Feuerwerk verbieten? In der «Arena» zeigte sich, wer ein Herz für Tiere hat
Es «chlöpfte und tätschte» nicht in der SRF-«Abstimmungsarena» zur Feuerwerksinitiative, hinter der Tierschutzorganisationen und Privatpersonen stehen. Denn im Grundsatz waren sich alle einig: Böller, die nur Lärm verursachen, sind unnötig.
Ob es jetzt aber ein schweizweites Verbot von lärmerzeugenden Feuerwerkskörpern braucht und Feuerwerk nur noch an grösseren Anlässen mit überregionaler Bedeutung gezündet werden darf, da spalteten sich die Geister.
Pro Initiative und damit gegen das Chlöpfen argumentierten:
- Roman Huber, Mitinitiant
- Anna Rosenwasser, Nationalrätin SP/ZH
- Katja Schönenberger, Geschäftsleiterin Vier Pfoten
- Lilian Studer, Präsidentin EVP
Kontra-Initiative, aber dadurch nicht zwingend für das Chlöpfen sprachen sich aus:
- Albert Rösti, Bundesrat und Vorsteher UVEK
- Regina Durrer-Knobel, Nationalrätin Die Mitte/NW
- Daniel Bussmann, Präsident Verein Pro Feuerwerk
- Urs Furrer, Direktor Schweizerischer Gewerbeverband
Von Beginn weg der Sendung befindet sich Umweltminister Albert Rösti in einer denkbar ungünstigen Ausgangslage. Im Namen des Bundesrats muss er gegen die Feuerwerksinitiative argumentieren. Damit ist er zwar auf Parteilinie, da die SVP die Nein-Parole beschlossen hat. Nicht aber auf Linie mit der SVP-Basis, die sich laut ersten Umfragen zu 53 Prozent für die Initiative ausspricht.
Rösti versucht es deshalb mit milden Tönen. Betont immer wieder, er habe ja grundsätzlich Verständnis für die Anliegen der Befürworter. Die da wären, wie es Katja Schönenberger, Geschäftsleiterin von Vier Pfoten, zusammenfasst: «Wir wissen, dass Feuerwerk bei Tieren sehr grosses Leid verursacht.»
Katja Schönenberger: «Wir möchten niemandem etwas wegnehmen»
Rösti findet, es sei wichtig und gut, dass die Schweiz über dieses Thema diskutiere. Dass es wegen Feuerwerk vermehrt zu Bränden und Verletzten bis Toten komme, ärgere ihn auch. Und vom wahllosen Rumböllern halte er ebenfalls nichts.
Auf diese Einleitung sollte ein grosses Aber kommen. Doch es kommt nur ein kleines: «Aber jetzt ist ja die Frage, ob die Verhältnismässigkeit gegeben ist. Ist es nötig, so ein Verbot, das die Freiheit einschränkt, auf Verfassungsebene zu regeln?» Schliesslich könnten die Kantone, Städte und Gemeinden schon jetzt Feuerwerksverbote verhängen. Neun von zehn grossen Schweizer Städten und 100 Gemeinden täten dies bereits.
Bundesrat Rösti spricht sich für den Föderalismus aus
Dann tut Rösti die Initianten als Spielverderber ab, welche den Menschen das letzte bisschen Freude im Alltag nehmen wollten: «Es spricht doch nichts dagegen, mal an einer schönen Hochzeit oder einem runden Geburtstag ein Feuerwerk abzulassen.»
Moderator Sandro Brotz bohrt nach: «Bundesrat Albert Rösti, Sie sind doch in Kandersteg auf einem Hof aufgewachsen.» Mit dem Pferd Livia und dem Pony Rosi. Die Knallerei erschrecke all diese Tiere. Und weiter: «Haben Sie kein Herz für Tiere?»
Rösti, der seit seinem Amtsantritt die Jagd auf zahlreiche Wildtiere dereguliert hat, antwortet etwas perplex: «Doch, ich habe ein sehr grosses Herz für Tiere.» Aber das Feuerwerk beschränke sich ja nur auf zwei Tage im Jahr: Silvester und den 1. August. Für diese kurze Zeit könne man die Tiere ja in einem schalldichten, sicheren Raum unterbringen.
Bundesrat Rösti: «Habe ein sehr grosses Herz für Tiere»
Initiant Roman Huber stösst diese Aussage bitter auf: «Ich muss gegen die Behauptung intervenieren, dass immer nur am 1. August und an Silvester gechlöpft wird. Der Herr Bundesrat Rösti hat ja selbst gesagt, wenn man eine Hochzeit oder ein schönes Fest hat, zusammen ein bisschen Freude haben will, dann soll es chlöpfen. Das ist genau der Punkt der Initiative!»
Er wolle nicht jederzeit von Knallern erschreckt werden können. Für Haustiere, Wildtiere, aber auch für Menschen, die vom Krieg traumatisiert seien, die einen Tinnitus hätten oder für Kleinkinder bedeute das viel Stress und Leid.
Roman Huber tadelt Rösti
Die anderen Gäste aus dem Kontra-Lager versuchen den Rest der Sendung, die Debatte in eine extreme Richtung zu lenken. Sie sprechen von einer «Verbotskultur». Malen Angstszenarien, in denen das Seenachtfest ihrer Gemeinde nicht mehr stattfinden könnte. Und was könnte als Nächstes kommen? Ein Verbot von Kirchenglocken? Von Open-Air-Festivals? Vom Abfeuern einer Kanonenkugel in ihrem Dorf, obwohl das Tradition sei?
Es sind vergebliche Versuche. Denn erstens geht es in der Initiative um Feuerwerk und nichts anderes. Und zweitens erlaubt die Initiative weiterhin grosse, professionell durchgeführte Feuerwerke an Anlässen, die eine überregionale Bedeutung haben – etwa an einem Seenachtfest.
Blöderweise hat Bundesrat Albert Rösti genau den letzten Punkt schon zu Beginn der Sendung selbst festgehalten. Dies, als Brotz ihn mit den mehreren hundert Tonnen Feinstaub konfrontiert hat, welche Feuerwerkskörper jährlich in der Schweiz verursachen, was je nach Jahr zwei bis drei Prozent der Schweizer Feinstaubemissionen ausmacht.
Rösti hat darauf gekontert: «Die Initiative will ja immerhin, dass man grössere, überregionale Feuerwerke noch machen darf. Also würde der Feinstaub mit der Initiative wahrscheinlich nicht massiv reduziert.»
Rösti gibt zu, dass grosse Feuerwerke erlaubt blieben
Mit dieser Aussage hat Rösti das Bein gestellt, über das das Nein-Lager während der Sendung fortwährend stolpert. Und das so kläglich, dass man kaum hinschauen kann.
Initiant Roman Huber bringt die Feuerwerksinitiative am Schluss auf den Punkt: «Es geht wirklich um ein Stück Herz, um ein Stück Empathie.» Schliesslich stehe in der Schweizer Verfassung: Die Freiheit des Einzelnen gehe nur so weit, wie sie die Lebensqualität und das Wohl anderer nicht schädige.
Huber: «Es geht um Empathie»
Am 29. November wird das Stimmvolk entscheiden. Aktuelle Umfragen zeigen einen Ja-Trend von fast 70 Prozent.
