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Bevor ein T-Shirt in den Laden kommt, durchläuft es meist mehrere Länder und Produktionsstufen. Um ein nachhaltiges Produkt handelt es sich dabei oftmals nicht.  Bild: AP/AP

«Wenn ein Kaffee mehr als ein T-Shirt kostet, ist das einfach irrsinnig»

Die Textilproduktion hinkt in Sachen Nachhaltigkeit der Lebensmittelbranche arg hinterher. Warum ist das so? Und ist nachhaltige Mode überhaupt bezahlbar? Das haben wir Textil-Experte Holger Neubauer gefragt. 



«Weltverbesserer gesucht ...» – mit diesen Worten wirbt die Schweizerische Textilfachschule (STF) für ihr neustes Weiterbildungsangebot über nachhaltige Textilproduktion. Während es faire und ökologisch produzierte Lebensmitttel schon längst aufs politische Parkett geschafft haben, harzt es bei der Textilproduktion. Weshalb, erklärte uns Holger Neubauer, Fachbereichsleiter Textiles an der STF. 

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bild: zvg

Schweizerische Textilfachschule

Ihren Ursprung hat die Schweizerische Textilfachschule (STF) in der Seidenweberei. 1881 wurde die Seidenwebschule in Zürich gegründet. Ein Weiterbildungsangebot der STF ist das Certificate of Advanced Studies (CAS) «Sustainability Management in Textiles». Das CAS wird dieses Jahr zum zweiten Mal durchgeführt und will verantwortungsvolle Produktion und eine faire Beschaffung von Textilien vorantreiben. Das Angebot ist einzigartig im deutschsprachigen Raum.

Herr Neubauer, nach Einsturz der Textilfabrik Rana Plaza in Bangladesch ging ein Aufschrei durch die Bevölkerung. Aber auch drei Jahre später kann man in den Läden T-Shirts für fünf Franken kaufen. 
Holger Neubauer: Wenn der Preis sichtbar ist, finden Dinge im Hirn statt, die rational nicht nachvollziehbar sind. Man kauft dann einfach das Schnäppchen. Wenn aber ein Kaffee mehr als ein T-Shirt kostet, ist das einfach irrsinnig. Kennt man die Prozessstufen, die ein solches Kleidungsstück durchläuft, merkt man ziemlich schnell, dass fünf Franken alles andere als gerechtfertigt sind. Hier muss aber auch der Konsument in die Verantwortung genommen werden. Wir sollten uns nicht nur Gedanken über fair produzierte Lebensmittel, sondern auch über unsere Kleider machen. Schliesslich tragen wir die täglich auf unserer Haut. 

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Holger Neubauer ist Fachbereichsleiter Textiles an der Schweizerischen Textilfachschule STF.   bild: zvg

Das ist einfacher gesagt als getan. Wenn ich beim Bio-Bauern einkaufen gehe, sehe ich, wo die Tomaten gewachsen sind. Gehe ich in einen grossen Laden Kleider kaufen, habe ich keine Ahnung. 
Das ist ein grosses Problem. Die Verarbeitungsprozesse in der Massenproduktion sind so weit weg und meist nicht nachvollziehbar. Hier sind auch die Unternehmen und vor allem deren Marketingabteilung gefragt. Sie müssen dem Konsumenten die nötigen Informationen zur Verfügung stellen – wenn sie diese denn haben. 

«Häufig werden Produkte eingesetzt, von denen man weder weiss, woher sie kommen, noch wie sie entstanden sind. »

Holger Neubauer

Hinkt die Textilproduktion in Sachen Nachhaltigkeit hinterher? 
Keineswegs. Nachhaltigkeit ist auch in der Textilbranche in aller Munde. Viele grosse, international agierende Firmen und Produzenten investieren viel, um nachhaltiger zu werden. In den gleichen Topf wie die Lebensmittelbranche kann man die Textilproduktion nicht werfen.

Warum nicht?
Die meisten Lebensmittel, die wir konsumieren, kommen aus der Schweiz, aus Deutschland oder aus Mitteleuropa. Reden wir über unsere Kleider, wird es global. Die Wertschöpfungskette ist eine ganz andere. Häufig werden im textilen Handel Produkte eingesetzt, von denen man weder weiss, woher sie kommen, noch wie sie entstanden sind. Das ist bei den Bekleidungstextilien, die in der Schweiz hergestellt werden nicht der Fall, da haben wir die Transparenz. 

