Schweiz
Klima

Wasserhose über dem Bodensee: was es mit dem Wetterphänomen auf sich hat

Eine Wasserhose jagt über den Bodensee bei Friedrichshafen.
Nach den Unwettern in der Nacht auf den Mittwoch zog eine Wasserhose über den Bodensee. Bild: Raphael Rohner / ch media

Das ist eine Wasserhose – und so entsteht sie

02.07.2026, 16:1502.07.2026, 16:15

Es war ein spektakulärer Anblick, der sich denen bot, die genug Glück hatten, am Mittwoch zur richtigen Zeit ihren Blick über den Bodensee schweifen zu lassen. Einigermassen verstört betrachteten manche den zirkulierenden vermeintlichen Wasserturm, der sich seinen Weg über die Oberfläche des Bodensees bahnte.

Dabei treten solche Wasserhosen, wie das Phänomen in der Deutschschweiz genannt wird, auf den grossen Schweizer Seen zwar eher selten, aber doch in einer gewissen Regelmässigkeit auf, wie Meteonews in einem Blogbeitrag erklärt. Für den Bodensee zählt das Schweizer Sturmarchiv total 38 Fälle solcher auftretenden Wasserhosen, auf dem Genfersee kam es bereits 22-mal zu dem Wetterphänomen. Doch wie und wieso bilden sie sich?

Wasserhosen entstehen, wenn mehrere Wetterbedingungen gleichzeitig zusammenkommen. Meist strömt kalte Luft über einen relativ warmen See. Dadurch erwärmt sich die Luft direkt über dem Wasser, steigt auf, und die Atmosphäre wird instabil. Feuchte Luft und wachsende Quellwolken schaffen zusätzlich günstige Voraussetzungen für die Entstehung einer Wasserhose.

Windgeschwindigkeiten von bis zu 120 km/h

In der Nähe der Wasseroberfläche treffen Luftströmungen aus verschiedenen Richtungen aufeinander und erzeugen eine kleine Drehbewegung. Ein starker Aufwind unter einer Wolke nimmt diese Drehung auf und verstärkt sie, sodass ein rotierender Luftwirbel entsteht. Der sichtbare Trichter besteht dabei jedoch nicht aus angesaugtem Wasser, sondern aus kondensierten Wassertröpfchen. Das Wasser, das am See aufgewirbelt wird, ist hauptsächlich feiner Sprühnebel und nicht Wasser, das in den Himmel gesaugt wird.

Wenn auch Wasserhosen meist nicht die Kraft eines Tornados haben, können sie für Wassersportler und kleinere Boote dennoch problematisch werden. Denn je nach Stärke des Ereignisses können Windgeschwindigkeiten von 60 bis 120 Kilometern pro Stunde erreicht werden.

Typischerweise sind die Bedingungen für die Entstehung solcher Wasserhosen gegen Ende des Sommers hin ideal. Die Oberflächentemperatur der Seen ist dann meist von den Sommermonaten aufgeheizt und die Wahrscheinlichkeit einer Kaltfront nimmt zu. Dass eine Wasserhose jedoch wie in diesem Jahr so früh im Sommer auftritt, ist eher ungewöhnlich und hat mit der historischen Hitzewelle der vergangenen Woche zu tun, wie Meteonews schreibt. (jul)

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