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Coronavirus: So erleben SBB-Pendler den Tag 1 mit den neuen BAG-Regeln

Mehr Plätze als üblich bleiben im Entlastungs-Intercity Bern-Zürich an diesem Montag leer.
Mehr Plätze als üblich bleiben im Entlastungs-Intercity Bern-Zürich an diesem Montag leer. bilder: watson

So erleben Pendler den Tag 1 im neuen Corona-Regime

Pendeln zu Stosszeiten ist eigentlich ab sofort tabu. Die Realität sieht (noch) anders aus. Viele Berufstätige ignorieren die Empfehlungen des BAG. Ein Augenschein im SBB-Intercity Bern-Zürich.
09.03.2020, 13:4610.03.2020, 13:49

Totenstille herrscht im SBB-Intercity Bern-Zürich, als der Entlastungszug um 7.10 Uhr aus dem Bahnhof Bern fährt.

Pendeln zu Stosszeiten vermeiden: Es ist der erste Pendlertag, seit das BAG am Freitagnachmittag die Empfehlungen verschärft hat.

«Bei jedem Mucks kommt Corona-Verdacht auf.»
Andreas, 33

Eine Frau im Abteil gegenüber desinfiziert sich schon nach wenigen Minuten Fahrt erstmals die Hände. Dann passiert es: Eine junge Pendlerin fängt im Abteil an zu husten. Volles Rohr. Einige Passagiere blicken auf. «Bei jedem Mucks von Menschen hat man schon fast einen Corona-Verdacht», sagt Andreas (33) aus Bern. Die Furcht vor dem Virus fährt zumindest unterbewusst mit.

Aber nicht bei allen. Simon (24) ignoriert die neue BAG-Empfehlungen bewusst. «Ich habe keine Lust, Homeoffice zu machen. Ich bin jung und mache mir keine Sorgen um meine Gesundheit», sagt der IT-Spezialist. Und beginnt sogleich zu husten. Vor drei Wochen habe er sich die Grippe eingefangen, erklärt er schulterzuckend.

«Ich bin jung und mache mir keine Sorgen um meine Gesundheit.»
Simon, 24

Der Intercity rast mit 200 km/h Richtung Olten. Einige Pendler schlafen, andere arbeiten konzentriert am Laptop. Der 25-jährige Marco aus Bern hat heute bewusst den Entlastungszug genommen, weil dieser normalerweise weniger vollgepfercht ist als der reguläre Intercity.

Marco arbeitet ebenfalls in der IT-Branche. Ganz freiwillig benutzt er den ÖV heute nicht: «Ich muss heute einen Kunden besuchen und kann darum kein Homeoffice machen.» Aber warum hat er das Treffen nicht auf den Nachmittag verschoben? «Das spielt fast keine Rolle. Auf den Hauptstrecken sind die Züge immer voll, egal zu welcher Zeit man fährt», sagt er.

Auch der watson-Reporter nimmt heute ausnahmsweise den Entlastungszug, um dem grössten Gedränge aus dem Weg zu gehen. Die Redaktionssitzung in Zürich ruft. Zumindest heute noch. Bei watson sind die Mitarbeitenden angehalten, wenn möglich im Homeoffice zu arbeiten.

«Ich kann nicht einfach Homeoffice machen.»
Marco, 25

Wir passieren Aarau. Der SBB-Kontrolleur muss trotz des Coronavirus seinen Job weitermachen. Courant normal herrscht aber auch beim SBB-Personal nicht: «Ich mache weniger Ticketkontrollen und nehme den Swisspass nicht mehr in die Hand», sagt der Zugbegleiter.

Es sei schon ein etwas ein komisches Gefühl, durch den Zug zu gehen und immer wieder Leute anzutreffen, die husten. «Ich wasche mir jetzt einfach viel öfter die Hände. Mehr kann ich wohl nicht machen», sagt der Mann und geht in den nächsten Wagen.

Andreas, 33, hat nur Heuschnupfen.
Andreas, 33, hat nur Heuschnupfen. bild: watson

Der Intercity braust an Lenzburg vorbei. Sophie (31) blickt aus dem Fenster. Sie wohnt und arbeitet in Zürich, ihr Freund aber lebt in Bern. «Die Situation ist mir noch zuwenig ernst, als dass ich nicht mehr bei meinem Liebsten übernachte», sagt sie. In ihrem Team sei es wegen den vielen Kundenkontakten fast nicht möglich, im Homeoffice zu arbeiten.

Bei der Einfahrt in den Zürich HB niest Andreas (33) vor sich hin. «Keine Angst, ich habe nur Heuschnupfen. Das schafft in diesen Tagen viel Platz im Zug», sagt er und schmunzelt.

Bonus: Der Corona-Pendlertipp

Wer entgegen der BAG-Empfehlungen weiterhin zu Stosszeiten pendeln muss, sollte sich ein Upgrade in die 1. Klasse gönnen. Im Entlastungszug hatten die Reisenden der 1. Klasse ganze Sechserabteile für sich alleine. Fragt einfach euren Arbeitgeber, ob er den Klassenwechsel bezahlt.

Gähnende Leere herrscht in der 1. Klasse.
Gähnende Leere herrscht in der 1. Klasse. bild:watson
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