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Fall Pelicot: Verbotene Vergewaltiger-Website coco ist zurück

Gisele Pelicot exits the Avignon courthouse, in southern France, Dec. 19, 2024. (AP Photo/Lewis Joly)
Der Fall von Gisèle Pelicot sorgte weltweit für Entsetzen.Bild: keystone

Verbotene Vergewaltiger-Website aus dem Fall Pelicot ist wieder online

Die Plattform, auf der sich unter anderem die Vergewaltiger von Gisèle Pelicot austauschten, ist zwei Jahre nach ihrem Verbot wieder aktiv. Eine andere wurde gerade vom Netz genommen – zumindest für den Moment.
13.05.2026, 04:5913.05.2026, 10:12
Stefan Brändle
Stefan Brändle

Die Internetseite coco.fr wurde 2024 während des Pelicot-Prozesses verboten. Wer meinte, die Plage dieser digitalen Treffpunkte sei damit unter Kontrolle, täuschte sich allerdings: Jetzt zeigt sich, dass die Plattform, über die sich die Vergewaltiger von Gisèle Pelicot kennengelernt hatten, wieder auflebt.

Der Name hat sich leicht in «cocoland» geändert, der Besitzer ist nicht mehr derselbe, doch der grässliche Inhalt bleibt gleich: Es geht im Endeffekt um den Austausch von Videos und Einladungen für die Vergewaltigung ohnmächtiger Ehe- und anderer Frauen.

Die Regionalzeitung «Ouest-France» hat die Rückkehr dieses Forums für Swinger und Partnertausch Mitte April bekanntgemacht. Der grüne Abgeordnete Arnaud Bonnet forderte darauf eine prompte Reaktion der Justiz, und die Staatsanwaltschaft eröffnete ein Strafverfahren wegen möglicher Gewaltakte, Freiheitsberaubung und Pädophilie. Letzteres, weil sich der Fernsehsender verdeckt BFM als 13-jähriges Mädchen angemeldet und sogleich sexuelle Videos erhalten hatte.

Cocoland.fr ist einem Verbot zuvorgekommen und war am Montag nicht mehr aktiv. Eine zweite Adresse mit dem modifizierten Domain-Namen cocoland.info beklagte sich über eine angebliche Verwechslung, nahm sich aber auch selbst aus dem Netz.

«Keine Erwachsene, sondern Kriminelle»

Neue Ableger sollen bereits an ihre Stelle getreten sein – denn das Geschäft damit ist sehr einträglich. Am Samstag schloss die Regierung frankreichweit eine Seite namens Motherless, auf der Videos mit Vergewaltigungen, betäubten Frauen und Minderjährigen kursierten. «Das waren keine Inhalte für ‹Erwachsene›, sondern für Kriminelle», erklärte Frauenministerin Aurore Bergé.

Die Website aus dem Fall Pelicot ist unter neuem Namen wieder online.
Die Website aus dem Fall Pelicot ist unter neuem Namen wieder online.Bild: Getty Images

Die Website, deren Server sich in den Niederlanden befinden, wurde kurz zuvor von den Behörden offline genommen. Der Cyberschutz schritt allerdings erst ein, nachdem CNN über die umsatzstarke, nicht nur in Frankreich tätige Netzadresse berichtet hatte.

Auf einem anderen Forum namens «zzz» tauschten Männer Tipps aus, mit welchen Arzneien oder Drogen eine Frau am besten zu betäuben sei. «Das Internet und Darknet wirken als eine Art Beschleuniger», analysierte bei Bekanntwerden Kriminologe Dirk Baier gegenüber CH Media. Illegales Verhalten werde in solchen Foren normalisiert.

Die Abgeordnete Sandrine Josso, selbst Opfer einer Betäubungsattacke in Paris, nannte die Website in der CNN-Reportage eine «eigentliche Akademie der Vergewaltigung». Gegenüber unserer Zeitung nannte Aktivistin Maïté Meeus das Bekanntwerden solcher Plattformen durch den Fall Pelicot als einen Wendepunkt: «Er hat gezeigt, dass Täter nicht der ‹Fremde in der dunklen Gasse› sind, sondern der eigene Ehemann sein kann.»

«Nie betrunken chatten»

In Frankreich, dem viertgrössten Konsumenten von Pornoinhalten, hat die Kriminalpolizei seit der Schliessung von coco vor zwei Jahren schon zahlreiche andere Webseiten verfolgt. Derzeit ermittelt sie gegen Adressen wie chaat.fr oder chatiw.fr.

Sie treten als normale Dating-Seiten auf und warnen von sich aus vor strafrechtlich relevanten Inhalten, um nicht behördlich sanktioniert zu werden. Auf Chatiw konnte man am Montag zum Beispiel den Ratschlag lesen, man solle «nie betrunken chatten».

Diese Moderation geschehe aber nur zum Schein, meint die Frauenrechtlerin Vigdis Morisse-Herrera. In Wahrheit generierten die extremsten Videos von Vergewaltigungen und dergleichen die höchsten Klickraten. Sie vermittelten wie im Bezahlsystem von YouTube die höchsten Gewinne. «Der Cursor verschiebt sich deshalb auf immer härtere Videos», sagt Morisse-Herrera. «Die Leute suchen keine künstlich inszenierten Pornos mehr, sie wollen reale Videos.»

(aargauerzeitung.ch)

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18 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Gina3
13.05.2026 06:33registriert September 2023
Widerlich.
Wer steckt hinter diesen Websites?
Ist es wirklich unmöglich, nachhaltig gegen diese Internetseiten vorzugehen, die zu kriminellem Verhalten anstiften?
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wasps
13.05.2026 08:27registriert Januar 2022
Was ist das für eine kranke Gesellschaft! Zum Kotzen.
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Somnambulator
13.05.2026 09:30registriert Mai 2020
Sorry aber in einem solchen Fall ist es doch wirklich unnötig den Namen / die URL der Webseite zu publizieren... Das trägt nichts zum Informationsgehalt des Artikels bei sondern erleichtert bloss den Zugang zu dieser widerlichen Seite...
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