Schweiz schickt Dokfilm «Qui vit encore» ins Oscar-Rennen
Der Dokumentarfilm «Qui vit encore» vertritt die Schweiz im Rennen um einen Oscar. Der Genfer Regisseur Nicolas Wadimoff lässt darin Überlebende aus Gaza ihre Geschichte erzählen.
Neun Menschen erzählen in «Quit vit encore» von ihrem Überleben. Sie tun dies in einem abstrakten, schwarzen Raum, ohne Hintergrund oder Geräuschkulisse. Die Umrisse von Gaza sind mit weisser Kreide auf den Boden gezeichnet und die jeweils erzählende Person sitzt an einem Tisch.
«Qui vit encore» sei ein Film, der direkt die Gefühle von Verlust, Entwurzelung und Zugehörigkeit anspreche, die alle Beteiligten teilen, heisst es in der Begründung der Jury in einer Mitteilung des Bundesamts für Kultur (BAK) vom Donnerstag. Und: «In einer Zeit, in der die Region weiterhin im Mittelpunkt des weltweiten Interesses steht, ist der Film nicht nur aktuell und relevant, sondern bietet auch einen seltenen Raum, in dem persönliche Erinnerungen Vorrang vor politischen Narrativen haben.»
Beteiligte durften nicht in die Schweiz
Mit dieser Wahl schickt die Schweiz einen Film ins Oscar-Rennen, dessen Protagonistinnen und Protagonisten sie zuvor an der Einreise gehindert hatte: Ursprünglich sollte er in einem abgeschotteten Setting am Genfersee gedreht werden. Doch weil die Beteiligten, denen die Reise nach Ägypten gelungen war, dafür keine Visa erhielten, hat Wadimoff die Produktion kurzerhand nach Südafrika verlegt.
Seine Weltpremiere hatte «Qui vit encore» an den Filmfestspielen von Venedig 2025. Anfang dieses Jahres gewann er an den Solothurner Filmtagen die höchstdotierte Filmauszeichnung der Schweiz, den Prix de Soleure. Nun ist er der offizielle Schweizer Oscar-Beitrag, der ins Rennen geht um einen Auslandsoscar bei den 99. Academy Awards vom 14. März 2027 in Los Angeles.
Steiler Weg zum Oscar
Die Auswahl für die Schweizer Oscar-Eingabe wird während des Locarno Film Festivals von einer vom Bundesamt für Kultur ernannten Jury in zwei Schritten getroffen. Vergangene Woche wurden die drei Filme bekanntgegeben, die es in die Vorauswahl schafften. Neben «Qui vit encore» waren dies das historische Drama «À bras-le-corps» von Marie-Elsa Sgualdo und der poetische Schwarz-Weiss Film «Cosmos» des Genfer Filmemachers Germinal Roau.
Der Weg zur goldenen Trophäe ist steil: Mitte Dezember gibt die Academy die Finalisten aus allen internationalen Eingaben in einer Shortlist bekannt. Von diesen schaffen es dann fünf Filme zur Oscarnominierung in der Kategorie «Best International Feature». Diese werden am 21. Januar 2027 bekanntgegeben. (sda)
