10 Dinge über Pilze, die du (möglicherweise) noch nicht gewusst hast
Es ist wieder so weit: Die Laubblätter am Boden rascheln, Naturfreunde gehen zur Entspannung pilzeln und jedes Risotto wird mit den Bodenbewohnern verfeinert. Kurz: Überall hät's Pilzli dra. Aber wenn du bei Pilzen nur an Steinpilze in Rahmsosse denkst, müssen wir reden. Ob gigantische unterirdische Netzwerke, leuchtende Waldbewohner oder Baumaterialien der Zukunft: Pilze sind viel verrückter, als du denkst.
Hier kommen 10 faszinierende Fakten über Pilze!
Pilze könnten in Zukunft Beton ersetzen.
Die Eigenschaften von Myzel sind vielversprechend: biologisch abbaubar, formbar, isolierend, widerstandsfähig, leicht und ein ökologischer Fussabdruck, der bei nahezu null liegt. An der Eidgenössischen Technischen Hochschule Lausanne (EPFL) erforscht ein Team die verschiedenen Anwendungsmöglichkeiten des organischen Materials, wie das SRF berichtete. Das Forschungsteam stellt Myzelziegel her aus Myzel, Stroh, Kaffee und Wasser, die künftig anstatt Beton verwendet werden sollen.
Pilze sind näher mit Tieren als mit Pflanzen verwandt.
Lange Zeit wurden sie den Pflanzen zugeordnet. Doch Pilze bilden ein eigenes biologisches Reich (Fungi). Genetisch und biochemisch sind sie enger verwandt mit Tieren als mit Pflanzen. Beispielsweise befindet sich Chitin in ihrer Zellwand, das auch im Panzer von Insekten zu finden ist.
In Italien fand gerade die Pilz-WM statt:
Der grösste Teil des Pilzes wächst im Verborgenen.
Stiel und Hütchen der Pilze, die wir im Wald sehen, bilden lediglich den Fruchtkörper. Er dient der Fortpflanzung, indem er Sporen verteilt. Der Hauptteil des Pilzes liegt unter der Erde, verborgen vor dem menschlichen Auge. Das sogenannte Myzel, ein Geflecht aus mikroskopisch kleinen, fadenähnlichen Strukturen, wuchert über teils grosse Flächen hinweg durch den Boden. Eine Studie zeigt: Das Gewicht des Netzwerks feiner Pilzfäden übersteigt das der gesamten Menschheit womöglich um das Vier- bis Sechsfache.
Über 30 Pilzarten können im Dunkeln leuchten.
Dabei gibt es zwei verschiedene Varianten von leuchtenden Pilzen:
Biolumineszierende Pilze erzeugen aus eigener Kraft ein zartes, meist grünes Licht. Bei einem chemischen Prozess wird Luciferin durch das Enzym Luciferase in ein instabiles Produkt umgewandelt, das bei seinem Zerfall Energie in Form von Licht freisetzt.
Bei fluoreszierenden Pilzen wird eine externe Lichtquelle zum Leuchten benötigt. Sie leuchten erst, wenn sie mit ultraviolettem Licht angestrahlt werden.
Die leuchtenden Pilze kommen auch in der Schweiz vor, wie die Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) schreibt. Sie faszinieren Menschen schon lange. Vor über 2000 Jahren hat Aristoteles erstmals biolumineszierende Pilze entdeckt. Er beschrieb sie als «kaltes Feuer», das aus verrottendem Holz austritt. Vielleicht entdeckst du bei deinem nächsten Waldspaziergang auch einen leuchtenden Pilz?
Pilze dienen Bäumen als Kommunikationsnetzwerk.
Bäume wissen genau über ihre Umwelt Bescheid. Der US-Insektenforscher David Rhoades fand in einem Experiment heraus, dass sich Bäume gegenseitig vor Schädlingen warnen. Nebst dem Absondern von Duftstoffen als Warnsignal ermöglichen Bodenpilze, dass mehrere Bäume untereinander in Kontakt stehen und Informationen austauschen. Das Pilz-Netzwerk erinnert in seiner Funktion an das Internet und wird auch «Wood Wide Web» genannt.
