Für 29 Euro durch Grand Est und die Schweiz – aber nicht für Schweizer Zugreisende
Die französische Region Grand Est bietet aktuell ein Monatsabo für Reisen mit dem öffentlichen Verkehr in Teilen Frankreichs, Deutschlands sowie der gesamten Schweiz für 29 Euro an. Einzige Bedingung: Wer sich so ein Monatsabo kaufen möchte, muss unter 28 Jahre alt und in Frankreich wohnhaft sein.
Im Gegenzug können Schweizerinnen und Schweizer, die über ein Jugend-GA verfügen, in den betreffenden Monaten ebenfalls kostenlos mit Bus und Zug durch die Region Grand Est reisen. So locken im Sommer für Besitzerinnen und Besitzer eines Jugend-GA Städte wie Strassburg, Reims, Nancy, Colmar oder Metz.
Doch anstelle von 29 Euro für französische Reisende muss man in der Schweiz deutlich tiefer in die Tasche greifen, denn ein Jugend-GA von der SBB kostet 260 Franken im Monat. Auf der Website der französischen Zuggesellschaft SNCF ist zu lesen, dass die Schweizer Behörden das Angebot für die eigenen Einwohnenden nicht anerkannt hätten.
Kritik an fehlenden günstigen Angeboten in der Schweiz
Dies sorgt gemäss einem Artikel von 20 Minuten für reichlich Kritik unter Schweizer Zugreisenden. So schreibt ein User auf dem SBB-Community-Portal: «Ich habe den Eindruck, dass die SBB versuchen, die Schweizer davon abzuhalten, das zu kaufen, da das Jugend-GA mehr Geld einbringt.»
Auf Anfrage von «20 Minuten» übt auch Florence Brenzikofer, Präsidentin des Verbands Interessengemeinschaft öffentlicher Verkehr (IGÖV) Kritik am mangelnden Angebot an günstigen Sommertickets in der Schweiz. Gemäss Brenzikofer bestehe diesbezüglich noch Handlungsbedarf: «Gerade in den Sommermonaten braucht es für junge Menschen aus der Schweiz, aber auch für solche, die als Touristinnen und Touristen die Schweiz bereisen möchten, attraktive Angebote wie ein GA-Day, ergänzend zum Night für 99 Franken pro Monat.»
Mit der Kritik konfrontiert, verweisen die SBB auf die ÖV-Branchenorganisation Alliance Swisspass, die für das Angebot zuständig sei, da es sich um eine Aktion aller ÖV-Unternehmen der Schweiz handle. Deren Mediensprecher Philipp Bosshard nennt gegenüber «20 Minuten» das Angebot einen «Markttest». Auf die Kritik angesprochen, dass Schweizerinnen und Schweizer vom günstigen Angebot ausgeschlossen seien, entgegnet Bosshard, dass im Gegenzug ja das Jugend-GA in Frankreich gültig sei. (jul)
