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SNB macht 2024 Rekordgewinn: Wieso und wer profitiert

SNB 2024 mit Rekordgewinn – woher dieser kommt und wer jetzt profitiert

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat 2024 einen Gewinn von 80 Milliarden eingefahren. Woher dieser stammt und wer davon profitiert.
09.01.2025, 11:0409.01.2025, 12:54
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Was hat die SNB heute bekanntgegeben?

Die SNB weist nach provisorischen Berechnungen für das Gesamtjahr 2024 einen Gewinn von rund 80 Milliarden Franken aus. Das ist ein Rekord.

Nach neun Monaten hatte die SNB ein Plus von 62,5 Milliarden verbucht, womit im vierten Quartal nochmals rund 17,5 Milliarden Franken dazu kamen.

Der ausführliche Bericht zum Jahresabschluss mit den definitiven Zahlen wird am 3. März veröffentlicht.

Die SNB in Bern (Archivbild).
Hier wird gefeiert: das Gebäude der Schweizerischen Nationalbank in Bern.Bild: sda

Wie ist das einzuschätzen?

Der Gewinn für 2024 ist ein Rekordgewinn. Das bisher beste Ergebnis stammte aus dem Jahr 2017 mit 54,4 Milliarden. Auch auf Jahressicht schwanken die Ergebnisse der SNB stark. 2022 beispielsweise erlitt die Nationalbank wegen der schwachen Entwicklung an den Aktien- und Anleihenmärkten einen Rekordverlust von 132,5 Milliarden Franken, sodass es zu keinen Ausschüttungen an Bund und Kantone kam. Auch 2023 konnten nach einem Verlust keine Gewinne ausgeschüttet werden.

Konkret sah das in den letzten Jahren so aus:

  • 2024: Gewinn von 80 Milliarden Franken (provisorisch)
  • 2023: Verlust von 3,2 Milliarden Franken
  • 2022: Verlust von 132,5 Milliarden Franken
  • 2021: Gewinn von 26,3 Milliarden Franken

Woher stammt der Gewinn?

Gewinne und Verluste der Nationalbank sind meist eine Folge der internationalen Finanzlage und damit der Finanzmärkte. Hier fallen insbesondere die Devisen (also die Stärke oder Schwäche des Euro, des Dollars etc.), der Schweizer Franken, der Goldwert, aber auch diverse Wertschriften ins Gewicht, welche die SNB in ihrer Bilanz als Aktiven und Passiven aufführt.

Insgesamt liegt so die Bilanzsumme der SNB bei etwa 800 Milliarden Franken (per Ende 2023).

2024 gab es laut Mitteilung vom Donnerstag bei den Fremdwährungspositionen – also dem Bestand von ausländischem Geld – einen Gewinn von rund 67 Milliarden, auf dem Goldbestand einen Bewertungsgewinn von 21,2 Milliarden und auf den Frankenpositionen einen Verlust von 7,4 Milliarden Franken.

Wie kam es zu diesen Gewinnen?

Das Ergebnis zeigt einerseits, dass sich der Schweizer Franken im Vergleich zu anderen Währungen im vergangenen Jahr wieder etwas abgewertet hat. Insbesondere der US-Dollar hat dabei zugelegt.

Andererseits erreichte Gold im vergangenen Jahr immer wieder Rekordwerte. Und nicht zuletzt war 2024 auch ein gutes Aktienjahr, angetrieben von den gesunkenen Zinsen. So gewann der globale Markt um schätzungsweise 15 Prozent innerhalb eines Jahres.

Wer profitiert jetzt?

In erster Linie Bund und Kantone, aber auch Private oder Institutionen, die Aktien der Nationalbank halten.

Zunächst «profitiert» die SNB allerdings selbst: Ein grosser Teil des Gewinns fliesst in ihr Eigenkapital. Ausserdem füllt sie ihre sogenannten Ausschüttungsreserven auf. Diese nehmen eine Art Pufferfunktion ein und dienen der Glättung der Gewinnausschüttungen an Bund und Kantone. Sie kann positiv oder negativ sein.

