Schweiz
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Der neu gewaehlte Nationalrat Roger Koeppel, links, und Thomas Matter, rechts, waehrend der Wahlveranstaltung der SVP ZH im Restaurant Roessli in Ilnau-Effretikon am Sonntag, 18. Oktober  2015. (KEYSTONE/Dominic Steinmann)

Weltwoche-Chefredaktor und designierter SVP-Nationalrat Roger Köppel will bei den Ständeratswahlen nicht für seine Partei antreten.
Bild: KEYSTONE

Bastien Girod – oder 5 Gründe, warum die SVP nach Köppels Absage nie im Leben den Zürcher Ständeratssitz gewinnt

SP-Mann Daniel Jositsch wurde am Sonntag im ersten Wahlgang glänzend gewählt, SVP-Mann Hans-Ueli Vogt hat nur 69 Prozent der Stimmen erreicht, die es für das absolute Mehr gebraucht hätte. Will die SVP in Zürich doch noch jemand ins Stöckli schicken, müsste sie diese fünf Probleme beseitigen. 



Der Glanzsieg des Zürcher SP-Ständeratskandidaten Daniel Jositsch trübt den nationalen Freudentaumel der SVP. Diese fünf Probleme müsste die SVP aus dem Weg räumen, damit es doch noch klappen könnte, mit dem Stöckli-Einzug. 

Der schwache Kandidat

Hans-Ueli Vogt, SVP Zuerich, spricht anlaesslich der Gesetzlichen Grundlagen im Sozialhilfegesetz zur Benuetzung von Fahrzeugen am Montag, 19. Januar 2014, im Kantonsrat in Zuerich. (KEYSTONE/Ennio Leanza)

Hans-Ueli Vogt spricht im Januar im Zürcher Kantonsrat.
Bild: KEYSTONE

Trotz souveränen Auftretens und geschickten Wahlkampfs – bis hin zur Werbeplatzierung in Gay-Magazinen – hat es der Jurist Hans-Ueli Vogt nicht geschafft, eine Mehrheit der Zürcher Wähler für sich zu begeistern. Der eher zurückhaltende 46-jährige Quereinsteiger sollte als Vertreter der intellektuell-urbanen SVP das linke Zürich einnehmen. Das ist ihm nicht gelungen. Das Land wählte ihn zwar, in der Stadt räumte aber vor allem SP-Mann Jositsch ab. Vogt kam 54'627 Stimmen hinter dem absoluten Mehr zu stehen. Er müsste in einem zweiten Wahlgang antreten.

Am Montag sagt er dazu nicht Nein, aber auch nicht Ja. «Ich klammere mich nicht an die Kandidatur», sagt er gegenüber watson mit wenig Kampfgeist. Den Sitz wolle die SVP aber sicher nicht kampflos den anderen überlassen. Wer dafür die geeignete Person sei, werde der Vorstand der Kantonalpartei am Dienstag entscheiden. Bereits am Sonntag wurden andere Kandidaten gehandelt. Vogt sieht dem Ganzen dennoch «relaxt» entgegen: «Es geht nicht um mich als Person», sagt er. 

Die unwilligen Sprengkandidaten

Nationalraetin Natalie Rickli, von links, Nationalratskandidat Roger Koeppel, Nationalrat Albert Roesti, und Parteipraesident Toni Brunner, singen an der

Hans-Ueli Vogt, Natalie Rickli, Roger Köppel und Albert Rösti singen an einer Wahlkampfveranstaltung im Zürcher Hauptbahnhof die Nationalhymne.  
Bild: KEYSTONE

Vogts Ego ist nach eigenen Aussagen ein wenig angekratzt. Wahrscheinlich nicht nur wegen des verpassten Ständeratssitzes. Seine Freude über den Nationalratssitz – den er immerhin nach nur vier Jahren als Kantonsrat gemacht hat – wurde auch von Natalie Rickli getrübt. Kaum war ausgezählt, schlug sie gegenüber Blick Roger Köppel als neuen Ständeratskandidaten vor. «Mit seinem Resultat hat er gute Wahlchancen», sagte sie. Ein paar Tage zuvor hatte sie Köppel noch als überheblich bezeichnet, weil er mit dem Wahlspruch «Wählen Sie Roger Köppel: Endlich ein Politiker, der die Schweiz verteidigt!» antrat.

