Schweiz
ÖV

SBB und Co.: Ombudsmann kritisiert strenge Kontrollpraxis im ÖV

busse sbb kontrolleur zugbegleiter
Öffentliche Verkehrsunternehmen in der Schweiz zeigen oft wenig Kulanz.Bild: keystone

Zu wenig Spielraum im ÖV: Ombudsmann kritisiert strenge Kontrollpraxis

14.04.2026, 10:1914.04.2026, 10:21

Die SBB und andere ÖV-Unternehmen in der Schweiz geraten regelmässig wegen ihrer rigiden Kontrollpraxis in die Kritik. Nun wird diese laut einem «Tamedia»-Artikel auch vom Ombudsmann des öffentlichen Verkehrs Hans Höhener gestützt.

Höhener betont, das heutige System lasse kaum Spielraum für menschliches Ermessen und führe zu unverhältnismässigen Ergebnissen. Er fordert mehr Flexibilität, insbesondere in Fällen ohne erkennbare Täuschungsabsicht.

Die sogenannte Sekundenstrafe sei ein Beispiel für problematische Praxis, etwa wenn ein Billett kurz nach Abfahrt gelöst werde und dies dennoch sanktioniert werde. Das Kosten-Nutzen-Verhältnis der Verfahren bei geringfügigen Verstössen sei zu hinterfragen.

SBB wehren sich

Auf Nachfrage von Tamedia halten die SBB fest, dass ihnen bewusst sei, dass sich Kundinnen und Kunden mitunter ungerecht behandelt fühlen könnten. Bei einer Kontrolle lasse sich für das Zugpersonal jedoch oft nicht unterscheiden, ob ein Versehen oder eine absichtliche Regelverletzung vorliege.

«Darum braucht es eine einheitliche Grundregel – mit der Möglichkeit, den Fall nachträglich zu prüfen», so die SBB gegenüber Tamedia. Bei offensichtlichen Irrtümern würden jährlich in Tausenden Fällen kulante Entscheide gefällt, wenn Reisende sich beim Servicecenter meldeten.

Um Zuschläge zu reklamieren, haben Passagiere die Möglichkeit, zuerst die Kundendienste zu kontaktieren. Wenn das nicht zum gewünschten Ergebnis führe, steht der Ombudsmann als Vermittler zur Verfügung. Höhener betont laut Tamedia aber, dass er lediglich Empfehlungen abgeben könne und keine Entscheidungsbefugnis besitze. Die letzte Option sei ein zivilrechtliches Verfahren, das laut Höhener aufgrund der relativ tiefen Zuschläge selten stattfinde. (hkl, mit Material von sda/dpa)

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Die beliebtesten Kommentare
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gaba
14.04.2026 11:09registriert Januar 2014
Zug gerade noch erwischt, weil er Verspätung hat? Rein, eingecheckt, bevor der Zug losgefahren ist. Busse, weil nach Fahrplan kontrolliert wird. Ich ärgere mich noch heute.
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Lester
14.04.2026 10:59registriert März 2014
Schwarzfahrerinnen und Schwarzfahrer sind zu büssen, das ist klar. Aber wie mit Fahrgästen umgegangen sind, die das Ticket ein paar Sekunden zu spät gelöst haben oder eine falsche Zone (obwohl tarifmässig irrelevant) gekauft haben, ist gelinde gesagt eine Frechheit. Bedauerlich ist auch die Entwicklung im Raum Zürich, wo Fahrgästen ohne gültiges Billett eine für die Schweiz untypische Aggressivität seitens der Kontrolleure entgegenschlägt. Da läuft einiges schief.
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Luna Merlin
14.04.2026 11:01registriert Dezember 2021
„Zu wenig Spielraum im ÖV“ - äh, WO ist denn dieser WENIGE Spielraum?

Es gibt keinen. Stimmt mit dem Billett od. Abo etwas nicht, stehen die FahrGÄSTE sofort am Pranger. Ganz klassisch: öffentlich, alle können zuhören, alle gaffen. Dabei gibt es RIESIGE Unterschiede zwischen „schwarz fahren“ und den diversen möglichen Detail- und Technikproblemen.

Sich beschweren, gar bis zur Ombudsstelle…🙄 Wer hat schon den Nerv u. die Zeit, sich das anzutun? Praktisch ohne Erfolgsaussicht? Gutes Geschäft für die SBB 😠

Das GA erspart mir selbst viel Ärger - aber ich beobachte viele solche Situationen 😟
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