Schweiz
Wirtschaft

7 Tipps für die Wohnungssuche in Zürich

Eine Pflanze steht auf einem Sims mit Blick in Richtung Westen, aufgenommen aus dem Hochhaus Werd am Dienstag, 27. September 2016 in Zuerich. Der Stadtrat budgetiert fuer 2017 ein Defizit von 47,4 Mil ...
Schwierig zu finden: eine Wohnung mit Aussicht in Zürich.Bild: KEYSTONE

«Wie eine Job-Bewerbung» – 7 Profi-Tipps, um eine Wohnung in Zürich zu finden

Wohnungen in Zürich sind knapp. Bezahlbare noch knapper. Wie man dennoch eine passende Wohnung findet, vielleicht sogar eine günstige Genossenschaftswohnung, hat watson bei Experten aus der Zürcher Immobilienszene nachgefragt.
29.01.2023, 06:0829.01.2023, 06:59
Folge mir
Mehr «Schweiz»

Eine Wohnung in Zürich zu finden, ist kein Sprint, sondern ein Marathonlauf. Erholungsphasen gibt es nur während des Schlangestehens bei Besichtigungen.

Wie schwierig es ist, in Zürich eine Wohnung zu finden, zeigt auch die Statistik. Laut der Stadtverwaltung ist die Wohnbevölkerung im Jahr 2022 um fast 6000 Personen gewachsen. Zwischen 2021 und 2022 wurden jedoch nur 800 neue Wohnungen gebaut, während es in den Vorjahren rund 2000 waren. (Apropos 2000: Seit diesem Datum sind die Wohnungsmieten bis heute um ungefähr 40 Prozent angestiegen, wie die Stadt ausweist.)

Wer Anfang Juni ein neues Zuhause in der Stadt suchte, dem standen nur 161 Wohnungen zur Auswahl, wie aus der letzten Leerwohnungszählung herausgeht. Verglichen mit 2021 sei es gar weniger als die Hälfte. «Besonders stark war der Rückgang der Leerstände bei kleineren Wohnungen», schreibt die Stadt. Betroffen sind also vor allem Personen mit einem kleineren Budget für die monatliche Miete.

Tausende von ihnen werden auch dieses Jahr nach einer Wohnung in Zürich suchen. Aus diesem Grund hat watson bei Immobilienexperten nachgefragt, welche Profi-Tipps sie für die Wohnungssuche mitgeben können.

Wo es welche Wohnungen hat

Wer nach einer günstigen Wohnung sucht, muss wissen, wo in Zürich es bezahlbare Angebote hat. «Je weiter weg vom Zentrum, umso besser sind die Chancen, eine Wohnung zu finden», sagt Walter Angst vom Schweizer Mieterinnen- und Mieterverband.

Günstigere Preise habe es vor allem in den Quartieren Leimbach, Schwamendingen, Affoltern und Seebach. Laut der Stadt Zürich sind bezahlbare Wohnungen zudem in den Quartieren Hard und Friesenberg zu finden.

Am teuersten wiederum sind die Stadt Zürcher Kreise 1 und 8. Konkret die Quartiere Lindenhof, Rathaus und Hochschulen, Seefeld und Mühlebach, Fluntern und Hottingen sowie Enge und Escher Wyss.

SP will «Mietexplosion stoppen»
Dagegen wollen nun die Sozialdemokraten mit einer kantonalen Initiative vorgehen – «Mietexplosion stoppen», lautet ihre Ansage. Die SP ist derzeit auf Unterschriftensammlung für die Einführung des sogenannten «Vorkaufsrechts». Dadurch würden Gemeinden bei Verkäufen von Grundstücken und Bauland vorab informiert werden – um diese bei Interesse selbst zu erwerben. Laut der SP können Gemeinden durch ein Vorkaufsrecht mehr bezahlbare Wohnungen schaffen. «Bei vielen Transaktionen von Liegenschaften haben Städte und Gemeinden heute nicht einmal eine theoretische Chance zum Mitbieten, da kein offenes Bieterverfahren stattfindet. Mit einer kantonalen Volksinitiative wollen wir deshalb die gesetzlichen Grundlagen für die Einführung kommunaler Vorkaufsrechte schaffen», sagt SP-Sekretärin Hélène Fischer zu watson. Um die Initiative zustande kommen zu lassen, benötigt es 6000 Unterschriften. Laut Fischer befindet man sich auf einem guten Weg. «Wir gehen auf den Schlussspurt zu. Das Ziel ist, die Unterschriften Anfang März einzureichen», sagt sie.

Wie die Wohnungssuche am besten läuft

Entscheidend ist, wie man eine Wohnung sucht. Der Mieterverband empfiehlt, Such-Abos einzurichten – beispielsweise bei «Homegate». «Es gibt auch kleinere Portale, die jedoch oft kurzlebig sind», sagt Angst. Am besten würde man das persönliche Beziehungsnetz angehen.

