Schweiz
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Wenn Blinde eine Lichtshow sehen können

Die Lichtshow beim Bundeshaus in Bern zieht jedes Jahr Hunderttausende an. Neuerdings sind darunter auch Blinde, die dank Audiodeskription Bilder hören. Doch das Kulturangebot für Sehbehinderte ist in der Schweiz noch immer klein. Das soll sich bald ändern.



Das Bundeshaus hat zwei Seitenflügel, zentral einen etwas höheren Seitenvorbau, darüber eine Kuppel. Die gesamte Fassade ist tiefschwarz und mit Sternen bedeckt. Nur die Umrisse des Gebäudes strahlen in leuchtendem Blau.

Was sich die 28-jährige Laila Grillo ob dieser Beschreibung wohl vorstellt? Sie ist seit Geburt vollblind. Nun steht sie auf dem rappelvollen Bundesplatz und «schaut» sich das alljährliche Animations- und Lichtspektakel «Rendez-vous Bundesplatz» an der Bundeshausfassade an. Über 500'000 Besucher zählte die Veranstaltung dieses Jahr von Oktober bis November. Darunter waren auch sehbehinderte Menschen. Denn zum zweiten Mal steht ihnen eine Audiodeskription vom Verein «Blind Power» zur Verfügung. Via App verfolgen sie das Visuelle mit einer akustischen Bildbeschreibung.

«Das Bedürfnis der Menschen mit einer Sehbehinderung nach kulturellen Veranstaltungen ist genauso da. Wir wollen am reichhaltigen Kulturgut der Schweiz teilhaben.»

Laila Grillo

In der Schweiz gibt es über 320'000 Sehbehinderte. Dass Menschen mit einer Sehbehinderung an kulturellen Veranstaltungen wie der Lichtshow in Bern teilnehmen können, ist eine Ausnahme. Denn diese werden für sie nur selten zugänglich gemacht. Das stellt ein Problem dar. Davon ist Laila Grillo überzeugt: «Das Bedürfnis der Menschen mit einer Sehbehinderung nach kulturellen Veranstaltungen ist genauso da. Wir wollen am reichhaltigen Kulturgut der Schweiz teilhaben.»

Ausgeschlossen vom sozialen Treffpunkt

Auf dem Weg zum Bundesplatz hält sie sich an der Journalistin fest. «Oh, deine Jacke ist so flauschig», sagt die zierliche Frau und geht dann mit bestimmtem Schritt weiter. Auf dem Bundesplatz angekommen, startet sie die Audiodeskriptions-App. Den Blick leicht links am Gebäude vorbei, beginnt sie immer wieder zu lachen oder kommentiert das «Gesehene» mit «wow!», «so gut!», «mega geil!». Sie und ihre, ebenfalls sehbehinderte, Begleitung tauschen sich aus. Einmal sagt sie zum 30-jährigen Daniel Fernandes: «Oh, jetzt, schau mal was für eine Szene!» Das Bundeshaus verbeugt sich mithilfe der Lichtanimation und Laila Grillo beginnt zu lachen, klatscht und sagt: «Das ist meine Lieblingsszene.»

Bild

Laila Grillo und Daniel Fernandes konnten dank der Audiodeskription die Lichtshow am Bundeshaus trotz Sehbehinderung sehen. bild: watson

«Es sind soziale Treffpunkte, von denen wir grösstenteils ausgeschlossen sind.»

Laila Grillo

Im Gespräch mit der 28-Jährigen merkt man, dass sie es dankend annimmt, dass es mittlerweile einzelne kulturelle Veranstaltungen gibt, die für Menschen mit einer Sehbehinderung zugänglich gemacht werden. «Dass ich nun wie alle anderen auf dem Bundesplatz stehen kann, bedeutet mir sehr viel», sagt Grillo. Es sei ausserdem nicht alltäglich, dass sie sich ganz einfach mit anderen, Nichtsehenden und Sehenden, für einen visuellen Grossanlass wie diese Lichtshow oder ein Musical verabreden könne. «Es sind soziale Treffpunkte, von denen wir grösstenteils ausgeschlossen sind.»

Bei Veranstaltungen ohne Audiodeskription sei sie darauf angewiesen, dass eine sehende Person mit ihr mitkommt und alles in Echtzeit beschreibt. Bis vor ein paar Jahren sei sie jeweils mit ihrer Schwester ins Kino gegangen und sie habe ihr das Visuelle beschrieben. Nun gibt es auf einer App für viele populäre Filme eine Tonbeschreibung. «Unter sehbehinderten Kollegen können wir jetzt sagen: ‹Hey komm' wir gehen ins Kino!› Das ist für uns ein riesiger Schritt in die richtige Richtung», sagt Grillo.

