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Alpen: SVP-Nationalrat Wandfluh fordert Speicherseen gegen Trockenheit

Alpen in Not: Oberster Älpler fordert Speicherseen gegen die Trockenheit

Die anhaltende Trockenheit bringt immer mehr Alpen in Wassernot. SVP-Nationalrat Ernst Wandfluh, Präsident des Schweizerischen Alpwirtschaftlichen Verbands, fordert mehr Geld und einfachere Bewilligungsverfahren für Speicherseen.
05.07.2026, 00:5705.07.2026, 00:57
Findet sie künftig noch genug Wasser? Eine leicht verletzte Kuh wird per Helikopter vom Klausenpass ausgeflogen (18. August 2020).
Findet sie künftig noch genug Wasser? Eine leicht verletzte Kuh wird per Helikopter vom Klausenpass ausgeflogen (18. August 2020).Urs Flüeler / Keystone

Die Trockenheit in der Schweiz hält an. Die Gewitter anfangs dieser Woche haben keine wirkliche Linderung gebracht. Gemäss dem aktuellen Trockenheitsbulletin des Bundes vom Donnerstag sind 26 von 38 Regionen «extrem trocken», zwei weitere «sehr trocken».

Auf der Alpennordseite liegt die Niederschlagsmenge der letzten drei Monate zwischen 45 und 61 Prozent unter den Normwerten. Längere Niederschlagsphasen sind keine in Sicht. Der Bund rechnet deshalb mit einer Verschärfung der Situation.

Die Trockenheit wird auch auf den Alpen zum Problem. Ihre Wasserversorgung ist zunehmend in Gefahr. Vor kurzem wählte der Schweizerische Alpwirtschaftliche Verband (SAV) deutliche Worte. In einem Communiqué forderte er die Alpbetreiberinnen und -betreiber «dringend dazu auf, ihre Infrastruktur zu überdenken». Mit Blick auf die vergangenen Trockenjahre warnte der SAV davor, dass «selbst traditionell niederschlagsreiche Alpgebiete in Wassernot geraten» können.

Forscher konstatiert «eine gewisse Sorglosigkeit»

Zur angespannten Lage auf den Alpen tragen neben dem fehlenden Niederschlag der letzten Monate die geringen Schneemengen des vergangenen Winters und Frühjahrs bei, erläutert Gebirgshydrologe Manfred Stähli vom Eidgenössischen Forschungsinstitut für Wald, Schnee und Landschaft (WSL).

Im Gegensatz zur Landwirtschaft im Mittelland sei die Wasserversorgung von Alpbetrieben viel stärker von kurzfristigen Veränderungen abhängig. «Auf Alpen, wo man jahrelang keine Probleme mit der Wasserversorgung hatte, ist das teilweise wohl in Vergessenheit geraten und es hat sich eine gewisse Sorglosigkeit breitgemacht», sagt Stähli.

Die Forschung zeige aber eindeutig, dass man sich im Alpenraum auf das häufigere Auftreten dieser Ausgangslage, kombiniert mit längeren Trockenperioden im Sommer, einstellen müsse. Das könne dazu führen, dass Quellen, die lange Jahre zuverlässig Wasser geliefert haben, versiegen und Bäche austrocknen.

«Staat muss Alpbetreibern unter die Arme greifen»

Als Präsident des SAV ist der Berner SVP-Nationalrat Ernst Wandfluh gewissermassen der oberste Älpler der Schweiz. Seine Tiere verbringen den Sommer auf der Ueschinenalp ob Kandersteg, einem der grössten Alpwirtschaftsbetriebe der Schweiz mit eigener Käserei.

«Auf den Alpen spüren wir den Klimawandel eindeutig», sagt Wandfluh. Dieser zeige sich insbesondere durch die früher einsetzende Sommertrockenheit, verbunden mit geringeren Schneemengen und einer früheren Schneeschmelze: «Das macht die Versorgung mit Wasser zunehmend herausfordernder», so Wandfluh.

