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Missbrauchs-Studie: Bistum Sitten kritisiert

Bericht kritisiert Umgang des Bistums Sitten mit Missbrauchsopfern – Reformierte zögern

11.06.2024, 14:5311.06.2024, 16:25
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Die Anhörung von Opfern von sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche war in der Diözese Sitten in vielen Fällen unangemessen. Zu diesem Schluss kommt eine externe und unabhängige Prüfung des Umgangs des Bistums mit Missbrauch.

Die befragten Personen hätten den ersten Empfang durch ein Kirchenmitglied oft als einschüchternd und wenig unterstützend empfunden, heisst es in dem am Dienstag vorgestellten Bericht. «Zu dieser Unangemessenheit des ersten direkten Kontakts kommen insbesondere eine institutionelle Trägheit bei der Bearbeitung der Dossiers und ein Mangel an Proaktivität bei der Nachverfolgung hinzu», sagte Stéphane Haefliger von der Firma Vicario Consulting, die mit der Prüfung beauftragt war.

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Jean-Marie Lovey, Bischof von Sitten.Bild: keystone

Die Diözese gestand Fehler ein und kündigte einen Aktionsplan an. Unter anderem sollen Missbrauchsopfer besser betreut und die Kommunikation mit diesen verbessert werden. Der Bericht stützt sich auf die Befragung von etwa 20 Missbrauchsopfern und die Analyse von etwa 15 Akten aus dem Bistumsarchiv.

Noch keine Aufarbeitung von Missbrauch bei Reformierten

Wie bereits die römisch-katholische Kirche wollten auch die reformierten Landeskirchen der Schweiz eine Studie zu allfälligem sexuellem Missbrauch in Auftrag geben. Doch dazu kommt es vorerst nicht. Am Dienstag hat das Kirchenparlament einen entsprechenden Vorschlag abgelehnt.

Der Rat der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz (EKS) bedauere, dass eine nationale Dunkelfeldstudie nicht durchgeführt werden könne, teilte die EKS am Dienstag nach Abschluss der Synode mit. Das Kirchenparlament hatte in den vergangenen drei Tagen in Neuenburg getagt. EKS-Präsidentin Rita Famos bedauerte in der Mitteilung den Entscheid der Synode.

Für die Studie hatte der Rat dem Parlament Ausgaben von 1,6 Millionen Franken beantragt. Über drei Jahre hätte eine repräsentative Bevölkerungsumfrage durchgeführt, analysiert und in einem entsprechenden Bericht publiziert werden sollen, wie den Unterlagen zur Synode zu entnehmen war.

Die Studie hätte der Universität Luzern in Zusammenarbeit mit dem Sozial- und Marktforschungsinstitut Demoscope in Auftrag gegeben werden sollen. Unter anderem hätten Informationen über die spezifischen Umstände von sexuellem Missbrauch, die sozialen Räume, in denen dieser stattgefunden hat, sowie über die Folgen für die Betroffenen gewonnen werden sollen.

Gegenvorschläge angenommen

Während der Synode wurden von 13 Kantonalkirchen als Gegenvorschläge drei Anträge gestellt, die genehmigt wurden, wie Stephan Jütte, Mediensprecher bei der EKS, auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA sagte. Erstens forderte die Synode den Rat auf, eine Arbeitsgruppe zur Prüfung einer allfälligen kircheninternen Studie einzusetzen.

Zweitens werde der Rat damit beauftragt, die Präventionsarbeit zum Schutz der persönlichen Integrität in ihren Mitgliedkirchen zu fördern und zu unterstützen sowie eine externe Kontaktstelle für Betroffene zu schaffen. Drittens solle sich der Rat beim Bund für die Durchführung einer Dunkelfeldstudie einsetzen, wie die EKS weiter schrieb. (rbu/hkl/sda)

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