Fachstelle will Kulturinstitutionen sensibilisieren

So einfach wie beim Kino, ist es bei anderen kulturellen Angeboten nicht. Es gibt zwar immer mehr Kulturinstitutionen, die für Menschen mit einer Beeinträchtigung eingerichtet sind, doch das Angebot ist unvergleichbar. 2016 wurde die Plattform und Fachstelle «Kultur inklusiv» von Pro Infirmis gegründet. Diese schliesst mehrjährige Vereinbarungen mit Kulturinstitutionen ab, die unter anderem ihr Angebot für Menschen mit Beeinträchtigungen langfristig zugänglicher machen wollen und listet die Angebote auf ihrer Plattform auf. «Die meisten Kulturinstitutionen sind offen für Inklusion, nicht alle aber wissen, wo ansetzen», sagt Paola Pitton, Sprecherin der Fachstelle «Kultur inklusiv».

UNO-Behindertenrechtskonvention

2014 hat die Schweiz die UNO-Behindertenrechtskonvention ratifiziert. In dieser ist explizit festgehalten, dass Menschen mit Behinderungen das Recht haben, gleichberechtigt mit anderen am kulturellen Leben teilzunehmen. Dementsprechend gälte es sicherzustellen, dass sie Zugang zu Theatervorstellungen und anderen kulturellen Aktivitäten haben.

Seit der Unterzeichnung der UNO-Behindertenrechtskonvention habe sich das kulturelle Angebot für Menschen mit einer Beeinträchtigung etwas verbessert, das Angebot würde langsam wachsen. Dabei nennt sie Beispiele wie die Oper «La Bohème» am Theater Basel oder die Thunerseespiele, die audiodeskribierte Vorstellungen anbieten. «Solche Angebote sollten stärker finanziell von den jeweiligen Gemeinden und Kantonen unterstützt werden», sagt Pitton. Damit würden diese zeigen, dass sie es ernst nehmen, dass Menschen mit einer Behinderung das Recht haben am kulturellen Leben teilzunehmen.

Von dem Giebel fällt der Blick auf die Erdkugel. Von da aus startet eine rotweiss karierte Rakete auf den Mond und landet zentral auf dem Säulenvorbau. Von links kommen Tim und Struppi von rechts Kapitän Haddock in organgenen Astronautenanzügen ins Bild.

Die Audiodeskription beschreibt für Menschen mit einer Sehbehinderung möglichst genau, was während der Lichtshow passiert. bild: watson

Die Audiodeskription von der Lichtshow auf dem Bundesplatz wurde von Radio Blindpower organisiert. Doch bei diesem jährlichen Ereignis soll es nicht bleiben: «Unser Ziel ist es, von möglichst vielen kulturellen Veranstaltungen Audiodeskriptionen anzubieten», sagt Sarah Perincioli, Leiterin der Sendekommission bei «Radio Blind Power». Damit der Aufwand für die Kulturinstitutionen möglichst klein bleibe, würden sie die nötigen Kontakte und die Zusammenarbeit mit Fachpersonen anbieten, welche live vor Ort eine Audiodeskription machen oder diese im Vorfeld produzieren. Für Fussballspiele in der Super League sind bereits geschulte Kommentatoren von «Radio Blind Power» im Einsatz, die die Matches speziell für Blinde übertragen.

«Im KKL hat man mir sogar den Zutritt mit dem Blindenstock in den Konzertsaal verweigert. Und das auch nachdem ich erklärt habe, dass ich diesen brauche.»

Laila Grillo

Doch nur ein Angebot für Sehbehinderte anzubieten, damit sei es für die Kulturinstitutionen noch nicht getan. «Oftmals ist nur schon die Webseite nicht barrierefrei, weshalb wir das Ticket für die Veranstaltung nicht online kaufen können», sagt Laila Grillo. Ausserdem bräuchte es einen Abholdienst oder eine Person, die vor Ort hilft, sich im neuen Gebäude zurecht zu finden. Als schlechtes Beispiel nennt sie das KKL in Luzern. «Dort hat man mir sogar den Zutritt mit dem Blindenstock in den Konzertsaal verweigert. Und das auch nachdem ich erklärt habe, dass ich diesen brauche», sagt Grillo.

Zurück auf dem Bundesplatz, wo der Zugang mit dem Blindenstock unproblematisch ist.

Als sehende Person ist es anspruchsvoll, der Audiodeskription zu folgen. Während der Beschreibung eines Bildes kann man sich oftmals nichts Genaues vorstellen. Die vollblinde Laila Grillo meint: «Ich höre, dass es ein paar Knöpfe und Schalter hat, mehr muss ich gar nicht wissen.» Die Beschreibung sei zwar sehr präzise, aber vermutlich würden sie noch lange nicht alles beschreiben, was das Auge wahrnehmen kann. «Trotzdem finde ich es faszinierend, was man mit den Lichtern alles auf das Bundeshaus projizieren kann. Ich kann jetzt wirklich sagen, dass ich die Lichtshow gesehen habe», sagt Grillo.

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