Schweiz
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Hipster-Drink vor Zulassung: Bund beantragt die Legalisierung von Cascara

Cascara, ein koffeinhaltiges Getränk aus den Schalen und dem Fruchtfleisch von Kaffeekirschen, soll in der Schweiz zugelassen werden. Der Bund will damit ein In-Getränk legalisieren.



(sat) Mindestens so koffeinhaltig und viel einfacher herzustellen als Kaffee: Das ist Cascara. Wo Kaffeebäume wachsen, wird der wässrige Aufguss aus getrockneten Schalen und getrocknetem Fruchtfleisch der Kaffeekirschen seit Jahrhunderten getrunken. Und zwar heiss wie kalt. Nun boomt das In-Getränke zunehmend auch in der westlichen Welt. Weil Cascara jedoch nichts mehr mit den gerösteten Kaffeebohnen zu tun hat, erliess die EU 2016 de facto ein Import- und Handelsverbot für getrocknete Reste von Kaffeekirschen.

Anders die Schweiz. Im Bundesblatt vom Dienstag beantragt das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) die Zulassung von Cascara. Konkret sollen getrocknete Schalen und getrocknetes Fruchtfleisch von Coffea arabica als «neuartiges, traditionelles Lebensmittel» zugelassen werden. Verwendet werden dürfen für Cascara jedoch nur Kaffeekirschenreste, welche in Jemen, Äthiopien oder Brasilien nach traditioneller Weise 15 bis 25 Tage getrocknet wurden. Gegen die Allgemeinverfügung des BLV kann noch Einsprache erhoben werden.

Während die EU noch immer zögert, steht der Hipster-Drink in der Schweiz damit kurz vor der offiziellen Legalisierung. Zwar werden bereits verschiedene Getränke mit Cascara angeboten, etwa ein aromatisierter Eistee sowie verschiedene Mate-Aufgüsse oder Limonaden. Und einzelne Anbieter vertreiben sogar bereits getrocknete Kaffeekirschenreste. Doch eine richtige Cascara ? also ein direkter Aufguss aus getrockneten Schalen und getrocknetem Fruchtfleisch der Kaffeekirsche ? ist bislang auch in der Schweiz offiziell nicht erlaubt. Eigentlich.

Hoffnung auf etwa mehr Nachhaltigkeit

Ganz schweizerisch definiert der Bund im Zulassungsgesuch übrigens auch gleich, wie sich die Cascara hierzulande zusammenzusetzen hat: Höchstens 13 Prozent Wasseranteil dürfen die getrockneten Kaffeekirschenreste noch haben. Und das Material für den Aufguss muss wie folgt zusammengesetzt sein: 35?48 Prozent Kohlenhydrate, 30 Prozent lösliche Ballaststoffe, 3?11 Prozent Mineralstoffe und 5?11 Prozent Proteine. Und natürlich beinhaltet es viel Koffein: Zugelassen sind 200-750 Milligramm pro 100 Gramm getrockneter Kaffeekirschenreste.

Mit der Zulassung von Cascara, so ist in verschiedenen Blogs im Internet nachzulesen, verbinden Konsumenten in der westlichen Welt oft den Wunsch nach einem nachhaltigeren Kaffeeanbau. Zudem ist deren Produktion und Transport einfacher als jene der Kaffeebohnen. Bislang werden die meisten Schalen und das meiste Fruchtfleisch der Kaffeekirschen jedoch weggeworfen oder als Dünger auf den Plantagen verwendet. Kaffeebauern wiederum versprechen sich von der Verwertung dieser bisher kaum genutzten Überreste zusätzliche Einkünfte.

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    Alle Leser-Kommentare
  • Quacksalber 17.06.2020 09:19
    Highlight Highlight Schmeckt sicher ganz unterschiedlich, je nach dem welche Keime drin sind.
  • Mönchsgrasmücke 17.06.2020 09:15
    Highlight Highlight Ob es tatsächlich so nachhaltig ist, stelle ich in Frage. Der Transport ist klimatechnisch momentan mit Abstand der grösste Faktor beim Kaffee. So wie ich das verstehe braucht es im Vergleich mit Kaffee mehr Cascara zum herstellen eines Getränks. Es wird also für die gleiche Menge Getränk mehr Material z.B. von Brasilien her verschifft.
  • Kolo 16.06.2020 20:26
    Highlight Highlight Und wieviele Nullen muss man hinter das Komma setzen, um den Promillesatz für dafür verwertete Schalen und Fruchtfleisch vom weltweiten Kaffeeanbau für das neuartige, traditionelle Getränk zu erhalten? Leute die hier von Nachhaltigkeit und Abfall upcycling träumen sollen mal ein klein wenig nachdenken.... kein Starbucks mehr hilft da mehr. Ebenso wie Tasse statt Becher
  • Wenzel der Faule 16.06.2020 15:31
    Highlight Highlight Interessant, würde ich gerne probieren.
    Und schön, wenn man so "Abfall" verwerten kann.
    👍
  • I_am_Bruno 16.06.2020 15:00
    Highlight Highlight Ist eine gute Sache. So kann mehr von der Pflanze verwendet werden uns muss weniger weggeworfen werden.
    Natürlich hat Watson mit dem "Hipster"-Stempel den Projekten direkt einen Tiefschlag versetzt aber wie gesagt, ich finde es eine gute Sache, wenn's schmeckt.

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