Sportkommentator Hans Jucker wegen sexueller Übergriffe verurteilt – SRF entfernt Clips
Jucker war eine Legende unter Sportfans und kommentierte für das SRF Olympische Spiele und Ski-WM. Was allerdings nicht allgemein bekannt war: Hans Jucker wurde 1971 vom Bezirksgericht Affoltern wegen sexueller Handlungen mit Jugendlichen zu einer bedingten Gefängnisstrafe von acht Monaten verurteilt, berichtet der Tages-Anzeiger. Er stützt sich auf eine Biografie eines der Opfer, Willi Fegble, das die Erlebnisse nun in einem Buch aufarbeitete.
Heimkinder ohne schlechtes Gewissen missbraucht
Jucker soll sich zwischen 1969 und 1971 rund zwanzig Mal an Jugendlichen unter 20 Jahren, in einem Fall unter 16 Jahren, vergangen haben. Er habe sie gezwungen, ihn mit der Hand und oral zu befriedigen, heisst es im Bericht.
Der Richter soll keine Reue erkannt haben. Er gestand die Taten, fand sie aber «halb so schlimm». «Die Burschen sind ohnehin schon moralisch angeschlagen», wird er im Urteil zitiert. Seine Opfer fand er im Landerziehungsheim Albisbrunn, in dem sein Vater als Koch arbeitete und mit seiner Frau in einer Angestelltenwohnung hauste. Der damals 24-jährige Jucker kam regelmässig zu Besuch und spielte mit den Jungen Fussball.
Die fehlende Reue blieb bis zu seinem Tod. Für seine Opfer ein Hohn: «Er konnte Karriere bei SRF machen und wird in bester Erinnerung gehalten – und wir leiden ein Leben lang wegen seiner Taten», sagt Willi Fegble. Jucker wurde gefeiert, der FC Affoltern ernannte ihn 1976 zum Ehrenmitglied. In den 80ern war Jucker zudem FDP-Gemeinderat in Affoltern am Albis.
SRF entfernt Videoclips
Während das Dorf laut Zeitzeugen über die Verurteilung im Bilde war, habe das SRF erst vor wenigen Wochen davon erfahren. «Das Urteil stammt aus dem Jahr 1971, die Handlungen stehen nicht im Zusammenhang mit der Arbeitstätigkeit bei SRF. SRF verurteilt jegliche Form sexueller Gewalt sowie Verletzungen der persönlichen Integrität und distanziert sich in aller Form von den gerichtlich dokumentierten Straftaten», schreibt das SRF am Montag in einer Stellungnahme.
Der Umgang des SRF damals im Fall werde nun aufgearbeitet. Heute hätten Mitarbeitende die Möglichkeit, eine Whistleblowing-Plattform zu nutzen oder eine externe Vertrauensperson zu kontaktieren. Es gebe auch interne Beratungs- und Unterstützungsprogramme und regelmässige Schulungen.
Als erste Konsequenz will SRF künftig keine Videoclips zeigen, in denen Jucker als Kommentator im Mittelpunkt stehe. Bestehende Clips würden von allen Plattformen entfernt. Lediglich Archivbeiträge seien weiterhin zugänglich.
Hans Jucker verstarb 2011 im Alter von 65 Jahren. Er war damals erst seit kurzem pensioniert. (vro)
- Mayweather vs. Pacquiao ist erst dann ein «Kampf des Jahrhunderts», wenn Hans Jucker kommentiert. Hier ein Vorgeschmack
- Rosenwasser über Büsser-Absage: «Glaube, bei einem Mann würde man nicht so berichten»
- «Wo-wo-Wohnungsnot»: SRF entlässt Dokfilmerin Karin Bauer
- SRF-Moderator Schmitz gibt im Fall Fischer Fehler zu – verteidigt seine Enthüllung aber
