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Die Fallzahlen in England explodieren wieder – 6 mögliche Erklärungen

Die Fallzahlen in England schiessen seit Beginn des Monats wieder in die Höhe. Am Montag wurden 49'156 neue Fälle verzeichnet – die höchste Zahl seit Mitte Juli. Folgende 6 Faktoren könnten zum Anstieg geführt haben.
20.10.2021, 09:5421.10.2021, 06:24

Aufhebung der Massnahmen

Weniger als die Hälfte der britischen Bevölkerung war geimpft, als die langersehnte vierte Phase des Massnahmen-Lockerungs-Plans eingeläutet wurde. Am 19. Juli wurden alle Massnahmen aufgehoben, das Gesellschaftliche kehrte weitgehend zur Normalität zurück. Zu diesem Zeitpunkt waren allerdings erst die am meisten gefährdeten Personen geimpft.

Und so breitete sich das Virus mit der Rückkehr von Schülerinnen und Studenten an Schulen und Hochschulen vor allem unter den jüngeren ungeimpften Bevölkerungsgruppen aus. Unter den Schülerinnen und Schülern der Sekundarschule war die Infektionsrate besonders hoch. Gemäss «The Guardian» werde die Epidemie in England weitgehend durch diese Altersgruppe vorangetrieben.

Nur wenige der 12- bis 15-Jährigen geimpft

In Grossbritannien können sich alle über 12-Jährigen mindestens einmal gegen das Corona-Virus impfen lassen. Je nach Alter und Gesundheit ist auch eine zweite Spritze möglich. In der Theorie könnte die Ausbreitung des Virus in dieser Altersgruppe mithilfe der Impfung also massiv gebremst werden. Doch das ist nicht der Fall. Der Grund: Erst 14 Prozent der 12- bis 15-Jährigen haben bisher eine Impfung erhalten.

Noch sind in England nicht viele Teenager geimpft.
Noch sind in England nicht viele Teenager geimpft.Bild: keystone

Das schlägt sich jetzt auch in den Statistiken des britischen Gesundheitsministeriums nieder. Die Positivitätsrate bei den getesteten Personen dieser Altersgruppe schoss innerhalb des letzten Monats auf 8,1 Prozent. Professor Andrew Hayward, Epidemiologe am University College London, nennt gegenüber «The Guardian» einige mögliche Gründe: So gebe es an den Schulen eine starke Durchmischung, keine Maskenpflicht und eine tiefe Impfrate. Auch wenn schwere Verläufe in dieser Altersgruppe selten vorkämen, könnten die Infektionen auf andere Altersgruppen überschwappen, so Hayward.

Nachlassende Immunität

Was die Einführung des Impfprogramms angeht, war Grossbritannien an vorderster Front mit dabei: Bereits im Dezember 2020 wurde grossflächig mit der Impfung begonnen. Dies bedeutet allerdings auch, dass Grossbritannien nun eines der ersten Länder ist, dass die nachlassende Immunität der frühen Impfungen zu spüren bekommt.

Bei Leuten, die vor sechs Monaten die zweite Impfung erhalten haben, könnte der Schutz reduziert sein.
Bei Leuten, die vor sechs Monaten die zweite Impfung erhalten haben, könnte der Schutz reduziert sein. Bild: keystone

Die nachlassende Immunität zeigt sich vor allem in der höheren Wahrscheinlichkeit, sich mit dem Virus zu infizieren. Der Schutz vor einem schwereren Verlauf oder gar dem Tod ist hingegen robuster. Trotzdem können Impfdurchbrüche bei Geimpften schwerwiegend sein und tödlich enden. Aus diesem Grund wurde bereits die Auffrischungsimpfung für über 50-Jährige sowie für gefährdete Gruppen zugelassen.

Booster-Impfung wird schleppend verabreicht

Wie die Zahlen gemäss «The Guardian» zeigen, ist die Nachfrage nach der Booster-Impfung fast halb so gross wie die nach der zweiten Impfung vor sechs Monaten. Dennoch scheint es eher unwahrscheinlich, dass die Impfgeschwindigkeit der Booster-Impfung hinter dem Anstieg der Fallzahlen steht, erklärt Professor Rowland Kao von der Universität Edinburgh. Auch wenn sich bei Personen, die sich zuletzt vor sechs Monaten hatten impfen lassen, ein Infektionsanstieg verzeichnen liesse, seien es dennoch nur wenige.

Die dritte Impfung diene vor allem dem individuellen Schutz und sei wichtig, um Hospitalisationen zu vermeiden, sagt er weiter.

Neue Varianten

In der Vergangenheit haben neue Virus-Varianten die Fallzahlen immer wieder in die Höhe schiessen lassen – so beispielsweise die Alpha-Variante im vergangenen Winter oder die Delta-Variante diesen Frühling.

Die Delta-Variante hatte zu Beginn dieses Jahres weltweit viele Spitäler an ihre Belastungsgrenzen geführt.
Die Delta-Variante hatte zu Beginn dieses Jahres weltweit viele Spitäler an ihre Belastungsgrenzen geführt.Bild: keystone

Nun ist wiederum eine neue Variante in den Vordergrund gerückt. Gänzlich unbekannt ist sie nicht: Es handelt sich nämlich um eine Untergruppe des Delta-Virus und wird als AY.4.2 bezeichnet.

Die aktuellsten vollständigen Sequenzierungsdaten liegen von der Woche des 27. Septembers vor. Diese Zahlen zeigen, dass etwa sechs Prozent der sequenzierten Corona-Virus-Fälle auf AY.4.2 zurückzuführen sind – Tendenz steigend. Doch noch gilt sie nicht als besorgniserregende Variante, schreibt BBC News. Fachleute glauben gemäss aktuellem Wissensstand nicht, dass sich diese Variante wird durchsetzen können.

Es sei auch unwahrscheinlich, dass der Fallanstieg mit dieser Variante zusammenhängt, sagt Professor Francois Balloux, Direktor des Genetik-Instituts des University College London. Die potenziell höhere Übertragbarkeit der neuen Variante könnte zum jetzigen Zeitpunkt nur einen winzigen Teil der zusätzlichen Fälle erklären, sagt er.

PCR-Test-Fiasko

Für Schlagzeilen sorgt derzeit ein schwerwiegender Fehler eines Labors in Wolverhampton, in der Nähe Birminghams. In einigen Regionen stiegen die Fallzahlen rasant an, nachdem zehntausenden Menschen fälschlicherweise mitgeteilt wurde, dass sie negativ getestet worden seien, berichtet die britische Online-Zeitung The Independent.

Aufgrund technischer Schwierigkeiten sollen geschätzte 43'000 Personen zwischen dem 8. September und dem 12. Oktober ein falsches negatives Resultat erhalten haben. Diese wurden seither kontaktiert und aufgefordert, einen neuen PCR-Test machen zu lassen. Da war es allerdings bereits zu spät: Viele der getesteten Personen waren bereits zur Arbeit gegangen oder hatten sich mit Freunden und Familie getroffen, während sie sich fälschlicherweise in Sicherheit wähnten.

Betroffen ist vor allem der Südwesten Englands, wo viele Städte und Gemeinden nun tägliche Fallzahlen in Rekordhöhe registrieren. Von den acht am meisten betroffenen Gebieten befinden sich sieben im Südwesten.

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