Die Briefkastenfirma ist international berühmt-berüchtigt: Die Illumove SA in Lausanne. Sie ist das Vehikel, über das Mohammad Abedini, 38, den iranischen Revolutionsgarden Komponenten für Navigationssysteme von Kampfdrohnen geliefert haben soll.
Mit einer dieser Kampfdrohnen der Revolutionsgarden wurden laut US-Angaben im Januar 2024 in Jordanien drei amerikanische Soldaten getötet.
Seit Dezember 2024 stehen Abedini, aber auch seine Aktiengesellschaft Illumove, auf einer US-Sanktionsliste. Abedini, der international zur Verhaftung ausgeschrieben ist, wird Umgehung von Sanktionen und Unterstützung der als Terrororganisation eingestuften Revolutionsgarden vorgeworfen.
Ein explosiver Mix. Der Fall verursacht eine Reihe von Problemen in der Waadt, aber auch in Bundesbern.
So versuchen die Waadtländer Behörden derzeit, die sanktionierte Firma aus ihrem Handelsregister zu streichen: «Wir werden ein Kontrollverfahren nach Artikel 939 OR gegen die betreffende Gesellschaft einleiten», heisst es auf Anfrage beim Handelsregisteramt in Moudon VD.
Dieser Artikel im Obligationenrecht bezieht sich auf Mängel in der Organisation einer Gesellschaft. Wenn eine Gesellschaft beispielsweise keinen Verwaltungsrat oder kein Rechtsdomizil mehr hat, kann das Amt einschreiten. Es fordert die Firma auf, den Mangel zu beheben. Geschieht das nicht, kann ein Gericht die Auflösung der Gesellschaft anordnen.
Bei der Illumove ist der mutmassliche iranische Agent Abedini der einzige Verwaltungsrat. Der angebliche Technologie-Schieber wurde im Dezember am Flughafen Malpensa in Mailand verhaftet, als er auf dem Weg von Istanbul nach Lausanne war. Er sass um die Jahreswende einige Wochen in italienischer Auslieferungshaft. Auf Gesuch der USA, die seine Auslieferung beantragten und die den Mann als «sehr gefährlich» bezeichnen.
Aber Mitte Januar wurde Abedini von der Regierung Meloni freigelassen und in ein Flugzeug nach Teheran gesetzt. Dies im Rahmen eines Tauschgeschäfts mit den Mullah. Diese hatten, drei Tage nach Abedinis Verhaftung, in Teheran die italienische Journalistin Cecilia Sala verhaftet, um Abedini freizupressen. Indirekt lieferten die Iraner damit natürlich den Beleg, dass Abedini ihr Agent war.
Jetzt ist Abedini also wieder in Teheran, aber seine dubiose Schweizer Firma, die zudem auf einer US-Sanktionsliste steht, ist noch aktiv. Theoretisch könnte er sie sogar weiter nutzen. Und Abedini hat laut italienischen Medien eine gültige Schweizer Aufenthaltsbewilligung. Was der Kanton Waadt gegenüber CH Media nicht bestätigen will: Datenschutz.
Wissenschafter Abedini war bis 2022 an der ETH Lausanne als Postdoktorand tätig. Schon 2019 gründete er mit einem Kollegen und unterstützt von der ETH die Illumove, mit Domizil auf dem Gelände des Innovationsparks. Die Firma verfügt über ein Aktienkapital von 100'000 Franken, das womöglich von den Revolutionsgarden stammt. Zweck der Firma ist Forschung und Produktion im Bereich Maschinenbau und Elektrotechnik. Der Kollege trat ein Jahr später wieder aus; wie es heisst, im Streit.
Trotz der Enthüllungen um Abedini hat der ETH-Innovationspark das Domizil für die Illumove bisher nicht austragen lassen. Jedenfalls ist im Handelsregister noch keine solche Änderung vermerkt. Auf eine Mailanfrage gab es bis Redaktionsschluss dieses Artikels keine Antwort auf die Frage nach den Gründen.
Wird Abedini wieder in der Schweiz auftauchen? Er ist von den USA, wo ihm eine langjährige Haftstrafe droht, international zur Verhaftung ausgeschrieben. Die Frage ist, ob die Schweiz den Iraner überhaupt verhaften würde, wenn er sich hier zeigen sollte. Oder ob sie, nach den Erfahrungen der Italiener, lieber darauf verzichtet.
Zumal vor einigen Wochen ein Schweizer Staatsbürger in einem iranischen Gefängnis zu Tode kam. Der Mann war laut Iran ein «Spion» und beging angeblich Selbstmord. Aber die Bundesanwaltschaft hat ein Verfahren eingeleitet. Und Aussenminister Ignazio Cassis forderte am WEF von seinem iranischen Vizepräsidenten Erklärungen.
Wird Abedini, verhaftet, wenn er in die Schweiz kommt? Ingrid Ryser, Sprecherin beim Bundesamt für Justiz (BJ), antwortet mit einem kurzen Satz: «Fahndungsersuchen sind vertraulich und unterstehen dem Amtsgeheimnis.»
Ein ehemaliger Bekannter von Abedini, auch er iranischer Staatsbürger, traut ihm zu, dass er in die Schweiz kommt. «Er könnte kommen, um seine Konten und seine offiziellen Angelegenheiten zu regeln.»
Lausanne ist bekannt dafür, dass hier viele Iranerinnen und Iraner studieren. 2023 waren gemäss einem Bericht des Westschweizer Fernsehens 230 iranische Staatsbürgerinnen und Staatsbürger an der Uni Lausanne und der ETH Lausanne eingeschrieben. Wie der Kanton auf Anfrage mitteilt, leben derzeit rund 1400 Iranerinnen und Iraner legal im Kanton Waadt. Doppelbürger nicht gezählt.
Die meisten Exil-Iraner sind Gegner des Regimes in Teheran, auch die meisten Studentinnen und Studenten. Unter ihnen geht die Angst um. Gegenüber dem Fernsehen gaben alle Befragten an, sie würden «von den iranischen Behörden überwacht». Wer in den Iran zurückkehre, müsse damit rechnen, verhaftet und getötet zu werden.
Aber es gibt in Lausanne offensichtlich auch Agenten und Spitzel.
Auch für Abedini gilt die Unschuldsvermutung.