Studie zeigt: Vögel leiden noch Tage nach dem Feuerwerk
«Nach einem Feuerwerk sieht man viele Vögel tagsüber schlafen. Mit dem Kopf in den Federn versuchen sie, den verpassten Schlaf nachzuholen», erklärte der Biologe Valentin Moser im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Keystone-SDA.
Für eine im Fachblatt «Animal Behaviour» publizierte Studie untersuchte der damals an der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) tätige Forscher über drei Winter (2020/2021 bis 2022/2023) hinweg das Verhalten von Vögeln an einem Schlafplatz im Basler Dreiländereck. Im Fokus standen Lachmöwen, aber auch andere Wasser- und Singvögel wurden erfasst.
Panik um Mitternacht
In den Silvesternächten stieg die Flugzeit der Lachmöwen rund um Mitternacht massiv an. Die Vögel reagierten direkt auf Feuerwerkskörper in der Nähe, stiegen in grosse Höhen auf und zeigten deutliche Stressreaktionen.
Andere Wasservögel wie Enten oder Schwäne verliessen das Gebiet bereits nach dem ersten Knall und kehrten zumeist erst am nächsten Tag zurück. Selbst eigentlich tagaktive Singvögel seien um Mitternacht panisch umhergeflogen, heisst es in der Studie.
Erschöpfung in den Tagen danach
Die Störung war nicht nach einer Nacht vorbei. In den Tagen nach Silvester sank die Zahl der Lachmöwen am Schlafplatz drastisch. Im Winter 2022/2023 waren es am 1. Januar über 60 Prozent weniger Vögel als noch am 27. Dezember. Es dauerte mehrere Tage, bis sich die Population erholt hatte und das Stressverhalten wieder auf ein normales Niveau sank.
Die geringsten Verhaltensstörungen bei den Vögeln wurden im Winter 2020/2021 während der Covid-19-Pandemie registriert. Damals war die Nutzung von Feuerwerk aufgrund der Restriktionen am geringsten.
«Vögel können schon mit einer solchen Störung umgehen», so Moser. «Das Problem bei Feuerwerken ist jedoch, dass sie oft sehr flächendeckend sind und Vögel so keine Chance haben, auszuweichen.» Auch zeitlich sei es oft nicht beschränkt – es werde die ganze Nacht hindurch Feuerwerk abgelassen. (sda)
