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Klimaaktivisten besetzen heute Gymi in Zürich – watson live vor Ort

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Klimaaktivisten besetzen heute Gymi in Zürich – und fordern Gespräch mit Bildungsdirektion

Die Klimajugend besetzt heute das Gymi Enge in Zürich. Und watson war live vor Ort, um den Jugendlichen sowie den Lehrpersonen auf den Zahn zu fühlen. Wir berichten auf Instagram sowie hier mit Videos und Bildern.
07.02.2023, 06:3807.02.2023, 22:31
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Bereits letzten Freitag haben Aktivistinnen und Aktivisten der «letzten Generation», des Kollektivs «Erde brennt» und der internationalen Bewegung «End Fossil» die Aula eines Gymnasiums in Basel besetzt. Heute geht es also in Zürich weiter.

Mit den Besetzungen wollen die Jugendlichen auf ihre Forderungen aufmerksam machen. Dazu gehört unter anderem, dass man sich im Schulunterricht mehr mit gegenwartsbezogenen Themen auseinandersetzten soll, wie der Klimakrise oder dem Ukrainekrieg.

Hast du Fragen an die Klimaaktivisten? Melde dich auf den Aufruf in der Instagram-Story von watson.

Es geht los

Um kurz nach 6 Uhr morgens versammelten sich Aktivistinnen und Aktivisten bei der Zentralwäscherei in Zürich, um von dort gemeinsam zur Schule zu gehen. Die Jugendlichen sind zwischen 11 und 20 Jahren alt. Sie scheinen etwas nervös zu sein, die Stimmung ist aber hervorragend.

Gegen 7 Uhr erreicht die Gruppe die Kantonsschule Enge, wo die Besetzung stattfinden wird. Die Schule empfängt die Aktivisten nach einer kurzen Diskussion mit dem Rektorat.

Klimaaktivisten Zürich Engel
Bild: watson/sal
schulbesetzung klimajugend Gymi Enge
Bild: watson/sal

Das Programm

klimaaktivisten Schulbesetzung
Bild: watson/sal

Um auf ihre Positionen aufmerksam zu machen – und den Raum, den sie heute für sich beanspruchen, auch mit Inhalten zu füllen –, haben die Jugendlichen ein Programm auf die Beine gestellt, das Workshops, offene Diskussionen und Musik umfasst. Auch Politisierende sind für die Workshops angekündigt.

Dabei dreht sich in den sechs besetzten Klassenzimmern nicht alles nur ums Klima. Auch Themen wie Gender, das Bildungssystem und der Leistungsdruck stehen auf dem Programm.

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Bild: watson/sal

Etwa 150 Schüler und Schülerinnen würden sich derzeit aktiv an der Besetzung beteiligen, so die Aktivistin Johanna*. Jene Schülerinnen und Schüler, die an den Diskussionsrunden in den besetzten Schulzimmern teilnehmen, müssen mit einem Absenzeneintrag rechnen, wie Rektor Moritz Spillmann sagt.

Die 17-jährige Nora* gehört zu den Aktivisten an vorderster Front. Sie sagt, dass sie sich erhoffe, dass die Aktion «endlich» eine Veränderung im Bildungssystem bringen werde. Die Aktion sei bisher friedlich und erfolgreich verlaufen, so die Aktivistin.

Ob die Besetzer über Nacht in der Schule bleiben, ist noch offen. Gemäss Spillmann ist das noch nicht geklärt. Die Klimaschützer haben die Zürcher Bildungsdirektorin Silvia Steiner (Mitte) eingeladen, vor Ort Stellung zu beziehen. Ob sie erscheinen wird, ist jedoch offen.

Workshops: Kritik am Schulsystem

Klimastreik Schulbesetzung
Bild: watson/kma

Die Schülerinnen und Schüler üben Kritik am Schulsystem. Sie sagen:

«Ich bin in einer Wirtschaftsklasse. Ich weiss, wie man einen Cashflow berechnet, aber nicht, wie man eine Steuererklärung ausfüllt.»

Oder:

«Es braucht mehr finanzielle Unterstützung für Schulmaterial und Nachhilfe. Denn Kinder von reichen Eltern haben hier klare Vorteile gegenüber Kindern aus ärmeren Elternhäusern.»

