Jetzt verfärben sich die Blätter bereits wie im Herbst – das ist der Grund
Der Herbst ist noch weit weg. Trotzdem verfärben sich bereits die ersten Blätter an den Bäumen. Grund dafür ist die Hitze. «Blattschäden durch Hitze und Trockenheit werden mit der Erwärmung des Klimas voraussichtlich immer häufiger», sagt Yann Vitasse von der Forschungsanstalt für Schnee, Wald und Landschaft (WSL). «Hitzewellen und Trockenheit sind eine explosive Kombination für Wälder.»
Laubbäume verfärben sich immer öfter zu früh. Festgehalten hat dies das WSL zum Beispiel im Jahr 2018. Im Raum Schaffhausen hatten Buchen schon Mitte August braune Kronen. Das kann zwei Ursachen haben: Entweder ist es eine Art vorgezogener Herbst, wobei der Baum seine Blätter kontrolliert abbaut und abwirft. In diesem Fall «retten» die Bäume die Nährstoffe in den Blättern, indem sie diese mobilisieren und zurück ins Gewebe ziehen – so wie sie es jeden Herbst tun.
Ursache der zu frühen Verfärbung kann aber auch ein Hitzeschaden sein, der das Blatt zerstört. In diesem Fall ist der Hauptgrund für die Verfärbung eine Mischung aus Hitzewirkung und zu geringer Wasserversorgung der Blätter durch eine Störung des Wassertransportsystems. «Ein aktiver Rückzug von Nährstoffen findet dann kaum statt», erklärt Arthur Gessler vom WSL.
Findet die normale Reaktion nicht mehr statt, sind die Bäume geschädigt. Geschieht dies wiederholt, können Bäume sich weniger gut von extremen Wetterereignissen erholen. Der geschwächte Wald wächst langsamer und bindet weniger Kohlendioxid.
Bereits braune Blätter an Obstbäumen
Dies gilt für alle Laubbäume. Braune Blätter sieht man jetzt auch bereits an Obstbäumen. Werden auch bei diesen Blattschäden durch Hitze und Trockenheit immer häufiger? Im Prinzip sei das so. «Wie stark ein Baum reagiert, hängt aber von der Art, Sorte, Unterlage, dem Alter des Baumes, dem Boden und der Wasserversorgung ab», sagt Charlotte Grossiord, Professorin am WSL und an der EPFL in Lausanne.
Besonders in Gärten könnten Obstbäume stark belastet sein, zum Beispiel in der Nähe von Mauern, Terrassen oder versiegelten Flächen, wo es besonders heiss werde. «Zum Beispiel bei Apfelbäumen stellen wir oft wegen der Hitze zuerst einen Stopp der Entwicklung der Früchte und ein Abwerfen der Früchte fest», erklärt Gessler.
Wie lang eine Hitzeperiode dauern muss, um Blattverbrennungen auszulösen, sei schwer zu sagen. «Bei sehr hohen Temperaturen, trockener Luft und wenig Wasser im Boden können Schäden schon nach wenigen Tagen auftreten. Ist der Boden noch feucht, können Bäume Hitze meist länger ertragen», sagt Grossiord. Besonders gefährdet sind junge Bäume, Bäume auf flachgründigen oder verdichteten Böden sowie Bäume mit eingeschränktem Wurzelraum.
Was hilft im eigenen Garten?
Im eigenen Garten hilft gegen die verfrühte Verfärbung das Bewässern. «Wenn die Pflanzen ausreichend Wasser haben, können sie über die Spaltöffnungen der Blätter Wasser verdunsten und so die Blätter kühlen», sagt Gessler. Am wichtigsten sei es, Trockenstress zu reduzieren, ergänzt Grossiord. «Lieber seltener, aber dafür tiefgründig giessen, statt häufig nur oberflächlich. Eine Mulchschicht um den Baum hilft, den Boden kühler und feuchter zu halten. Langfristig hilft es, robuste Sorten und geeignete Unterlagen zu wählen.»
Den Bäumen im Wald kann kurzfristig nicht geholfen werden. Langfristig müssen trockenheits- und hitzeresistente Baumarten gefördert oder angepflanzt werden. «Dazu gehören Mischwälder mit mehreren Baumarten, eine grössere genetische Vielfalt und weniger dicht stehende Bäume, damit einzelne Bäume weniger stark um Wasser konkurrieren», sagt Charlotte Grossiord.
Jetzt schon ist es wichtig zu erkennen, ob die Wälder wegen der Herbstverfärbung oder wegen verbrannter Blätter ihr Grün verlieren, wie die WSL-Forscher in einer Publikation im Fachjournal «Nature« schreiben. Waldfachleute müssen abschätzen, wie Wälder künftig Kohlenstoff binden und wie sie den Wasserhaushalt regulieren. Zu diesem Zweck nutzen Forscher zunehmend Fernerkundung, zum Beispiel mit Satellitendaten.
Satellitendaten können diesen Unterschied bisher nicht erkennen. Das kann dazu führen, dass Modelle die Widerstandsfähigkeit der Wälder gegenüber Klimaextremen überschätzen.
Um Fehleinschätzungen zu verhindern, schlagen die Studienautoren Versuche und Experimente vor, um die mit Satelliten beobachteten Entwicklungen korrekt einzuordnen – nicht dazu, direkt etwas gegen die Schäden zu unternehmen. (schweizheute.ch)

