SRF-Moderator Schmitz gibt im Fall Fischer Fehler zu – verteidigt seine Enthüllung aber
«Rückblickend war das ein Fehler», sagt SRF-Moderator Pascal Schmitz im Rückblick über seinen Auftritt in der Sendung «10 vor 10» am Tag nach der Entlassung vom damaligen Eishockey-Nationaltrainer Patrick Fischer. Dieser hatte zugegeben, während der Olympischen Spiele 2022 in Peking ein gefälschtes Coronazertifikat verwendet zu haben. Auslöser für das Geständnis Fischers war eine Recherche von Schmitz – der Trainer wollte der Enthüllung im SRF zuvorkommen.
Schmitz hatte geplant, in einem «10 vor 10»-Beitrag über Fischers Vorgehen zu berichten. Nach dem Geständnis und den Geschehnissen der folgenden Tage entschieden sich Schmitz und das SRF zum Gang vor die Kamera, um sein Vorgehen zu erklären. «Nach diesem Auftritt stand ich im Mittelpunkt. Aus heutiger Sicht würden wir das nicht mehr so machen», erklärte Schmitz bei einer Podiumsdiskussion der ZHAW-Alumni-Organisation Columni gemäss 20 Minuten.
Doch weil das SRF die Story nun nicht mehr exklusiv hatte und viele Medien schon zuvor berichtet hatten, habe der Sender unter Druck gestanden und Transparenz schaffen wollen. Den Vorwurf der Eitelkeit und der Suche nach dem Rampenlicht weist Schmitz zurück: «Wir haben mit der Redaktionsleitung unter höchstem Druck entschieden. Wir haben das Ausmass der Reaktionen unterschätzt.»
Schmitz wurde in der Folge angefeindet, die gesellschaftliche Spaltung aus Coronazeiten schien wieder aufzugehen. «Ich habe viel Hass und Missgunst erlebt», sagt Schmitz nun in Winterthur. Seinen Job als Stadionsprecher beim SC Rapperswil-Jona gab er auf, als Moderator der Sendung «Schweiz aktuell» pausierte er einige Wochen. Auch weil seine Chefs während dieser Zeit zu ihm gestanden seien, gehe er gestärkt aus dieser Sache hervor.
Während der 41-Jährige den Auftritt bei «10 vor 10» heute als Fehler betrachtet, stellte er bei der Podiumsdiskussion mit dem Thema «Der Krisenfall Fischer – die Lehren für Journalismus und Medienarbeit» klar, dass er ansonsten genau gleich handeln würde. Ausserdem erklärte er seine Sicht der Dinge.
Fischer habe ihm während des Mittagessens an einem Drehtag vom gefälschten Covid-Zertifikat erzählt. «So weit ich mich erinnere, habe ich ihm dann gesagt, dass das eine Riesenstory wäre», so Schmitz. Der Medienchef des Schweizerischen Eishockeyverbands (SIHF), Finn Sulzer, habe interveniert und gesagt, dass dies nicht für die Öffentlichkeit bestimmt sei. «Ich sagte dann, dass ich es registriert habe», berichtet Schmitz.
Nach dem Essen habe er seinen Kameramann gefragt: «Bist du dir bewusst, was Fischer gerade gesagt hat!?» Am Ende des Drehtags habe er dann mit einem News-Produzenten beim SRF über die Situation gesprochen. Der gemeinsame Entscheid war klar: «Über Vertraulichkeit muss man vorher sprechen, nicht erst nachher», erklärt Schmitz nun. Die Intervention von Medienchef Sulzer spiele also keine Rolle.
Zumal ein Gespräch am Mittagstisch in den Augen von Schmitz nicht per se vertraulich sei. Gerade an einem Drehtag. «Wenn man mit einem Journalisten unterwegs ist, dann redet man quasi mit der Öffentlichkeit», sagt Schmitz. (nih)
