Zwei Monate unbemerkt: Der tragische Tod einer Schweizerin in Italien
Das Leben der Cornelia M.
Die 65-jährige Schweizerin Cornelia M.* lebte seit Jahren in Italien. Mit ihrem 74-jährigen Ehemann und ihrem 43-jährigen Sohn wohnte sie in einem Bauernhaus in der Gemeinde Cingoli in der Provinz Macerata. Die Familie lebte zurückgezogen, Anwohner berichten gegenüber dem Corriere Adriatico, dass sie kaum bekannt war und abgeschottet gelebt habe. Niemand aus der Gemeinde hatte Kontakt zur Familie. Selbst der Pfarrer versuchte vergeblich, mit ihr zu sprechen, wie er dem Resto del Carlino erklärt.
Der Todesfall
Weil Nachbarn die 65-Jährige, die immer nur mit ihrem Mann das Haus verliess, die Frau seit längerem nicht mehr gesehen haben, meldeten sie sich bei der Polizei. Laut dem Cronache Maceratesi sollen sie auch einen unangenehmen Geruch wahrgenommen haben. Auch Mitarbeitende einer Psychiatrie, in der der Sohn des Paares wegen seiner Beeinträchtigung in Behandlung war, informierten die Behörden, da der 43-Jährige seit einiger Zeit nicht mehr zu seinen Terminen erschienen war.
Mitarbeitende des Sozialdienstes und die Polizei machten sich auf zum Haus der Familie. Der Ehemann gab an, seine Frau sei einkaufen gegangen. Doch die Besucher waren stutzig geworden. Bei der Überprüfung des Hauses wurde Cornelia M. schliesslich tot in ihrem Bett gefunden. Sie war angezogen und mit einem Laken bedeckt. Da der Körper schon fast mumifiziert war, war schnell klar, dass die Frau schon länger tot war, mindestens zwei Monate. Eine Autopsie zeigte später, dass es keine Hinweise auf Gewalt gab, die Frau starb eines natürlichen Todes.
Die Erklärung der Behörden
Gegen den 74-jährigen Ehemann und den 43-jährigen Sohn wurde nicht ermittelt. Es war schnell klar geworden, dass hier ein tragisches Schicksal vorliegt, berichtet Il Resto del Carlino. Die Familie lebte derart zurückgezogen und hatte auch keinen Kontakt zu anderen Familienangehörigen, dass der Todesfall unbemerkt blieb. Da die Frau keine Rente bezogen habe, war auch klar, dass hier kein Betrug vorlag, berichtet der Cronache Maceratesi.
Die Behörden gehen davon aus, dass der Ehemann den Tod seiner Frau schlicht nicht akzeptieren wollte, da er sie zeitlebens umsorgt habe. Und der Sohn habe aufgrund seiner schweren Beeinträchtigung wohl nicht einmal bemerkt, dass seiner Mutter etwas zugestossen ist.
Gemäss Medienberichten sei im Haus rasch klar geworden, dass die beiden sich in einer Notlage befanden. Sie wurden beide zur Kontrolle ins Spital gebracht. Danach wurde ein Vormund zur Betreuung für sie beantragt.
Der überraschende Fund
Nun wurde das Haus gereinigt und desinfiziert. Zwei Arbeiter der zuständigen Firma machten dabei einen unerwarteten Fund. In dem Bauernhaus fanden sie in weissen Umschlägen verpackt Banknoten im Wert von rund 136'000 Euro. Verteilt in Schubladen und Schränken. Es dürfte sich um die Ersparnisse der Familie handeln.
Den Fund meldeten sie umgehend der Polizei, wie es in Medienberichten heisst. Diese übergab das Geld schliesslich dem Ehemann, der es auf einem Bankkonto deponierte. Noch befinden sich Mann und Sohn in einer Gesundheitsinstitution. Sobald die Reinigung abgeschlossen ist, sollen sie wieder nach Hause zurückkehren.
*Name bekannt
