Schweiz
Justiz

Genfer soll Ehefrau betäubt und vergewaltigt haben

Journalistin deckt Fall auf: Genfer soll Ehefrau betäubt und vergewaltigt haben

18.09.2026, 11:4118.09.2026, 11:41

Ein Mann aus dem Kanton Genf soll seine Ehefrau unter Drogen gesetzt und vergewaltigt haben, während sie bewusstlos war. Aufnahmen der Übergriffe soll er anschliessend mit anderen Männern in Online-Gruppen geteilt haben. Der Beschuldigte sitzt seit Mai 2025 in Untersuchungshaft.

Die Genfer Staatsanwaltschaft bestätigte am Freitag der Nachrichtenagentur Keystone-SDA die Eröffnung eines entsprechenden Strafverfahrens. Der Beschuldigte wohnt im Kanton Genf. Für ihn gilt die Unschuldsvermutung.

Ins Rollen gebracht wurde der Fall durch die kanadische Investigativjournalistin Avery Haines. In einem am Freitag veröffentlichten Interview mit den Zeitungen von CH Media schilderte sie, wie sie auf den Mann gestossen war.

Avery Haines
Avery Haines ist eine mehrfach ausgezeichnete Investigativjournalistin aus Kanada.bild: zvg

Bei Recherchen zum in Kanada wegen Vergewaltigung verurteilten Bryan Hayward sei ihr in einem sozialen Netzwerk ein Profil aufgefallen, das dessen Videos kommentiert habe. Der Nutzer habe sich als Filmemacher bezeichnet und Ratschläge gegeben, wie Videos von Vergewaltigungen inszeniert werden könnten.

Kontakt über verschlüsselten Messenger

Haines nahm unter einem Vorwand Kontakt mit dem Mann auf und gab an, einen Mentor zu suchen. Anschliessend wechselten die beiden auf einen verschlüsselten Nachrichtendienst. In den Nachrichten habe der Mann seine Ehefrau extrem entmenschlichend beschrieben und davon gesprochen, sie zu einem «Spielzeug» zu machen, sagte Haines.

Durch weitere Recherchen stiess die Journalistin nach eigenen Angaben in sozialen Netzwerken auf ein Hochzeitsvideo. Sie identifizierte die Braut als jene bewusstlose Frau, die sie zuvor auf den Aufnahmen gesehen hatte. Daraufhin übergab sie ihre Erkenntnisse der Genfer Polizei. Einige Monate später sei sie über die Festnahme des Mannes informiert worden.

Weitere ähnliche Fälle

Der Fall weist Parallelen zu einem Verfahren in Untersiggenthal AG auf. Der frühere SVP-Grossrat Patrick Frei wird beschuldigt, zwei Frauen, darunter eine Minderjährige, wiederholt unter Drogen gesetzt und sexuell missbraucht zu haben. Er befindet sich seit drei Jahren in Untersuchungshaft.

International grosse Aufmerksamkeit erhielt das Thema von Sexualdelikten an betäubten Opfern durch den Fall Gisèle Pelicot in Frankreich. Ihr damaliger Ehemann Dominique Pelicot hatte sie über Jahre hinweg betäubt und von Männern vergewaltigen lassen. Er wurde im Dezember 2024 zu einer Freiheitsstrafe von 20 Jahren verurteilt. (sda)

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12 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Fred_64
18.09.2026 11:59registriert Dezember 2021
Wie hat doch die SVP bei der "nur ein ja ist ein ja"-Besprechung im Parlament gesagt: der Richter hat im Schlafzimmer nichts zu suchen.
Nach den div. Vorfällen zu diesem Thema verstehe ich diese Aussage der SVP sehr gut.
Aber ich finde sie zum Kotzen!
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Spin Doctor of Medicine
18.09.2026 12:11registriert August 2019
Danke für den Einsatz von investigativen und kritischen Journalistinnen und Journalisten! Ihr bewegt etwas!
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PetNat
18.09.2026 12:37registriert März 2014
Aus dem Artikel: „…Haines nahm unter einem Vorwand Kontakt mit dem Mann auf und gab an, einen Mentor zu suchen.“

Grossartige Investigativarbeit dieser Journalistin. Es stimmt aber nachdenklich, dass nicht die Polizei selbst solche Anstrengungen unternimmt… was wenn diese Journalstin nicht gewesen wäre?

Der Täter würde wohl noch frei herumlaufen.
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