Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Das Schweizerische Rote Kreuz stockt seine Winterhilfe für Flüchtlinge in Bosnien-Herzegowina auf.

Bild: KEYSTONE

Der Bund soll Flüchtlingen, die in ihre Heimat zurückkehren, die Fluchtkosten bezahlen

Flüchtlinge wenden oft grosse Summen auf, um aus ihren Ländern zu fliehen. Bei vielen lohnt es sich nicht, denn sie werden in den Zielländern abgewiesen. Nun plädiert die Eidgenössische Migrationskommission für eine grosszügigere Rückkehrhilfe.

Kari Kälin / ch media



Gesicherte Zahlen für die Schweiz existieren nicht. Aber teuer ist die Reise durch die Wüste Afrikas und übers Mittelmeer bis in unser Land auf jeden Fall. Experten gehen davon aus, dass zum Beispiel Eritreer, die in der Schweiz nach wie vor am meisten Asylgesuche stellen, etwa 6000 bis 10'000 Franken für das lebensgefährliche Unterfangen aufwerfen. Die Schätzungen scheinen realistisch. Die deutschen Behörden kamen 2016 nach der Befragung von 2300 Asylsuchenden zum Schluss, dass sie im Durchschnitt 7000 Euro für den Weg nach Deutschland ausgaben.

Die Ausgaben lohnen sich nicht für alle Migranten. So gewährte die Schweiz im letzten Jahr rund 40 Prozent kein Bleiberecht. Zwischen 2008 und 2017 schieden rund 195'000 Personen aus dem Asylprozess aus. Was nicht zwingend bedeutet, dass sie das Land verlassen. Einige tauchen unter, schlagen sich als Sans-Papiers durch, andere leben mit 8 bis 12 Franken Nothilfe pro Tag.

Knapp 1500 Franken pro Person

Die Eidgenössische Migrationskommission präsentiert in einer neuen Studie Vorschläge, um die prekäre Situation von abgewiesenen Asylbewerbern zu verbessern. Potenzial sieht sie in einem Ausbau der Rückkehr­hilfe. Davon profitieren bis jetzt weniger als 10 Prozent der Personen, welche die Schweiz verlassen müssen. Im letzten Jahr gab der Bund insgesamt 1.5 Millionen Franken für Rückkehrhilfe aus. In Spezialfällen, etwa für konkrete Integrationsprojekte, gewährt die Schweiz Beiträge von maximal 5000 Franken.

Von einer finanziell grosszügigeren Unterstützung verspricht sich die Migrationskommission zum Beispiel, mehr Weggewiesene zu einer freiwilligen Heimkehr in ihr Land zu motivieren und dadurch vor dem Abtauchen in die Illegalität zu bewahren. Zudem sollen die Zuwendungen mindestens die Kosten decken, die auf der Flucht entstanden sind. Ein Neustart im Herkunftsland mit Schulden bedeute einen Gesichtsverlust, der die Reintegration erschwere oder verunmögliche, heisst es in der Studie.

Konkrete Zahlen nennt die Migrationskommission keine. Klar ist: Würden die Forderungen umgesetzt, stiegen die Kosten. Denn im Durchschnitt gab der Bund letztes Jahr knapp 1500 Franken pro Person aus. Diese Summe liegt deutlich unter den Tarifen, die Schlepper für die illegale Überfahrt nach Europa kassieren.

Auf der anderen Seite könnte die öffentliche Hand Geld sparen, wenn die abgewiesenen Asylbewerber die Schweiz dank einer besseren Starthilfe rascher verlassen. Asylministerin Karin Keller-Sutter kündigte im September denn auch einen Ausbau der Rückkehrhilfe an. Die Bundesrätin erwägt zudem, wieder sogenannte Länderprogramme aufzugleisen.