«Oder man nimmt direkt mit den Verwaltungen Kontakt auf, die dort tätig sind, wo man wohnen möchte. Es lohnt sich auch, unkonventionelle Wege zu gehen», sagt er. Das Einzige, wovon der Mieterverband abrate, sei, Provisionen für eine Vermittlung zu bezahlen. Empfehlen tut der Experte die Plattform «Homegate». «Die Finger sollte man von Portalen wie ‹Flatfox› lassen, die Preistreiberei als Konzept haben», sagt er.

Mattresses and moving boxes in a flat whose tenants just moved in, pictured on January 31, 2009 in Zurich, Switzerland. (KEYSTONE/Urs Jaudas) 

Matratzen und Umzugskartons in einer neu bezogenen Wohnu ...
Der Traum jedes Wohnungssuchenden: der Einzug.symbolBild: KEYSTONE

Anders sieht das Christoph Steiner, Präsident der Zürcher Sektion des schweizerischen Verbands der Immobilienwirtschaft (SVIT). Steiner ist selbst Geschäftsführer einer Immobilienverwaltung. Er empfiehlt für die Wohnungssuche die Portale «Homegate», «Immoscout24», «Newhome» sowie «Flatfox».

Wohnungen in Zürich gibt es zudem auf der Vergleichsseite «Comparis», dem Online-Portal «Ronorp» sowie dem kostenpflichtigen Newsletter-Service von «Immomailing».

Vorsichtig sein sollte man bei offensichtlichen Fake-Inseraten, wie eine Comparis-Sprecherin auf Anfrage von watson schreibt. Diese erkenne man daran, dass der Preis viel zu günstig sei oder dass für eine Wohnungsbesichtigung ein gewisser Betrag bezahlt werden soll.

Der Erstkontakt

Gefalle einem ein Wohnungsinserat, solle man sich sofort für eine Besichtigung melden, meint Steiner vom SVIT Zürich. Ausser: «Wenn bei einer Erstvermietung im Text explizit steht, dass wegen des Baufortschritts keine Besichtigungen möglich sind, dann sollte man nicht danach fragen», rät er.

Grundsätzlich sei es bereits beim allerersten Kontakt gut, sich kurz vorzustellen – in wenigen Sätzen. «Anzahl Personen, Kinder, Haustiere, Alter, Job und Grund des Wohnungswechsels interessieren die Verwaltungen», sagt Steiner.

Eine «offene, direkte und ehrliche Art» empfiehlt auch der Mieterverband, um einen guten Eindruck zu hinterlassen. Und: Es lohne sich, nach ein paar Tagen bei der Verwaltung freundlich nachzufragen.

Tipps für die Besichtigung

Wenn man zu einer Wohnungsbesichtigung eingeladen wurde, empfiehlt sich eine gewisse Vorbereitung. Ein selbstsicheres, gepflegtes und höfliches Auftreten komme immer gut an. Am besten bleibe man authentisch und verstelle sich nicht, rät Steiner, der selbst schon unzählige Besichtigungen durchgeführt hat.

«Wenn es sich um eine individuelle Besichtigung handelt, sollte man die Karten auf den Tisch legen und – wie bei einem Jobbewerbungsgespräch – um die Wohnung ‹kämpfen› und sich von der besten Seite zeigen», sagt er. Vermeiden sollte man es, Dinge an der Wohnung anzusprechen, die einem nicht gefallen – solange die Funktionalität nicht eingeschränkt sei. «Über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten», sagt Steiner.

Gigantische Schlange von Wohnungssuchenden bei der Besichtigung einer Musterwohnung der Wohnungssiedlung Kronenwiese im Zuercher Quartier Unterstrass am Freitag, 3. Juni 2016. Auf der Kronenwiese erst ...
In Zürich hat es viele Interessierte am Besichtigungstermin – wie hier im Quartier Unterstrass im Juni 2016.Bild: KEYSTONE

Wie es mit der Bewerbung klappt

Wer nach der Besichtigung die Wohnung immer noch wolle, müsse sich sputen. «Schnell zu sein, kann entscheidend sein», sagt Steiner. Genau so viel Wert würden Verwaltungen aber auf die Vollständigkeit des Bewerbungsdossiers legen.

Nur den verteilten Fragebogen auszufüllen, reiche oft nicht. «Hinter einem Mietverhältnis stehen immer Personen. Deshalb ist ein persönliches Motivationsschreiben sehr hilfreich für die Auswahl des neuen Mieters», erklärt Steiner. Dabei solle man aufzeigen, warum man «der perfekte Mieter» sei. «Neben einem aktuellen Betreibungsregisterauszug gehört auch ein cooles Foto und ein kurzer Lebenslauf dazu», sagt Steiner. Wichtig sei nicht zuletzt die Angabe von Referenzen wie des Vorvermieters sowie des Arbeitgebers.

