Jacques Moretti wird erneut befragt – Treffen mit Frau Jessica abgesagt
Jacques Moretti, der Betreiber der Unglücksbar «Le Constellation» in Crans-Montana VS, wird am Montag erneut von der Walliser Staatsanwaltschaft befragt. Er wurde in einem Gefangenentransporter zum Campus Energypolis in Sitten gebracht. So ging er den wartenden Medienschaffenden und Opferangehörigen aus dem Weg.
Die Staatsanwaltschaft hatte Moretti bereits am 9. und 20. Januar sowie am 12. Februar und 5. Juni befragt. Bei der letzten Einvernahme war er mit seiner Ehefrau Jessica konfrontiert worden.
Auch am Montag war ursprünglich eine Gegenüberstellung des Ehepaars geplant. Die Staatsanwaltschaft verzichtete jedoch vergangene Woche darauf, Jessica Moretti vorzuladen.
Einvernahme verschoben
Jacques Moretti sitzt seit Mitte August wegen des Verdachts auf häusliche Gewalt gegen seine Ehefrau in Untersuchungshaft. Laut dem Westschweizer Radio und Fernsehen RTS hatten die Anwälte von Jessica Moretti, Yaël Hayat und Nicola Meier, der Staatsanwaltschaft eine psychotherapeutische Bescheinigung vorgelegt.
Daraufhin verschob diese die Einvernahme der Französin. Nach derzeitigem Zeitplan soll sie am 2. Dezember gemeinsam mit ihrem Ehemann befragt werden.
Jacques Moretti traf am Montag bereits vor den ersten Medienschaffenden am Campus Energypolis ein. Sein Anwalt Patrick Michod begleitete ihn bei der Einvernahme. Mehrere Opfer und Angehörige nahmen daran teil.
Keine Antworten zu Geldwäscherei
Bei seiner Einvernahme will Jacques Moretti keine Fragen der Anwälte der Zivilkläger zu einem möglichen Geldwäschereidelikt beantworten. Dies teilte sein Anwalt Patrick Michod der Walliser Staatsanwaltschaft laut der italienischen Nachrichtenagentur Ansa in einem Schreiben mit.
Die Ermittler haben wegen des Verdachts auf Geldwäscherei einen separaten Ermittlungsstrang eröffnet. In den Untersuchungsakten befindet sich laut Ansa ein Bericht des Bundesamts für Polizei (Fedpol), der auf «ungewöhnliche» Kontobewegungen und «undurchsichtige Transaktionen» hinweist.
Angehörige fordern Antworten
«Wir hoffen, dass Jacques Moretti endlich mit seinen Ausflüchten aufhört und die offenen Fragen in diesem Fall geklärt werden», sagte Gilles-Antoine Hofstetter, einer der Anwälte der Zivilkläger, vor der Befragung der Nachrichtenagentur Keystone-SDA.
Laetitia Brodard-Sitre, die Mutter eines Opfers, zeigte sich enttäuscht darüber, dass die geplante Gegenüberstellung nicht stattfand. «Ich will wissen, was in jener Nacht geschehen ist», sagte sie.
«Nur unsere Kinder zählen. Für sie werden wir nicht aufgeben», sagte Astrid Panine, deren Tochter als Service-Angestellte bei dem Brand ums Leben gekommen war.
17 Beschuldigte
Jacques Moretti hatte bereits vom 9. bis 23. Januar im Zusammenhang mit der Brandkatastrophe in Untersuchungshaft gesessen. Bei dem Feuer in der Bar «Le Constellation» in der Silvesternacht kamen 41 Menschen ums Leben, 115 weitere wurden verletzt.
Die Staatsanwaltschaft führt inzwischen gegen 17 Personen ein Strafverfahren. Neben dem Betreiberpaar stehen acht ehemalige oder amtierende Behördenmitglieder von Crans-Montana beziehungsweise der früheren Gemeinde Chermignon sowie sieben ehemalige oder derzeitige Gemeindeangestellte unter Verdacht.
Allen Beschuldigten wirft die Staatsanwaltschaft fahrlässige Tötung, fahrlässige Körperverletzung und fahrlässige Brandstiftung vor. Gegen Jessica Moretti wird seit ihrer letzten Einvernahme Anfang Juni zusätzlich wegen Urkundenfälschung ermittelt. (sda)
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