Schweiz
Schule - Bildung

EU-Debatte an Kantonsschule Reussbühl: Thomas Aeschi läuft davon

Thomas Aeschi läuft davon: EU-Debatte an Luzerner Gymnasium eskaliert

Thomas Aeschi, SVP-Nationalrat und möglicher Bundesratskandidat, hat eine Diskussion über die EU-Verträge an der Kantonsschule Reussbühl vorzeitig beendet. Was ist vorgefallen?
06.11.2026, 17:2106.11.2026, 17:22
Stefan Bühler
Stefan Bühler

Knapp zwei Jahre vor der Matura nehmen die Schülerinnen und Schüler der 5. Klasse der Kantonsschule Reussbühl in Luzern jeweils an einer Studienwoche zur politischen Bildung teil. Einer der Höhepunkte dieser Woche ist eine Podiumsdiskussion, zu der auch Bundespolitikerinnen und -politiker eingeladen werden.

Am 25. September dieses Jahres war es wieder soweit. Eingeladen waren Nationalrat Michael Töngi (Grüne/LU), Ständerätin Andrea Gmür-Schönenberger (Mitte/LU), Nationalrat Thomas Aeschi (ZG), Fraktionschef und möglicher Bundesratskandidat der SVP, sowie der deutsche Botschafter in Bern, Markus Potzel.

Thomas Aeschi, SVP-ZG, spricht an der Fruehjahrssession der Eidgenoessischen Raete, am Donnerstag, 5. Maerz 2026 im Nationalrat in Bern. (KEYSTONE/Andreas Becker)
Auch Thomas Aeschi nahm an der Diskussion teil. (Archivbild)Bild: keystone

Doch am Ende der Veranstaltung sassen nur noch drei Gäste auf dem Podium. Thomas Aeschi hatte den Saal vorzeitig verlassen. Er tat dies unter Protest, als es um das Verhältnis der Schweiz zur EU und insbesondere die Bilateralen III ging.

Was an der Kantonsschule Reussbühl genau ablief, stellen die Beteiligten unterschiedlich dar.

«Angesichts dieser Ausgangslage kam ich zum Schluss, dass eine kritische Stimme nicht gefragt war.»
Thomas Aeschi

Auf Anfrage schreibt Aeschi der «Schweiz am Wochenende», er habe bereits vor einigen Jahren an einem Podium des Gymnasiums Reussbühl teilgenommen: «Auch dieses Mal freute ich mich auf eine spannende Debatte.» Leider sei die Moderation dieses Mal «sehr einseitig» gewesen. «Als einzige Stimme auf dem Podium, die den EU-Vertrag ablehnt, wurde mir trotz freundlicher Nachfrage meinerseits seitens der Moderatorin kaum Redezeit gewährt.» Selbst Ständerätin Gmür-Schönenberger habe noch auf dem Podium festgestellt, dass das Verhalten der Moderatorin nicht korrekt war. «Angesichts dieser Ausgangslage kam ich zum Schluss, dass eine kritische Stimme nicht gefragt war.»

«Für mich ein No-Go»

Auf Nachfrage erklärt Gmür-Schönenberger, dass sie sich eigentlich nicht zum Vorfall habe äussern wollen. Die Aussage Aeschis könne sie so aber nicht stehen lassen.

Richtig sei, dass sie Aeschi zugestimmt habe, dass die Zusammensetzung des Podiums beim Thema Europapolitik mit drei grundsätzlich befürwortenden und einer ablehnenden Stimme zu den neuen EU‑Verträgen nicht ausgewogen gewesen sei. «Leider liess Herr Aeschi die Moderatorin, die ihm mehr Redezeit hätte zugestehen wollen, gar nicht mehr zu Wort kommen und lief davon.» Andrea Gmür-Schönenberger hält fest: «Der Moderatorin ist kein Vorwurf zu machen und das Davonlaufen von Herrn Aeschi ist für mich ein No-Go.»

«Ein Nationalrat muss das aushalten.»
Michael Töngi

Grünen-Nationalrat Michael Töngi zeigt sich «verwundert» über das Vorgefallene: Die Namen der Referentinnen und Referenten seien auf der Einladung gestanden, «Thomas Aeschi kannte also die Ausgangslage für die Diskussion». Er räumt ein, auch Teil des Konflikts gewesen zu sein. Die Diskussion sei «emotional» geworden. «Das hat es der Moderation nicht leicht gemacht.» Allerdings komme das bei Debatten immer wieder vor. «Ein Nationalrat muss das aushalten.»

Bisher keine Antwort auf Entschuldigung

Das Rektorat der Kantonsschule Reussbühl hält auf Anfrage selbstkritisch fest: «Vielleicht hätten wir noch mehr auf eine paritätische Vertretung setzen müssen.» Über das ganze Themenspektrum des Podiums, inklusive Sicherheitspolitik, wären die Positionen aber ausgewogen gewesen.

Eine Ansicht auf das bestehende Gebaeude der Luzerner Kantonsschule Reussbuehl am Mittwoch, 4. Februar 2026 in Luzern. Mit einem Sonderkredit von 86,5 Millionen Franken soll die Erweiterung und Umnutz ...
Die Kantonsschule Reussbühl in Luzern.Bild: keystone

Aus Sicht des Gymnasiums ist die Situation eskaliert, nachdem sich die Debatte über die EU-Verträge in Details «verzahnt» habe, die für die Jugendlichen nicht mehr verständlich gewesen seien. Daher habe sich die Moderation in der Rolle gefunden, die Debatte etwas stärker zu lenken. «Diese Eingriffe passten Herrn Aeschi offenbar nicht.»

Das Gymnasium Reussbühl habe sich noch am selben Tag schriftlich bei Nationalrat Aeschi gemeldet, seine Position erklärt und sich für allfällige Fehler entschuldigt. «Leider haben wir von Herrn Aeschi keine Antwort auf unsere schriftliche Rückmeldung und Entschuldigung erhalten.»

(schweizheute.ch)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Michael Graber und Thomas Aeschi wollen in den Bundesrat – da war doch mal was …
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
 SBB-Billette 1,5 Prozent teurer Pro Jahr
Gygi jongliert mit Zahlen und die SBB-Tickets werden wieder teurer
Die Billettpreise in der Schweiz dürften bis 2033 um durchschnittlich 1,5 Prozent pro Jahr steigen, wegen FABI möglicherweise sogar etwas mehr. Das plant die SBB, wie der SBB-Verwaltungsratspräsident Ulrich Gygi sagte.
Gemäss der Langfristplanung sollen die Billettpreise laut Gygi analog der angenommenen Teuerung angepasst werden. Bei 1,5 Prozent pro Jahr würden die Tickets demnach im Jahr 2033 rund ein Drittel mehr kosten als heute. Im Verhältnis zu anderen Gütern wären sie aber nicht teurer, wenn nur die Teuerung ausgeglichen würde.
Zur Story