Die Konkurrenz ist hart bei der Zürcher SVP. Köppel will sich vorerst nicht darauf einlassen. Eine Ständeratskandidatur «sei kein Thema», sagte er am Montag gegenüber dem Tages-Anzeiger. «Ich konzentriere mich auf mein Mandat als Nationalrat. Dieser Rucksack ist schwer genug», sagte Köppel. Der aufsteigende Stern am SVP-Himmel steht also nicht als Stöckli-Ticket für die Zürcher SVP zur Verfügung. Rickli selber winkte ebenfalls ab. 

Der starke Konkurrent

ARCHIV --- ZUM SDA-VORAUSBERICHT ZU DEN WAHLEN STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILD ZUR VERFUEGUNG --- Nationalrat Ruedi Noser referiert anlaesslich der ausserordentlichen Delegiertenversammlung der FDP Kanton Zuerich, am Donnerstag, 22. Januar 2015, in Zuerich. Noser soll die Nachfolge des abtretenden Staenderats Felix Gutzwiller antreten. (KEYSTONE/Steffen Schmidt)

Bild: KEYSTONE

Einen Glanz-Kandidaten wie Köppel hätte die SVP gut gebrauchen können, denn nach Jositsch hat der FDP-Kandidat Ruedi Noser im ersten Wahlgang die meisten Stimmen gemacht. Und dieser denkt nicht daran, nicht wieder anzutreten, obwohl SVP-Präsident Alfred Heer giftelte: «Die SVP ist doppelt so gross, wenn schon müsste die FDP verzichten.»

Doch Nosers Chancen stehen gut, vor allem, wenn er nur gegen Hans-Ueli Vogt antreten muss. Um einen SVP-Sitz zu verhindern, könnte der FDP-Kandidat auch einige linke Stimmen auf sich vereinen. Gegenüber watson sagt Noser: «Ich trete für den zweiten Wahlgang an. Ich respektiere die SVP-internen Diskussionen, aber ich möchte sie nicht kommentieren.» In diesem Punkt werden sich FDP und SVP also nicht annähern.

Der Krach mit der FDP 

Natalie Rickli (SVP/ZH), rechts, unterhaelt sich mit Ruedi Noser (FDP/ZH), links, zu Beginn der Fruehlingssession am Montag, 4. Maerz 2013, im Nationalrat in Bern. (KEYSTONE/Lukas Lehmann)

Ruedi Noser und Natalie Rickli bei der angeregten Diskussion im Nationalratssaal.
Bild: KEYSTONE

Nosers Unwille seine Kandidatur zurückzuziehen, um die Stimmen der bürgerlichen Wähler nicht auf zwei Kandidaten zu verzetteln, kommt nicht von ungefähr. Das Verhältnis zwischen der Zürcher FDP und SVP ist belastet. Heer hat Noser bereits im Wahlkampf angegriffen, ihn einen «Euroturbo» genannt und empfohlen, neben Vogt «einen Strich auf den Wahlzettel zu machen», schreibt die NZZ

Heers Frust ist im Wahlkampf gewachsen. Ihm passte es nicht, dass die FDP sich weigerte, mit der SVP eine Listenverbindung einzugehen. Vertragen sich die Bürgerlichen nicht bald wieder, könnte ihr Gezanke am Ende die Linke freuen. 

Die linke Bedrohung 

Bastien Girod, Nationalrat der Gruenen des Kantons Zuerich, spricht an der Medienkonferenz

Bild: KEYSTONE

Denn ein dritter Player hat noch nicht aufgegeben. Der Grüne Bastien Girod, der gerade auf Social Media einen sehr engagierten Wahlkampf hingelegt hat, hat gestern Abend seine Teilnahme am zweiten Wahlgang angekündigt. Diverse Grüne wie Kantonsrat Robert Brunner und GP-Fraktionschefin Esther Guyer haben bereits ihre Unterstützung versprochen. Mit seiner Kampagne will Girod den Unmut weiter linker Kreise über den Rechtsrutsch vom Sonntag aufnehmen und unter dem Hashtag #rechtsreichts für sich mobilisieren.

