Jedes Jahr zum Skiservice? Selbst an der Bindung zu schrauben, ist riskant
In Sölden sind dieses Wochenende erstmals Skirennfahrer und -fahrerinnen den Hang heruntergestürzt. Ein Zeichen, dass die Skisaison auch für die Amateure nicht mehr weit weg ist. Die Beratungsstelle für Unfallverhütung (BFU) ruft deshalb dazu auf, die Skibindungen neu einstellen und prüfen zu lassen und das mit der Ski-Vignette zu bestätigen. Zu Sinn und Zweck die wichtigsten Antworten mit Christoph Leibundgut von der BFU.
Jedes Jahr die Skibindung neu einstellen: Ist das nicht übertrieben?
Christoph Leibundgut: Nein. Es gibt verschiedene Faktoren und Umstände, die sich im Laufe eines Jahres verändern. Gewisse davon sieht man im Spiegel oder auf der Waage. Gewicht und Alter werden einem so vor Augen geführt.
Wenn sich das Körpergewicht aber nicht verändert hat?
Auch der Skischuh verändert sich: durch das Tragen und die Abnützung beim Gehen. Der Ski stand lange im Keller, hat Staub angesetzt oder ist vielleicht umgefallen. Zudem altert das Material. Die kleinste Veränderung kann einen Einfluss auf den Z-Wert haben. Die Zahl, die man einstellen muss, damit die Bindung optimal funktioniert.
Wieviele Unfälle sind einer falsch eingestellten Bindung geschuldet?
Das weiss man nicht. Was man weiss, ist, dass es heutzutage viel weniger Unterschenkelbrüche gibt als früher, dank der Auslösebindungen. Sie verhindern nicht alle Verletzungen, aber korrekt eingestellt vor Brüchen am Unterschenkel und Sprunggelenk.
Kann man seine Bindung nicht einfach selbst einstellen?
Es gibt ambitionierte Fahrer und Fahrerinnen, die glauben, die Bindung hart einstellen zu müssen, und schrauben deshalb selbst. Freizeitsportler sind aber nicht Rennfahrer mit Oberschenkeln wie Marco Odermatt und öffentliche Pisten keine knallharten Rennstrecken. Wenn der Ski bei einem Sturz zu stark an den Schuhen hält, bricht die Hebelwirkung das Bein. Das Bindungsprüfgerät des Fachhändlers testet die Bindung, ob diese optimal auslöst. Das lässt sich nicht zu Hause überprüfen, indem man mit dem Gummihammer versucht, den Schuh aus der Bindung zu klopfen. Deshalb empfiehlt die BFU eine Fachperson, die die Bindung mit dem Bindungsprüfgerät nach geltender Norm prüft.
Die BFU empfiehlt: Bindung einstellen, Kanten schleifen und Belag wachsen. Muss das auch tun, wer nicht viel fährt?
Das gehört zusammen. Saubere Kanten greifen auch auf hartem Schnee und erhöhen die Sicherheit, aber auch den Fahrkomfort. Letzteres gilt auch für das regelmässige Wachsen.
Auf den Ski soll nach der Prüfung die BFU-Skivignette geklebt werden. Was bringt das?
Der neue silberfarbene Kleber bestätigt, dass die Bindung optimal eingestellt ist. Zwingend muss die Vignette nicht auf den Ski geklebt werden. Aber die BFU-Skivignette erinnert an die nächste Kontrolle. Und animiert vielleicht andere, ihre Bindung auch prüfen zu lassen.
Hat die Ski-Vignette bei einem Unfall versicherungsrechtliche Konsequenzen?
Die jährliche Bindungskontrolle ist eine BFU-Empfehlung. Sie ist zwar nicht formell rechtlich obligatorisch, Versicherungen, also Unfall- oder Skibruchversicherungen, sowie Krankenkassen könnten aber grundsätzlich eine fehlende Einstellung oder eine selbst falsch eingestellte Bindung als grob fahrlässiges Verhalten ansehen und die Geldleistungen entsprechend kürzen.
Wieviele Skiunfälle gibt es in der Schweiz?
Pro Jahr verletzten sich rund 54 000 Personen der Schweizer Bevölkerung beim Skifahren.

