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SBB: Es wird noch voller in den Gotthard-Zügen

Taufe des Giruno-Zuges am Bahnhof Bellinzona, am Donnerstag, 8. August 2019, in Bellinzona. Der neue Zug Giruno soll ab Ende 2019 in der Schweiz und in Italien, zuerst zwischen Zuerich bzw. Basel und  ...
Neu fährt der Giruno durch den Gotthard.Bild: KEYSTONE/Ti-Press

Mehr Komfort, weniger Sitzplätze: Es wird noch voller in den Gotthard-Zügen

Seit Sonntag kommen im Nord-Süd-Verkehr die neuen Giruno-Züge von Stadler zum Einsatz. Mit Folgen.
16.12.2019, 06:2316.12.2019, 12:30
Gerhard Lob, Locarno / CH Media

Erst vor wenigen Tagen haben die SBB in Zürich stolz den neuen Giruno-Zug vorgestellt, der seit dem Fahrplanwechsel von diesem Wochenende im Nord-Süd-Verkehr zum Einsatz kommt, im Frühling 2020 dann schrittweise auch in den internationalen Verbindungen mit Mailand.

Die Züge aus dem Hause Stadler sind komfortabel und verfügen über einen Niederflureinstieg, WiFi und geschlechtergetrennte Toiletten, haben aber gegenüber den heute im Einsatz stehenden Zügen weniger Sitzplätze.

Im Tessin hat diese Perspektive wenig Enthusiasmus ausgelöst. Denn schon jetzt sind die IC und EC zwischen der deutschen Schweiz und dem Südkanton häufig überfüllt, insbesondere am Wochenende, wenn die Studenten zwischen Norden und Süden hin und her pendeln.

Auch Brücken- und Feiertage werden für Fahrgäste via Gotthard häufig zum Stresstest. Viele Passagiere finden keine Sitzplätze, müssen im schlimmsten Fall bei Überfüllung sogar wieder aussteigen.

Bundesrat sieht keinen Grund für Intervention

Die Situation wird sich nicht verbessern: Die neuen Züge Giruno haben 405 Sitzplätze, die bisher eingesetzten Intercity-Neigezüge (ICN) 474, die EuroCity 431. Die Differenz von 69 beziehungsweise 26 Sitzplätzen verdoppelt sich an Tagen mit besonders hohem Passagieraufkommen, wenn die Züge in Doppeltraktion verkehren.

«Wir erwarten, dass die SBB Entlastungszüge bereitstellen und ­unkonventionelle Lösungen finden.»
Pro-Bahn-Präsidentin Karin Blättler

Die SBB bedauern den Sitzplatzverlust, verweisen neben dem gestiegenen Komfort aber auch auf die höhere Zuverlässigkeit der neuen Züge. Betroffen seien vorläufig zudem nur eine Handvoll Verbindungen pro Fahrtrichtung. Empfohlen wird, auf Nebenverkehrszeiten und weniger ausgelastete Züge auszuweichen.

In der Antwort auf zwei parlamentarische Anfragen von den Tessiner Nationalräten Quadri und Storni in dieser Angelegenheit bestätigt der Bundesrat die Situation und hält zugleich fest: «Es ist nicht notwendig zu intervenieren.»

Anders die Interessenvertretung Pro Bahn Schweiz. «Wir erwarten, dass die SBB Entlastungszüge bereitstellen und ­unkonventionelle Lösungen finden», sagt Pro-Bahn-Präsidentin Karin Blättler. Das Prinzip «Weiterwursteln wie bisher» sei nicht zielführend.

Bundesrat und SBB verweisen ihrerseits auf die langfristige Perspektive. Mit der Eröffnung des Ceneri-Basistunnels Ende 2020 werde es möglich werden, Doppelstockzüge auf der Gotthard-­Linie bis Lugano einzusetzen. So könnten in Spitzenzeiten wesentlich mehr Sitzplätze bereitgestellt werden.

Der Countdown für diese Eröffnung fand an diesem Wochenende statt. Genau ein Jahr vor der für den 13. Dezember 2020 vorgesehenen Inbetriebnahme des Ceneri-Basistunnels trafen sich die SBB- Spitzen und viel Tessiner Politprominenz am Bahnhof von Lugano.

Der Ceneri-Basistunnel wird neben einer Fahrzeitverkürzung zwischen der deutschen Schweiz und Lugano auch die Tessiner Polstädte Lugano, Bellinzona und Locarno näher zusammenrücken lassen.

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