Gewisse Menschen haben eine Pilzphobie.
Die krankhafte, irrationale Angst vor Pilzen nennt sich Mykophobie. Menschen, die unter dieser Phobie leiden, empfinden tiefen Ekel oder extreme Furcht beim Anblick, bei der Berührung oder sogar schon beim Gedanken an Pilze.
Die populäre Pilzbegeisterung ist allgemein noch relativ jung. Bei unseren Ahnen sei eine gewisse Furcht vor Pilzen weit verbreitet gewesen, sagt der langjährige Direktor des Bernischen Historischen Museums Jakob Messerli in einem Interview.
Menschen früher hatten vor allem Angst, vergiftet zu werden. Erst im 19. Jahrhundert sorgten verschiedene Experimente und die aufkommende Ernährungswissenschaft dazu, dass erstmals mehr Pilze gegessen wurden.
Bei diesen Pilzen bekomme ich auch eine Phobie:
Das grösste Lebewesen der Erde ist ein Pilz.
Der Hallimasch-Pilz in den USA im Bundesstaat Oregon erstreckt sich über eine Fläche von rund neun Quadratkilometern, wiegt etwa 600 Tonnen und ist schätzungsweise 2400 Jahre alt. Auch der grösste Pilz der Schweiz (und ganz Europas) ist ein Hallimasch mit einer Fläche von 35 Hektaren. Das entspricht rund 50 Fussballfeldern!
Mehr zum Schweizer Hallimasch und anderen riesigen Lebewesen:
In der Schweiz war der unkontrollierte Pilzverkauf lange ein Problem.
Immer wieder befanden sich giftige Pilze unter den bekömmlichen. 1884 sorgte ein Fall einer Berner Familie für landesweites Aufsehen: Sie hatten frische Champignons vom Berner Markt gegessen und am nächsten Tag Vergiftungssymptome erlitten. Zwei der sieben Betroffenen starben einige Tage später. Künftig kontrollierte zumindest in Bern ein Apotheker in Begleitung eines Polizeibeamten die zu verkaufenden Pilze. 1925 wurde dann die Schweizerische Vereinigung amtlicher Pilzkontrollorgane (VAPKO) gegründet, welche unter anderem die Pilzmarkt-Kontrollen in der Schweiz vereinheitlichte und Zulassungskriterien zum Verkauf sowie Pilzbezeichnungen festlegte.
Hier findest du Tipps und Tricks zum Pilzsammeln:
Nur ein Bruchteil aller Pilzarten ist bis jetzt bekannt.
Mehr als 300'000 Pilzarten wurden weltweit wissenschaftlich beschrieben. Das ist nur etwa 3 % bis 8 % aller tatsächlich existierenden Pilzarten. Wissenschaftler schätzen die Gesamtzahl auf 2.2 bis 3.8 Millionen Arten, manche Schätzungen gehen sogar von bis zu 5.1 Millionen aus. Die Pilzdatenbank SwissFungi der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) verzeichnet knapp 10'000 nachgewiesene Arten.
Es gibt einen Pilz, der Plastik verdauen kann.
Er heisst Fungus Pestalotiopsis microspora und wächst im ecuadorianischen Dschungel. Entdeckt haben ihn Studierende der Yale University. Es handelt sich dabei um eine endophytische Pilzart. Das bedeutet, dass der Pilz im Inneren des Vegetationskörpers einer Pflanze lebt; von Auge ist er nicht zu sehen.
Der Pestalotiopsis microspora kann Plastik, genauer gesagt Polyurethane, abbauen. Aktuell untersuchen Forscher, ob der Pilz die Plastikmüllflut auf der Erde eindämmen könnte. Da er nicht einmal Sauerstoff benötigt, wäre er der perfekte Helfer für tief vergrabenen Müll auf Deponien oder auf dem Meeresgrund.
Für die richtig Pilzvernarrten:
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