Ende 2023 war die Ausschüttungsreserve der SNB aufgrund der Verluste mit 53 Milliarden Franken tief im Minus. Dieses Loch wird die Nationalbank heuer stopfen können. Unter dem Strich bleibt damit gemäss Mitteilung ein Gewinn von 16 Milliarden Franken übrig.

Nachdem die SNB zwei Jahre in Folge keinen Gewinn ausgeschüttet hatte, gibt es in diesem Jahr daher wieder eine Gewinnausschüttung an Bund und Kantone, und zwar von insgesamt 3 Milliarden Franken. Die Ausschüttung geht jeweils zu einem Drittel an den Bund und zu zwei Dritteln an die Kantone.

Das sind heiss ersehnte Nachrichten: Im Lichte der aufgeheizten Spardebatte sind zusätzliche Millionen für Bund und Kantone mehr als willkommen.

So wird der Gewinn ausgeschüttet
Die derzeitige Gewinnausschüttung erfolgt gemäss einer Vereinbarung zwischen dem Finanzdepartement und der Nationalbank vom Januar 2021. Der auszuschüttende Betrag geht dabei zu einem Drittel an den Bund und zu zwei Dritteln an die Kantone. Letztmals hatte es 2022 bzw. für das Jahr 2021 eine Ausschüttung gegeben.
Damals konnten sich die Säckelmeister von Bund und Kantonen über Zahlungen von 6 Milliarden Franken freuen. Gemäss der oben erwähnten Vereinbarung besteht die Gewinnausschüttung aus einem Grundbetrag von 2 Milliarden Franken, der ausgeschüttet wird, sofern ein Bilanzgewinn von mindestens 2 Milliarden Franken vorhanden ist. Hinzu kommen vier mögliche Zusatzausschüttungen von je 1 Milliarde Franken, die vorgenommen werden, wenn der Bilanzgewinn 10, 20, 30 oder 40 Milliarden Franken erreicht. (sda)

Der Gewinn von 80 Milliarden Franken ermöglicht den Aktionärinnen und Aktionären laut Nationalbank zudem eine Dividendenzahlung von 15 Franken pro Aktie. Das entspricht dem festgesetzten Maximalbetrag, den die SNB zahlen darf.

Die Aktien der SNB
Aktien der SNB sind an der Börse kotiert. Das Aktienkapital der Nationalbank beträgt 25 Millionen Franken und ist zu rund 55 Prozent im Besitz der öffentlichen Hand (Kantone, Kantonalbanken usw.). Die übrigen Aktien befinden sich grösstenteils im Besitz von Privatpersonen. Der Bund besitzt keine Aktien. (snb.ch)

Wie sind die Reaktionen?

Die Konferenz der kantonalen Finanzdirektorinnen und Finanzdirektoren (FDK) hat sich erfreut gezeigt über das positive Jahresergebnis 2024 der Nationalbank. Das habe wegen des hohen Bilanzverlustes noch vor einem Jahr nicht erwartet werden können.

Trotz sehr guter Quartalsergebnisse sei es unsicher gewesen, ob eine Gewinnausschüttung möglich sein werde, hiess es in einer Mitteilung der FDK vom Donnerstag.

Es liege in der Kompetenz und Verantwortung jedes einzelnen Kantons, die Lage im Hinblick auf seine Budgetierung zu berücksichtigen. Bei der Budgetierung möglicher Ausschüttungen seien die Kantone aber generell vorsichtig gewesen.

Mit Material der SDA

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32 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Lukioman
09.01.2025 10:16registriert Mai 2023
[...] "gibt es in diesem Jahr daher wieder eine Gewinnausschüttung an Bund und Kantone, und zwar von insgesamt 3 Milliarden Euro."

Wäre überrascht wenn die SNB kantonale Ausschüttungen in EUR macht :-)
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Gugus123
09.01.2025 10:50registriert Oktober 2023
Hört endlich auf mit diesen Ausschüttungen!

Das Geld gehört investiert in einen Staatsfonds und die Erträge daraus können ausgeshüttet werden an Bund und Kanton.

Mit dem aktuellen System haben wir nur in den letzten 10 Jahren ca. 28 Milliarden "verschleudert".
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