«Gäbe es einen Zara, der nachhaltig und bezahlbar wäre, wäre das eine Win-Win-Situation. Dafür braucht es aber noch einige Zeit.»

Holger Neubauer

Ist hier auch die Politik gefordert?
Von der Politik wurde schon viel angestossen in den letzten Jahren. Informationsplattformen wie «labelinfo.ch» geben dem Konsumenten die Möglichkeit, sich genauer über die verschiedenen Labels zu informieren. Aber auch da verliert man als Konsument schnell den Überblick ob der schieren Anzahl an verschiedenen Labels. 

Welche Labels können Sie empfehlen?
«Oeko-Tex» gehört in der Textilindustrie unterdessen zum Standard. Dieses Label schaut auf die Einhaltung von Grenzwerten verschiedener giftiger Substanzen und je nach Labeltyp auch auf die Produktion selbst. Aber auch Labels wie «bluesign», «Fairtrade Max Havelaar» und «Coop Naturaline» haben einen guten Ruf, da gewisse Produktionsstufen für den Kunden gut nachvollziehbar sind. 

In der Schweiz produzierte Kleider kann man zwar heute schon kaufen. Oft aber zu einem sehr hohen Preis. Und häufig entsprechen diese Kleider dann nicht der Vorstellung des modeaffinen Publikums. 
Im Bereich Fast-Fashion braucht es sicher noch einige Zeit und Anstrengungen, bis sich nachhaltige Mode durchsetzen kann. Zwar arbeiten Marken wie Zara und H&M bereits mit Nachhaltigkeitslabeln zusammen, aber auch da wird man als Kunde nur teilweise über die einzelnen Produktionsschritte und -Bedingungen informiert. Gäbe es einen Zara, der nachhaltig und bezahlbar wäre, wäre das eine Win-Win-Situation. Dafür braucht es aber noch einige Zeit. 

People exit and stand by a fashion retailer Zara branch in an Istanbul upscale neighbourhood, Friday, Nov. 3, 2017.  Shoppers at Zara in Istanbul have found unusual tags on their garments: put there by Turkish workers complaining they have not been paid for the manufacturing the merchandise in the store. Workers of an outsource manufacturer have been leaving tags inside clothes saying:

«Gäbe es einen Zara, der nachhaltig und bezahlbar wäre, wäre das eine Win-Win-Situation. Dafür braucht es aber noch einige Zeit.» Bild: AP/AP

Ein weiteres Problem, das der Textilbranche anhaftet, ist der Mikroplastik. Viele Kleidungsstücke enthalten Polyester. Ein Kunststoff, der sich nicht abbaut und oftmals in den Weltmeeren landet. Was wird dagegen unternommen?
Hier sind Innovationen gefragt. Es wird bereits versucht, Kunststoffe, aus denen Textilien produziert werden, auf ein nachhaltigeres Niveau zu bringen. Grundlage dafür sollen Stoffe sein, die entweder direkt aus der Natur stammen oder biologisch abbaubar sind oder beides zusammen. Diese Bestrebungen finden aber primär in Mitteleuropa statt. Global gesehen steigt der Polyesterverbrauch immer weiter. Das hängt auch mit dem Wachstum der Bevölkerung zusammen. Auch hier braucht es noch Zeit, damit sich das Bewusstsein für Nachhaltigkeit auch global verankert und Alternativen gefunden sind. 

