, dass Sie Kundinnen und Kunden verlieren durch die Zertifikatspflicht?
Als wir vor sieben Wochen die Zertifikatspflicht bekannt gaben, wussten wir nicht, ob sich das positiv oder negativ auswirken würde. Aber wir haben eine Verantwortung unseren Gästen und Mitarbeitenden gegenüber. Und wir finden, dass wir diese am besten wahrnehmen, wenn wir das Zertifikat überprüfen. So schützen wir auch die Gesundheit unserer Mitarbeitenden. Manchmal muss man einen Entscheid treffen und dann hinter diesem stehen, egal wie er aufgefasst wird.

Haben Sie bereits Rückmeldungen erhalten?
Ja, natürlich haben wir Rückmeldungen erhalten. Von beiden Lagern.

Waren die Reaktionen eher negativ oder positiv?
Der Entscheid hatte sicher keinen negativen Effekt auf unsere Stammkunden. Wir haben viele Skilager im Gebiet. Die Organisatorinnen und Organisatoren haben wir persönlich darüber informiert, dass die Kinder ebenfalls getestet anreisen müssen. Gerade Ferienlager, bei welchen die Kinder zusammen in Touristenlagern übernachten, sind ja ein Ort, an dem es verstärkt zu Ansteckungen kommen kann. Da haben wir bis jetzt überhaupt kein negatives Feedback erhalten.

Und was ist mit denjenigen, die Ihren Entscheid nicht verstanden haben?
Wir haben E-Mails erhalten, die zwar kritisch waren, aber auf einem Niveau, auf dem man diskutieren konnte. Diesen Personen haben wir unsere Beweggründe nochmals ausführlich erklärt. Oftmals haben wir dann Rückmeldungen mit einem gewissen Verständnis erhalten.

Vanessa beschwert sich über Skifahrer

Video: watson/Vanessa Hann, Emily Engkent
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

42-Jähriger muss wegen Mord an Nachbar 16 Jahre ins Gefängnis

Ein 42-jähriger Mann, der 2016 in Châtelaine GE seinen Nachbarn mit elf Kugeln erschossen hat, muss 16 Jahre ins Gefängnis. Das Genfer Kriminalgericht hat den Angeklagten am Freitag wegen Mordes verurteilt.

Zur Story