Das sagen Rektorat und Lehrpersonen

Der Rektor der Kantonsschule Enge, Moritz Spillmann sagt gegenüber watson.

«Wir haben diese Besetzung nicht gesucht. Aber damit gerechnet, dass sie zu uns kommen könnten. Als Bildungsinstitution sehen wir es als unseren Auftrag, diese Debatte zu führen. Darum nehmen wir diese Aufgabe an und versuchen, das Beste aus der Situation herauszuholen.»
Klimajugend Enge Schulbesetzung
Moritz SpillmannBild: watson/instagram

Die feministische Aktivistin Anna Rosenwasser ist ebenfalls in der Kanti Enge. Sie sagt, dass sie die Klimabewegung unterstütze, weil es darum gehe, dass unsere Lebensgrundlage nicht verschwinde. «Wenn wir das nicht aktiv bekämpfen, können wir gar nichts mehr machen. Diesen Widerstand möchte ich unterstützen, darum bin ich hier.»

Die Deutschlehrerin Beatrix Stoll unterstützt die Klimaaktivisten ebenfalls:

«Das Thema gehört zu den Jungen.»

Es sei wichtig, dass die Schülerinnen und Schüler diskutierten, neugierig seien, Fragen stellten – «genau so muss es sein. Die Jugendlichen hinterfragen ‹was ist hier los?›».

Eine andere Lehrperson sagt, dass bei noch niemand gefehlt habe. Das Interesse der Schüler und Schülerinnen sei nicht überwältigend.

Nicht alle unterstützen die Klimaaktivisten

Nicht alle Schüler und Schülerinnen der Kanti Enge unterstützen die Klimajugend. Ein Schüler sagt gegenüber watson, dass er die Idee zwar «nicht schlecht» finde, aber nicht mitmachen werde.

Der 18-jährige Kantischüler Luca* sagt watson, dass die Aktion «unnötig» sei. Die Klimaaktivisten hätten den falschen Ansatz.

Und auch eine Lehrperson äussert sich gegenüber watson kritisch: Die Forderungen der Aktivisten seien ein «Chrüsimüsi». Die Art und Weise, wie die Aktivisten auftreten, sei nicht zielführend, sondern «konfus».

Kontroverse um RJZ-Banner

Banner der RJZ in der Kanti Enge.
Banner der RJZ in der Kanti Enge.Bild: watson/kma

An einem Geländer wurde ein Transparent der «Revolutionären Jugend Zürich» (RJZ) aufhängt. Die RJZ gehört zum Revolutionären Aufbau Zürich – einer Organisation, die dem linksextremen Spektrum zuzuordnen ist. Der Revolutionäre Aufbau wurde in Lageberichten des schweizerischen Nachrichtendiensts bereits als «Taktgeber der gewalttätigen linksextremen Szene» bezeichnet.

Die Klimaaktivisten schreiben dazu gegenüber watson:

«Wir distanzieren uns in unserer Aktionsform klar und deutlich von der Anwendung von Gewalt gegen Menschen. Dies ist auch bei allen beteiligten Orgas und Personen Konsens. Das Transparent der RJZ widerspricht dem in keiner Weise, sondern es nimmt eine Kernforderung von uns auf: Organisierung der Jugend gegen die Klimakrise und für eine bessere Welt!»

Update folgt.

Die grosse watson-Reportage zu den Vorbereitungen der Aktion

*Name der Redaktion bekannt.

(yam/sal/kma, mit Material der sda)

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207 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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el cóndor terminado
07.02.2023 07:30registriert Juni 2021
Wieso unterstützt watson dieses Verhalten mit dieser medialer Aufmerksamkeit? Live-ticker? Ist das nötig?
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bebby
07.02.2023 07:09registriert Februar 2014
Es steht den Aktivisten frei draussen zu demonstrieren, aber den Unterricht zu stören ist kontraproduktiv.
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Connor McJesus
07.02.2023 09:58registriert November 2015
Ach come on, der mit der Steuererklärung wird langsam alt. Ich war selber in der Kanti, habe das nie gelernt, und als ich es das erste Mal online gemacht habe, war es wie selbsterklärend.
Von einem Kantischüler kann man glaube ich erwarten, dass er sich die nötigen Informationen selber beschafft.
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