Schweizer Rettungskette beendet Einsatz in Venezuela – leider ohne Erfolg
Die Schweizer Rettungskräfte sind am Donnerstagnachmittag am Flughafen Zürich angekommen. In Venezuela mussten sie unter sehr harten Bedingungen arbeiten. Lebend konnten sie keine Verschütteten bergen.
«Wir haben Tag und Nacht gearbeitet», sagte Sebastian Eugster, Teamleiter Einsatz der Rettungskette, vor den Medien. Leider hätten sie den Angehörigen keine positiven Nachrichten überbringen können. Er habe aber nicht das Gefühl, dass sie versagt hätten. Dass sie keine lebenden Menschen bergen konnten, müsse man akzeptieren.
«Wir haben viele eingestürzte Gebäude gesehen, die 10, 12 Stöcke hoch waren. Da einen lebenden Menschen zu finden, ist sehr unwahrscheinlich», sagte Eugster. Dennoch hätten sie viel Dankbarkeit und Wertschätzung der Menschen in Venezuela erfahren. Den Angehörigen hätten sie zumindest Gewissheit geben können.
Die Arbeit sei sehr hart gewesen, bei heisser und feuchter Witterung. «Ich bin froh, dass wir alle gesund nach hause gekommen sind», sagte Eugster. Die Schweizer Retter waren letzten Freitag eines der ersten internationalen Teams, die in Venezuela angekommen waren. So hätten sie etwa am Aufbau eines Empfangszentrums mitwirken können.
An der Küstenschaft La Guaria hätten die 80 Fachleute mit acht Such- und Rettungshunden eine Woche lang rund um die Uhr nach Überlebenden gesucht.
«Fester Wille, zu helfen»
Der Flug aus Venezuela kam mit rund zwei Stunden Verspätung in Zürich an. Angehörige empfingen die 80 Retter im Hangar der Rega. Zuvor schon gab es bei der Ankunft grossen Applaus von der Feuerwehr. Zwei Löschfahrzeuge begrüssten das Flugzeug mit einem Wasserbogen.
Nun brauche sein Team Ruhe und Erholung, sagte Eugster. Die Arbeit sei körperlich und psychisch hart gewesen. Psychologen stünden zur Verfügung, wenn nötig.
Brigadier Niels Blatter lobte in einer kurzen Zeremonie die Professionalität und Einsatzbereitschaft der Rettungskette. «Sie haben den festen Willen gezeigt, zu helfen, auch unter sehr anspruchsvollen Bedingungen», sagte er.
Zehntausende werden vermisst
Das Sofortrettungsteam wird nun durch ein fünfköpfiges Hilfsteam der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza) ersetzt. Es wird am Donnerstagabend aufbrechen und die Behörden insbesondere bei der Trinkwasser- und der sanitären Grundversorgung unterstützen. Das Deza stellt 2,5 Millionen Franken zur Verfügung.
Die verheerenden Erdbeben innerhalb von nur 39 Sekunden und mit Magnituden von 7,2 und 7,5 in Venezuela forderten nach offiziellen Angaben rund 2300 Todesopfer. Zehntausende werden immer noch vermisst.
Venezuela hatte einen internationalen Hilferuf lanciert, woraufhin die Behörden in der Schweiz rasch die zur Verfügung stehenden Einsatzkräfte mobilisierte. (sda)