Diese Frau schneidert aus Stoffresten ganze Kollektionen

abspielen

Video: srf

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37Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • The Konrad 01.10.2018 16:37
    Highlight Highlight Ein Anfang wäre:
    https://www.ktipp.ch/artikel/d/wo-die-kleider-hergestellt-werden/
    Mit weiterführenden Links.
    Oder:
    https://fairshop.helvetas.ch/
  • Lami23 01.10.2018 11:24
    Highlight Highlight Also für alle, die es schwierig finden, Fairfashion zu finden: Zürich: Rrevolve, Lanius, Saus und Braus, Zämä, Servo Volante, Kari Kari, changemaker...
    Alles ursprünglich über Internetrecherche gefunden, war also nicht schwer.
    Für alle die finden, sie wohnen zu weite weg, Teil des Fairfashionkonzepts ist es sowieso, nicht zu viele Kleider zu besitzen und nicht zu oft neue zu kaufen. Also einmal alle paar Monate in nen grösseren Ort und kaufen, was benötigt wird.
  • Ludwig van 01.10.2018 10:38
    Highlight Highlight Ich boykottiere Kleidung, welche in Europa produziert wurde. Ich kaufe nur Kleider aus Billiglohnländern. Damit leiste ich einen kleinen Beitrag, um den Menschen dort zu helfen.
  • Eh Doch 01.10.2018 09:06
    Highlight Highlight Ab ins Brockenhaus. Jedes Jahr neue Kleider zu kaufen ist an und für sich schlecht.
  • Mathis 01.10.2018 06:29
    Highlight Highlight Wäre der Kaffee nicht fair-trade, wäre das Hemd nicht billiger als ein Kaffee.
  • kafifertig 30.09.2018 23:46
    Highlight Highlight Wenn ein Kaffee mehr kostet als ein T-Shirt, dann ist wohl der Kaffee viel zu teuer.
  • DerRaucher 30.09.2018 23:18
    Highlight Highlight Wieder mimimi auf ganz hohem Niveau. Wenn ich mir die Preise z.b bei H&M ansehe, ist da gar nichts mit 5 Franken für ein T-Shirt. Im gegenteil. T-Shirts fangen bei 15.- und Pullover bei 30.- an. Es sei denn man schaut bei den Sale Sachen. Was rege genutzt wird, für einkommensschwache Familien ist selbst ein H&M noch teuer wenn man den Normalpreis zahlt.
  • #Technium# 30.09.2018 21:57
    Highlight Highlight Wir machen jetzt einen auf gross empört, aber haben Smartphones, H&M Kleider, trinken Cola, essen Nestle... ja ihr alle unterstützt auf die eine oder andere Weise die globale Ausbeutung von Großkonzerne...
    • Eh Doch 01.10.2018 12:41
      Highlight Highlight *durch Grosskonzerne
      ;)
  • Jimtopf 30.09.2018 21:43
    Highlight Highlight Sagt mir bitte wie die Menschen in Bangladesch, Vietnam ect. überhaupt Geld bekommen wenn nur noch in der Schweiz gekauft werden. Geht für mich nicht auf, kenn mich da aber auch zu wenig aus wie das dann genau läuft.
    Aber erklärts mir mal bitte
    • Lami23 01.10.2018 11:16
      Highlight Highlight Du hast da etwas mit Angebot und Nachfrage nicht verstanden. Wir mehr fairtrade verlangt, wird mehr fairtrade produziert, auch in Bangladesch.
  • Madison Pierce 30.09.2018 21:40
    Highlight Highlight Der Preisunterschied ist nicht extrem hoch. Ein T-Shirt von Naturaplan kostet mehr als fünf Franken, aber nicht 100 oder so.

    Zudem ist meinem subjektiven Eindruck nach mehr Material dran, was es langlebiger macht.