Ergänzend teilt der Mieterverband mit, dass man keine Angst haben solle, vermeintliche Makel zu nennen. Ein Beispiel dafür sei, Musik zu machen: «Es gibt auch Parteien, welche ihre Wohnungen bewusst an Menschen vermieten, die ein Instrument spielen.»

No-Gos auf der Wohnungssuche

Es sind oft Kleinigkeiten, die negativ auffallen und den Grund dafür liefern, eine Wohnung nicht zu erhalten. Ein No-Go beispielsweise sei, nicht das ganze Inserat zu lesen und dann etwa nach einer Besichtigung zu fragen, obwohl dort steht, dass es keine gibt.

Ein klares No-Go sei zudem, wenn jemand falsche Angaben auf dem Anmeldeformular mache, sagt Steiner. Oder: Wer zu spät an eine Besichtigung komme, habe meistens bereits verloren. «Pünktlichkeit wird vorausgesetzt», erklärt er.

Als nicht ganz so schlimm beurteilt der Immobilienexperte es, wenn man eine Betreibung hat. Diese solle man jedoch ansprechen und kurz begründen. «Es kann jedem einmal passieren», sagt Steiner. Für den Mieterverband gibt es indes nur ein No-Go: Ein Angebot zu machen, mehr Miete zu bezahlen, sollte man unterlassen.

Wie bekomme ich eine Genossenschaftswohnung?

Beliebt, jedoch seltener vorhanden, sind in Zürich Genossenschaftswohnungen. Diese sind im Schnitt 15 bis 20 Prozent günstiger als normale Mietwohnungen, in Städten wie Zürich sogar 40 bis 50 Prozent. Die Mehrheit der Genossenschaften sind sogenannte Mitgliedergenossenschaften, bei denen mal ein Anteil kauft, ein Kapital einbringt, um Mitglied zu werden.

«Die Beiträge sind oft nicht höher als ein Mietzinsdepot. Je nach Projekt können es auch einmal mehrere Zehntausend Franken sein, gerade bei jungen, neu gegründeten Genossenschaften, die viel Eigenkapital brauchen», teilt der Dachverband der Wohnbaugenossenschaften auf Anfrage von watson mit.

Vielerorts könne man zudem in Raten zahlen oder man erlaube für die Kapitaldeckung einen Pensionskassen-Vorbezug. Bei manchen Wohnbaugenossenschaften kann man sich auf eine Warteliste eintragen lassen. Die Listen sind aber in der Regel sehr lange und viele führen gar keine mehr.

Manche Wohnbaugenossenschaften publizieren Wohnungsangebote auf der Website und informieren dort über geplante Neubauprojekte, teilt der Dachverband mit. Er empfiehlt, zuerst bei den Genossenschaften anzurufen, wie ihr Bewerbungsverfahren ablaufe. «Um in eine Genossenschaft aufgenommen zu werden, ist es ratsam, Interesse am genossenschaftlichen Leben mitzuteilen.»

Weitere Tipps und Adressen von Genossenschaften sind unter diesem Link zu finden.

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Diese 14 Bilder zeigen, wie es ist, zu Hause auszuziehen
1 / 12
Diese 14 Bilder zeigen, wie es ist, zu Hause auszuziehen
bild: imgur

Auf Facebook teilenAuf X teilen
Nico zeigt sein Puff – und wird fortan gecancelt
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
112 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Yankee25
29.01.2023 08:21registriert September 2018
Vermieter sollte man sein in ZH… Die Bewerber beugen sich einem vor wie Untertanen. Sogar Profis die Tipps geben… Einfach Noooo… Gibt ja aber leider genug Leute, die da mitspielen…

Meine to do Liste is riesig, aber thanks god steht da nicht drauf, dass ich in dieser Stadt eine Wohnung haben will.
16919
Melden
Zum Kommentar
avatar
RandomNicknameGenerator
29.01.2023 07:59registriert Oktober 2018
Um einfach eine Wohnung in Zürich zu finden, muss man 3 Punkte erfüllen:
- schnell sein
- alle Dokumente beilegen
- viel Geld verdienen

Damit der letzte Punkt endlich wieder von der List verschwindet, brauch es bezahlbaren Wohnraum (und nich subventionierte Parkplätze, liebe SVP...)
15935
Melden
Zum Kommentar
avatar
Roro Hobbyrocker
29.01.2023 06:42registriert August 2016
Wohne in der Nähe vom Bahnhof Olten und in 30 min bist du in Zürich.
10234
Melden
Zum Kommentar
112
Ständerat fordert Anpassung des Schutzstatus S

Für den Ständerat muss die Schweiz den Schutzstatus S anpassen. So soll nicht mehr davon profitieren können, wer für eine bestimmte Aufenthaltsdauer, beispielsweise für zwei Wochen, das Land verlässt.

Zur Story