Wo sich Expats willkommen fühlen – Spoiler: nicht in der Schweiz
Es ist schön, man lebt sicher, wird gut bezahlt, doch das Leben kann ganz so schön einsam sein: So zumindest erleben viele Expats die Schweiz. Im «Expat Insider 2026» des Netzwerks InterNations landet die Schweiz im «Ease of Settling In Index» auf Rang 26 von 31 Ländern. Der Index misst in einer Haupt- und drei Unterkategorien, wie leicht man sich in einem neuen Land einlebt: wie willkommen man sich fühlt, wie freundlich die Einheimischen sind und wie einfach man Freunde findet.
Nur gut jeder fünfte Expat (21 Prozent) findet es in der Schweiz einfach, einheimische Freunde zu finden. Weltweit sind es 39 Prozent. Mehr als die Hälfte (51 Prozent) sagt, der Freundeskreis bestehe vor allem aus anderen Expats. Willkommen fühlt sich nur knapp die Hälfte (49 Prozent), weltweit sind es fast zwei Drittel.
Der Index 2026 ist für die Schweiz kein Ausreisser. Seit der ersten Ausgabe 2014 landet die Schweiz im Wohlfülranking der Expats jedes Jahr im hintersten Viertel. Am schlechtesten schnitt sie 2018 ab, mit Rang 65 von 68. Weil sich das Länderfeld jedes Jahr ändert, sind die Ränge nur bedingt vergleichbar. Das Muster ist aber eindeutig.
Lateinamerika an der Spitze
Am leichtesten fällt das Ankommen in Mexiko. Das Land belegt in allen drei Unterkategorien den ersten Platz. Fast drei Viertel der Expats (73 Prozent) finden es einfach, einheimische Freunde zu finden, gut ein Drittel ist vor allem mit Mexikanerinnen und Mexikanern befreundet. Dahinter folgen Panama, wo 90 Prozent die Einheimischen als freundlich erleben, und Thailand. Dort spricht mehr als ein Drittel der Expats die Landessprache überhaupt nicht, trotzdem fühlen sie sich nirgends so zu Hause. Mit Brasilien auf Platz 4 stammen drei der Top 4 aus Lateinamerika.
Am anderen Ende steht Norwegen, und zwar konsequent: Das Land belegt in jeder einzelnen Unterkategorie und bei jedem Faktor den letzten Platz. Nur 31 Prozent der Expats haben dort Menschen, auf die sie sich im Alltag verlassen können, weltweit sind es 58 Prozent.
Ebenfalls schlechter als die Schweiz schneidet Österreich ab: Nur ein Drittel erlebt die Einheimischen als freundlich gegenüber Ausländern, 45 Prozent sagen sogar das Gegenteil. Ein Niederländer in Vorarlberg beschreibt die Einheimischen in der InterNations-Umfrage als ziemlich verschlossen: Die Freundeskreise stünden ab der Mittelschule fest, wer später dazukomme, bleibe höchstens Kollege oder Bekannter.
Ähnlich sieht es in Deutschland aus. Überhaupt sind die hintersten Plätze fast geschlossen in europäischer Hand. Nur Japan auf Rang 24 durchbricht die Phalanx.
Zürich auf dem letzten Platz
InterNations hat auch 33 Städte untersucht, darunter Zürich und Genf. Dort ist das Bild für die Schweiz noch deutlicher. Zürich belegt den letzten Platz, 2024 war es Rang 49 von 53. Nur 13 Prozent der Expats finden es hier einfach, einheimische Freunde zu finden, 71 Prozent finden es schwierig. Gerade einmal 1 Prozent ist vor allem mit Einheimischen befreundet, der tiefste Wert aller Städte. An die lokale Kultur gewöhnt man sich nirgends so schwer: Nur 36 Prozent finden das einfach.
Genf schneidet besser ab, aber nicht gut: Rang 25 von 33 (2024: Rang 35 von 53). Nur 41 Prozent bewerten die Freundlichkeit der Einheimischen positiv, weltweit sind es 63 Prozent. 57 Prozent bewegen sich vor allem unter anderen Expats. Eine Deutsche erzählt, sie sei trotz Vereinsmitgliedschaft und Kind in der lokalen Schule nie über Bekanntschaften hinausgekommen.
Die Schweizer Städte sind damit nicht allein. Die zehn letztplatzierten Städte liegen alle in Europa, sechs davon im deutschsprachigen Raum: Frankfurt, Berlin, Wien, Hamburg, München und Zürich. An der Sprache liegt es offenbar nicht. In allen sechs Städten spricht ein überdurchschnittlicher Anteil der Expats die Landessprache gut.
Ganz anders sieht es an der Spitze aus. Am leichtesten kommen Expats in Ras al-Khaimah an, dem nördlichsten der sieben Emirate der Vereinigten Arabischen Emirate. Die Stadt führt alle drei Unterkategorien an, 87 Prozent der Expats fühlen sich dort willkommen. Freunde finden sie auch, allerdings keine einheimischen: Mehr als die Hälfte bewegt sich vor allem unter anderen Expats. Die Umfrage lief übrigens teils vor, teils nach Ausbruch des Kriegs zwischen den USA und Iran. Die Ergebnisse für die Emirate spiegeln dessen Folgen deshalb nur teilweise.
Auf Platz 2 folgt Mexiko-Stadt, wo es Expats am leichtesten fällt, einheimische Freunde zu finden. Mehr als ein Drittel (35 Prozent) ist vor allem mit Einheimischen befreundet, in Zürich ist es 1 Prozent. Dritter ist Málaga. In der spanischen Küstenstadt sind die Expats so glücklich wie nirgends sonst: 86 Prozent sind mit ihrem Leben zufrieden, und die Hälfte will für immer bleiben.
Schön, aber nicht für immer
Anders als in Mexiko, den VAE oder Spanien finden Expats in der Schweiz kaum Anschluss, unwohl fühlen sie sich hier aber trotzdem nicht. Bei Umwelt und Klima ist die Schweiz weltweit die Nummer 1: 97 Prozent loben die Natur, über 90 Prozent die Sicherheit und die politische Stabilität. Zufrieden mit ihrem Leben sind 72 Prozent, leicht mehr als der weltweite Schnitt von 70 Prozent. Im Gesamtranking reicht es für Rang 22 von 31.
Wurzeln schlagen wollen aber vergleichsweise wenige. In Zürich und Genf möchte nur rund jeder fünfte Expat (je 21 Prozent) für immer bleiben, weltweit sind es 27 Prozent. In Málaga ist es die Hälfte.
Der Index Einleben (Ease of Settling In) ist einer von fünf Indizes der Umfrage. Er setzt sich aus drei Unterkategorien zusammen:
• Willkommen sein (Culture & Welcome): Fühlt man sich willkommen und zu Hause, und wie leicht gewöhnt man sich an die lokale Kultur?
• Freundlichkeit (Local Friendliness): Wie freundlich sind die Einheimischen, generell und gegenüber Ausländerinnen und Ausländern?
• Freunde finden (Finding Friends): Hat man ein persönliches Umfeld, das einen unterstützt, ist man mit dem Sozialleben zufrieden, und findet man leicht einheimische Freunde?
Die Befragten bewerteten diese acht Faktoren auf einer Skala von 1 bis 7. Daraus ergeben sich die Ränge der Unterkategorien und daraus der Gesamtrang. Weil sich die Zahl der Länder und Städte jedes Jahr ändert, lassen sich die Ränge über die Jahre nur bedingt vergleichen.