    Traurig ist ja, dass Leute irrsinnige Preise zu bezahlen bereit sind, wenn ein fancy Markenlogo aufgedruckt ist, aber faire Produktion ist dann zu teuer.
  • PC Principal 30.09.2018 21:10
    Highlight Highlight Es gibt Leute, die aus diesem Grund zum Beispiel keine Kleider aus dem Vietnam kaufen. Wenn das alle tun, führt das nur dazu, dass die Menschen in Vietnam noch ärmer werden.
    • Lami23 01.10.2018 11:18
      Highlight Highlight Nein, wenn alle fairtrade kaufen, führt es dazu, dass in Vietnam irgendwann auch Fairtrade produziert wird.
    • PC Principal 01.10.2018 11:58
      Highlight Highlight Ich habe nichts von Fairtrade oder nicht Fairtrade gesagt. Ich habe gesagt, dass es für die Vietnamesen sehr schlecht ist, wenn man aus Prinzip keine Kleider aus dem Vietnam kauft. Wenn man hingegen Kleider aus diesen Billiglohnländern kauft, dann können sich diese Länder entwickeln und es steigen auch die Löhne. Das ist mit Chia passiert, es wird auch mit Afrika so sein.
  • Lienat 30.09.2018 20:03
    Highlight Highlight Ich wäre grundsätzlich gerne bereit, für fair (und am besten in der CH) produzierte Kleider etwas mehr zu bezahlen. Allerdings bin ich nicht bereit, einen unverschämten Aufpreis für irgend eine Marke hinzublättern, oder ewig viel Zeit mit der Suche nach fair produzierten Kleidern zu verplämpern. Dann wird die Sache eben schon schwieriger.
    • der nörgler 30.09.2018 20:09
      Highlight Highlight Ich trage nur Coop Naturaline T-Shirts. Nachverfolgbar bis zum Baumwollbauern. Und 29.90 ist ein anständiger Preis.
  • Hopsala 30.09.2018 19:59
    Highlight Highlight Diese billigen, nach der ersten Wäsche verzogenen Kleidungsstücke lasse ich seit jeher links liegen. Ich bin gerne bereit, für eine ordentliche Qualität mehr zu bezahlen. Ob sie dann auch nachhaltig sind, bin ich mir nicht sicher. Mein Wille ist zumindest da, nachhaltig einzukaufen, es scheitert aber wohl an dem Angebot.
    • Lami23 01.10.2018 11:18
      Highlight Highlight Das Angebot ist gut, man muss sich informieren.
  • forevernewbie 30.09.2018 19:51
    Highlight Highlight und ich dachte es geht darum das die kaffeepreise in der schweiz exorbitant teuer sind 😂
    ich trinke zumindest nur zuhause kaffew, da micht das geld reut...bei 2 kaffees pro täg wären das im jahr mit 4.- pro kaffee was um die 3000 franken. krass, nicht?
    aber ja, auch die t-shirts sind zu billig 😅
    wie teuer wäre denn ein nachhaltig entstandenes shirt? konnte ich nicht erschliessen aus dem text...
    • Hopsala 30.09.2018 22:12
      Highlight Highlight Da habe ich Glück ... ich mag keinen Kaffee 🙈
      Fahre dafür eine Duc, wo das gesparte Geld in Benzin umgemünzt wird 😅
    • Halb Wissen 30.09.2018 23:11
      Highlight Highlight I bezahle für meine Bio und Fair-Traide T-shirt zwischen 15 und 50 Franken. Das Angebot für Bio und Fair-Traide Kleider ist sehr klein und fast nur im Internet möglich.
    • Lami23 01.10.2018 11:19
      Highlight Highlight Stimmt nicht. Ich kaufe selten im Internet Kleider, aber meist Fairfashion.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Skater88 30.09.2018 19:12
    Highlight Highlight Tja, i hans au scho riskiert mit Fair Fashion, d Chunde zahled halt lieber 9,90 CHF als en gerechtfertigte priis.
    • You will not be able to use your remote control. 30.09.2018 19:55
      Highlight Highlight Ist es nicht mehr so, dass ein T-Shirt einer Skatemarke um die 40 Franken kostet?
    • Skater88 01.10.2018 00:22
      Highlight Highlight Nun ja, aber die meisten davon sind wenigstens 100% Baumwolle und anständig Produziert, dann stimmt der Preis. Aber ich weiss worauf du hinaus möchtest...
  • w'ever 30.09.2018 19:03
    Highlight Highlight es ist halt immer chli das gleiche, alle (die meisten) schreien nach nachhaltigkeit und bio und fair, aber wenn es darum geht den preis zu zahlen, machen die wenigsten mit
    • sowhat 30.09.2018 20:54
      Highlight Highlight Es geht nicht nur um den Preis, es geht ebenso darum, dass die Teile nach was aussehn und einfach zu finden sind. Und ja natürlich kann dann nicht ein Mehrfaches dafür bezahlt werden.
      Es ist tatsächlich ein Unterschied ob ich für Biozucchetti dreimal mehr bezahle oder für eine Hose und ein Tischirt. Da macht die Differenz schnell mal 200 Fr. aus.... und du weisst immer noch nicht sicher, ob es tatsächlich nachhaltig entstanden ist, oder ob sich der Brand einfach ein grösseres Stück abholt.
  • Pius C. Bünzli 30.09.2018 18:55
    Highlight Highlight Was garantiert mir, dass ein T-shirt für 40 Franken unter fairen Bedingungen gefertigt ist?
    • Hopsala 30.09.2018 22:09
      Highlight Highlight Das ist DIE Frage ... habe leider auch keine Antwort darauf ...
  • Eli Babatane 30.09.2018 18:17
    Highlight Highlight Nachhaltigkeit und Fast Fashion ist ein Widerspruch in sich.
  • Olmabrotwurst 30.09.2018 18:06
    Highlight Highlight Hanf 💚💚💚
    • dmark 30.09.2018 22:24
      Highlight Highlight Als Beispiel Hanf-Jeans - die sind quasi unkaputtbar.
    • Mathis 01.10.2018 06:27
      Highlight Highlight Leinen ❤️❤️❤️
    • ujay 01.10.2018 11:39
      Highlight Highlight Viskose👍👍👍

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