Um diese sicherzustellen, müsse man neue Wege gehen, sagt der Berner SVP-Nationalrat. Er denkt an Speicherseen, wie sie in Skigebieten für den Kunstschnee angelegt werden. «Dafür müssen die Bewilligungsverfahren vereinfacht werden und gegebenenfalls der Landschaftsschutz zurückstehen.» Angesichts der «unbestrittenen positiven Effekte» der Alpwirtschaft für Tourismus, Landschaftsbild, Biodiversität und Landesversorgung sei das angebracht.

Doch wie so oft in der Landwirtschaftspolitik geht es auch ums Geld. Massnahmen zur Sicherstellung der Wasserversorgung wie neue Quellfassungen, Reservoirs oder Zisternen seien aufwendig, teuer und gerade für kleinere Alpbetriebe finanziell nicht tragbar.

«Hier muss der Staat den Alpbetreibern unter die Arme greifen», fordert Ernst Wandfluh. Er verlangt mehr nicht rückzahlbare Beiträge sowie eine Aufstockung der Mittel im «Fonds de Roulement» des Bundes für die Landwirtschaft. Über diesen können Landwirtinnen und Landwirte zinslose oder zinsgünstige Darlehen für Strukturmassnahmen sowie als Starthilfe bei Betriebsübernahmen beziehen.

Im Juni hatten die Landwirtschaftsvertreter im Parlament versucht, bei der Beratung des Mercosur-Freihandelsabkommens eine Aufstockung des Fonds de Roulement zu erreichen. Sie präsentierten die Forderung als Abfederung der zollfreien Importe von Nahrungsmitteln aus Südamerika. Sie liefen damit jedoch auf. Am Ende lehnte eine Mehrheit aus SVP, bauernnahen Mitte-Politikern und Linksgrün das Freihandelsabkommen ab.

Die Liquidität des Fonds hat schneller als erwartet abgenommen und ist gemäss Bund im laufenden Jahr aufgebraucht. Der Bund hat den Anwendungsbereich erweitert, was die bewilligten Gesuche in den letzten Jahren ansteigen liess, ohne dem Fonds entsprechend mehr Mittel zuzuführen.

Dieser Liquiditätsengpass hat konkrete Auswirkungen. Im Januar verfügte der Bundesrat eine Kürzung der Investitionskredite sowie der Fristen zur Rückzahlung. Aufgrund der fehlenden Mittel gibt es in mehreren Kantonen Wartefristen von mehreren Jahren bis zur Auszahlung des Kredits.

Diese Ausgangslage erklärt die Dringlichkeit des Appells des Alpwirtschaftlichen Verbands an die Alpbetreiber. Für sinnvolle Investitionen in die Wasserversorgung brauche es Langzeitbeobachtungen von zwei bis drei Jahren, schreibt der SAV. Wenn dann noch jahrelang auf die Finanzierung gewartet werden muss, drohen die Alpsommer noch trockener zu werden. (schweizheute.ch)

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144 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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versy
05.07.2026 01:20registriert Januar 2017
Wenn er und seine ganze Kollegschaft endlichen den Klimawandel als diesen bezeichnen würden und per sofort aufhören die immer "bösen grüne Anliegen" zu blockieren, wäre ich ja sogar bereit dafür Geld zu sprechen.
Aber im Gegenzug müssen durchaus Massnahmen für die Tierhaltung, Wasserschutz (Pestizide und Güllenthematik), Wildtierthematik (Wolf, Luchs, Geier und Adler) sowie die Elektrifizierung der Landwirtschaft akzeptiert werden.
Nur einfach einmal mehr Geld sprechen obwohl sie alles blockieren, was CO2/Methan Ausstoss vermindert kann nicht im Interesse der Schweiz sein.
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Flobelix
05.07.2026 01:32registriert Januar 2019
Reden die in der SVP eigentlich miteinander? Nach einem kurzen Gespräch mit Herrn Wandfluh sollte doch eigentlich allen klar sein, dass da mit dem Klima irgendwie etwas bitzli komisch ist. Sollte man zumindest meinen...
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BigTom
05.07.2026 01:23registriert Oktober 2025
Wir wissen ganz genau, was wirklich dringend zu tun ist. Wann werden wir alle wirklich ehrlich zu uns selbst werden?
Weil wenn wir nicht damit aufhören was zu diesem Klimawandel führt, dann wird es in Zukunft noch sehr viel schlimmer werden.
Hört auf, den Kopf in den Sand zu stecken!
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