Girod hofft als linker Kandidat gegen zwei bürgerliche Kandidaten, die Wählerstimmen von Jositsch auf sich zu vereinen. Ob diese Rechnung aufgeht, ist fraglich. Für Vogt werden aber mit Sicherheit nur die treuen SVP-Wähler stimmen, die gemässigten Rechten werden sich für Noser entscheiden, einige Linke, die den SVP-Sitz mit Sicherheit verhindern möchten, vielleicht ebenfalls. Sollten sich diese aber für Girod entscheiden, würde die Zürcher Ständeratsvertretung sehr links ausfallen. Mit Köppel im Boot hätte das ganz anders ausgesehen. 

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    Alle Leser-Kommentare
  • dracului 20.10.2015 20:26
    Highlight Highlight Wird wieder ein Stadt-Land-Ding: Die linke Stadt wählt eher Girod und das rechte Land wählt eher Noser. Der schwule Vogt dürfte es, trotz richtiger Parteigesinnung und guten Qualifikationen, nicht schaffen - so weit ist Zürich Land einfach noch nicht.
    • Gantii 21.10.2015 07:22
      Highlight Highlight das hat doch nichts mit seiner homosexualität zu tun - wtf?!
    • kEINKOmmEnTAR 21.10.2015 10:51
      Highlight Highlight Seine Homosexualität stand zu keiner Zeit während des Wahlkampfes zur Debatte oder in Diskussion.
      Ich selbst habe erst heute durch dich das erst erfahren.

      Ich glaube eher dass seine fehlende Bekanntheit und die Mitgliedschaft in der SVP ihm den Sitz gekostet hat.
  • kEINKOmmEnTAR 20.10.2015 13:57
    Highlight Highlight Ich denke ich werde, obwohl ich mich Mitte-Rechts sehe, Girod wählen um so eine Reaktion auf den Rechtsrutsch im Nationalrat zu zeigen.
  • dä dingsbums 20.10.2015 13:32
    Highlight Highlight Meine Voraussage:
    1. Noser, 2. Girod, 3. Vogt
    FDP und Mitte wählen Noser, Linke wählen Girod und SVP wält Vogt.
  • Mate 20.10.2015 12:06
    Highlight Highlight Falls alle linken Parteien und die CVP für Girod aussprechen könnte es möglich sein! Das wäre die richtige Reaktion auf den Rechtsrutsch #rechtsreichts
    • Hayek1902 20.10.2015 12:46
      Highlight Highlight träum weiter, noser ist den cvp wählern ganz sicher näher als der super-grüne.
    • Hans Wurscht 20.10.2015 13:54
      Highlight Highlight Glaube nicht dass CVP und GLP ihn empfehlen werden, aber wenn er Noser als Neoliberalen ohne Umweltbewusstsein darstellen kann, wird er viele CVP/GLP-Wähler auf seine Seite holen, dann könnte es reichen!

Das Köppel-Prinzip: Er kommt später, dafür geht er früher

SVP-Nationalrat Roger Köppel ist der Absenzenkönig im Nationalrat. Eine Auswertung anhand von Präsenzlisten und Abstimmungsdaten zeigt, wie der Zürcher zu diesem eher nicht schmeichelhaften Titel kam.

4341 Abstimmungen gab es in der zu Ende gehenden Legislatur, also den letzten vier Jahren, im Nationalrat. Absenzenkönig war der Zürcher SVP-Nationalrat Roger Köppel, Verleger der «Weltwoche»: Er verpasste 1006 Abstimmungen, also knapp einen Viertel aller Voten. Dies ergab eine Analyse, über die der «SonntagsBlick» berichtete.

Köppel sieht darin kein Problem, ganz im Gegenteil. Er fehle, wenn sich das Parlament nur mit sich selbst beschäftige, sagte er der Zeitung. Der Steuerzahler spare …

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