Dabei orientiert sich die Rückkehrhilfe spezifisch an den Bedürfnissen in den Herkunftsländern. Urs Betschart, ehemaliger Vizedirektor des Staatssekretariats für Migration und Leiter des Migrationsamts des Kantons Zürich, zieht eine positive Bilanz aus früheren Länderprogrammen: «Die Menschen wurden nicht einfach weggeschickt, sondern die Schweiz hat ihnen ermöglicht, eine neue Existenz aufzubauen», sagt Betschart. Davon hätten auch die Zurückgebliebenen profitiert.

Die Migrationskommission empfiehlt sodann, dass abgewiesene Asylbewerber eine begonnene Berufsausbildung beenden dürfen. Der Bundesrat steht diesem Anliegen aber derzeit skeptisch gegenüber. Solche Fälle würden wegen der beschleunigten Asylverfahren rarer, argumentiert er.

Eine Verbesserung schlägt die Migrationskommission vor für abgewiesene Asylbewerber, die gar nicht zurückkehren können – weil sie die nötigen Reisepapiere nicht beschaffen können oder ihr Heimatland sich weigert, sie aufzunehmen. Beziehen sie Nothilfe, müssen sie den Behörden nachweisen, dass sie in einer Notunterkunft übernachten.

Gleichzeitig können sie regelmässig wegen illegalen Aufenthalts gebüsst werden. Mit einer Art Duldungsausweis sollen sie wenigstens ihre «reguläre Illegalität» dokumentieren können, damit sie sich keine Bussen mehr einhandeln. Für die Migrationskommission ist auch klar: Die Nothilfebezüger sollen regelmässig beraten werden, um sich aus ihrer prekären Situation zu befreien – zum Beispiel dank Rückkehrhilfe. (bzbasel.ch)

DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Asmara wird zum UNESCO-Weltkulturerbe: So futuristisch ist die Hauptstadt von Eritrea

Eritreer produzieren in Zürich eine Radiosendung

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

15
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
15Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Watson, Parteiblatt der Linken 18.12.2019 16:44
    Highlight Highlight Unterhält die juso jetzt botnetzwerke 😂?
    Benutzer Bild
  • derWolf 18.12.2019 10:24
    Highlight Highlight Tolle Idee. Vielleicht noch eine lebenslange Rente dazu? Pool und Häuschen? Am besten schicken wir noch 1000nde Ärzte mit, so ne Reise schlaucht ganz schön. Und die Spätfolgen erst...und überhaupt, denkt den niemand an die Kinder.. ;) Echt, da fällt mir nix mehr dazu ein. Ohne eine gewaltige Priise Sarkasmus ist die heutige Gesellschaft nicht mehr auszuhalten.
  • Borki 18.12.2019 10:16
    Highlight Highlight Auf dass sie gleich wieder los ziehen und diesen lebensgefährlichen Höllentrip noch einmal versuchen? Sicher nicht!

    Helfen kann man auch anders. Wir hätten das Geld und das Know-how dazu!
  • pachifig 18.12.2019 09:42
    Highlight Highlight Toll, dann lohnt es sich ja noch mehr. Kein Risiko mehr, die Kosten werden ja bezahlt. :-)
  • Dr no 18.12.2019 09:15
    Highlight Highlight Das reicht doch nicht. Ich bin sicher, man könnte den Rückkehrwillen erhöhen, wenn man ihnen zuhause eine Villa mit Swimmingpool und unbegrenztem Spesenkonto einrichten würde.
  • Lilamanta 18.12.2019 08:43
    Highlight Highlight Ich finde den Vorschlag gut. Viele leihen sich das Geld, ganze Familien und Dörfer Verschulden sich und werden von den Schleppern erpresst. In solchen Fällen trauen sich viele nicht mehr zurück. Ein Rückkehrer wird eher erzählen, wie es wirklich hier war für ihn statt Geld schicken und vorlügen, wie toll es hier ist.
  • derEchteElch 18.12.2019 08:28
    Highlight Highlight Diese Migrationskommission hat abstruse Ideen.. Noch mehr Steuerverschwendung..

