Umsatzeinbussen von 95 Prozent: So stark schadet das Feuerwerksverbot den Verkäufern
Der Nationalfeiertag wird von vielen Schweizerinnen und Schweizern gebührend gefeiert, indem Raketen, Zuckerstöcke wie auch Höhenfeuer gezündet werden. Dieses Jahr wird es mit dem Abfeuern aber schwierig, denn vielerorts gibt es strikte Feuerwerkverbote. Grund ist die anhaltende Trockenheit und die hohe Gefahr für Waldbrände. Wer dagegen verstösst, muss mit hohen Bussen rechnen. Beim Abfeuern im Wald drohen beispielsweise Bussen von bis zu 20'000 Franken.
Doch wie gehen die Unternehmen damit um, die Feuerwerk und Co. anbieten? Wird überhaupt noch etwas verkauft?
Weniger Umsatz und Schliessungen
Einige Kantone haben auch dem Feuerwerksverkauf den Riegel vorgeschoben. So auch der Kanton Wallis: Der Verkauf von sämtlichen Feuerwerkskörpern ist dort seit dieser Woche verboten, schreibt der Blick.
Trotz Feuerwerksverbots dürfen in einigen Kantonen die Läden Raketen oder Böller weiterhin anbieten. Laut Peter Zumbrunn vom Statthalteramt Interlaken-Oberhasli wäre es aber wünschenswert, wenn die Anbieter verzichten würden, schreibt die «Berner Zeitung».
Nach Bekanntgabe des Feuerwerksverbots in Bern hat der Stärnehimu dem Folge geleistet und den Laden «bis auf Weiteres» geschlossen. Gemäss Co-Geschäftsleiterin Linda Feller merkte man aber seit Juni eine gewisse Vorsicht: «Die Leute warteten mit dem Kauf zu», meint sie. Verglichen mit dem Vorjahr erzielte der Shop einen Umsatzrückgang von bis zu 30 Prozent. Die zwei Geschäftsführer von Stärnehimu leben alleine vom Feuerwerksverkauf, diesen Verkaufsrückgang können sie aber noch stemmen. Die Verkäufe vor dem 1. August machen einen Drittel des Jahresumsatzes aus. Gleich viel wird vor Silvester verkauft.
Bei Pyro Willen aus Frutigen werden grosse Detailhändler sowie Privatpersonen mit dem teils selbst hergestellten Feuerwerk beliefert. Private machen dabei beim Umsatz für den 1. August etwa 20 Prozent aus. Gemäss Geschäftsführer Thomas Willen wird eine Umsatzeinbusse von 40 Prozent erwartet. Die Lage ist aber nicht ganz so schlimm, wie es aussieht: «Abgesehen von unserem Direktverkauf ist die diesjährige Ware längst bei den Kunden. Nun bleiben die Lager der Detailhändler wohl gut gefüllt, sodass sie 2027 weniger bei uns bestellen werden», meint Willen gegenüber der «Berner Zeitung».
Keinen Zeltverkauf
Das Feuerwerksverbot setzt der Schweizer Feuerwerksbranche zu. Zwei Drittel des Jahresumsatzes werden mit dem 1.-August-Geschäft erzielt, erklärt Urs Corradini, Präsident der Schweizerischen Koordinationsstelle Feuerwerk (SKF), dem Blick. In der momentanen Situation fehle einfach die Nachfrage, fährt er fort. Auch Daniel Bussmann, Geschäftsführer und Inhaber der Feuerwerksfabrik Bugano in Neudorf LU, meint: «Niemand kauft Feuerwerk, wenn er weiss, dass er es nicht verwenden kann.» Aufgrund der wenigen Kundschaft gibt es dieses Jahr auch keinen Zeltverkauf. Ebenfalls vorübergehend geschlossen wurde der Onlineshop. Bussman rechnet mit Umsatzeinbussen von 95 Prozent.
Auf die besondere Lage hat auch die Baumarktkette Jumbo reagiert: Grossfeuerwerk wird nicht verkauft, in ausgewählten Filialen ist lediglich Kleinstfeuerwerk erhältlich, heisst es gemäss der Website. Auch World of Party in Zunzgen BS, verkauft dieses Jahr kein Feuerwerk. Das Gleiche bei den Weco-Shops. Hier finden nicht nur die Zeltverkäufe nicht statt, sondern auch der Onlineshop bleibt vorübergehend geschlossen. Ebenfalls kein Feuerwerk verkauft Keller-Fahnen.
Händler zeigen Verständnis
Alain Stucki von der Stucki AG Wil sagt auf Anfrage: «Der diesjährige Feuerwerksverkauf geht gegen null.» Beim Unternehmen mit dem grössten Feuerwerkslager der Ostschweiz macht das Geschäft rund um den 1. August etwa die Hälfte des Jahresumsatzes aus. Laut Stucki haben inzwischen sämtliche Fachhändler den Feuerwerksverkauf eingestellt. Dies sei jedoch absehbar gewesen. Für die Feuerwerksverbote hat er aber Verständnis. Er sei froh, dass diese frühzeitig kommuniziert wurden. Dadurch habe sich der Schaden begrenzen lassen, weil etwa die Kosten für Container, Standmieten und Verkaufszelte für die Fachhändler entfielen.