    Heisst;
    Abgelehnte Migranten werden auch noch belohnt, weil ihre Reise rückerstattet wird. Wird ein weiterer Pull-Faktor, egal wie das Verfahren endet, man erhält eh Geld vom Staat..
  • soulcalibur 18.12.2019 08:26
    Highlight Highlight "Die Ausgaben lohnen sich nicht für alle Migranten", hä? Flucht soll sich finanziell lohnen oder wie muss ich das verstehen....? "Mit einer Art Duldungsausweis sollen sie wenigstens ihre «reguläre Illegalität» dokumentieren....", bitte was? Ja, ich weiss, kein Mensch ist illegal, aber irgendwie geht mir da etwas nicht auf.... "Auf der anderen Seite könnte die öffentliche Hand Geld sparen, wenn die abgewiesenen Asylbewerber die Schweiz dank einer besseren Starthilfe rascher verlassen"....da bin ich jetzt mal skeptisch...
  • TheWall_31 18.12.2019 08:23
    Highlight Highlight Das ist absolut lächerlich. Erst dürfen wir uns von der SP anhören, dass ein Recht auf globale Migration besteht und dann soll der Bund für die Beanspruchung dieses Rechts sogar noch finanziell aufkommen. Einfach absolut lächerlich.
  • maylander 18.12.2019 08:20
    Highlight Highlight Am Ende ist dies eine Subventionierung von Schlepperaktivitäten. Sicher gut gemeint aber schlussendlich werden sich noch mehr auf die gefährliche Reise machen. Ein guter Teil des Geldes endet dann in den Taschen von kriminellen Organisationen.

  • Restless Lex 18.12.2019 08:15
    Highlight Highlight Die Überlegung hat nur einen kleinen Haken. Wenn die Schweiz die Fluchtkosten von ca. 7000.- erstattet, wird der Flüchtlingsstrom zunehmen, da die potenziellen Asylanten kein Verlust machen werden bzw. Schlepper dies auch ausnutzen könnten.
  • Pisti 18.12.2019 08:12
    Highlight Highlight Jetzt will man die illegale Migration noch mehr belohnen, das ist ja der Wahnsinn.
    Genau das Gegenteil müsste der Fall sein, man müsste Ihnen die verursachten Kosten verrechnen.
  • Smeyers 18.12.2019 08:06
    Highlight Highlight Das kann jetzt nicht ernst gemeint sein, oder?! Jetzt haben die chf 10‘000 für ihre Flucht (was viel ist in diesen Ländern) und wir sollen Sie noch dafür belohnen, dass Sie Ihr Geld nicht im eigenen Land Investitieren. Rückführung ja, Startgeld ja, aber alles finanzieren nein. Das heisst man müsste jedem gescheiterten Unternehmer in der Schweiz sein Geld zurück zahlen. Hallo.
  • Watson, Parteiblatt der Linken 18.12.2019 08:00
    Highlight Highlight Wenn das Asylgesuch abgwiesen wurde, handelt es sich eben gerade nicht um Flüchtlinge.
  • Quinn 18.12.2019 07:54
    Highlight Highlight Vielleicht noch ein Startgehalt dazu?

    Es fördert nur den Pull-Faktor. Bitte nicht!

Facebook sperrt Petition gegen Homo-Ehe – zum Ärger der EDU

Eine Petition, die sich gegen die «Ehe für alle» in der Schweiz ausspricht, wurde von Facebook gesperrt. Die Petition verstosse gegen die Gemeinschaftsstandards der Plattform, so die Begründung. Das stösst der EDU sauer auf.

Vergangenen Freitagabend sperrt Facebook einen Unterschriften-Aufruf der Schweizer Petition «Samenspende und Kinder-Adoption für Homosexuelle verhindern – Nein zur Homo-Pseudo-Ehe!». Der Grund: Der Beitrag habe gegen die Gemeinschaftsstandards zu Hassrede verstossen.

Das stösst einer Partei besonders schwer auf: Die EDU, bekannt für christliche und national-konservative Werte, sei zutiefst beunruhigt über diese «gesellschaftliche Entwicklung», schreibt die Partei in einer Mitteilung.

Parteipräsident …

Artikel lesen
Link zum Artikel