Die UBS hat ihren Aktionärinnen und Aktionären auch im zweiten Quartal eine freudige Überraschung bereitet. Die Bank erzielte im Dreimonatsabschnitt einen Gewinn von 1,1 Milliarden Dollar, nachdem die Analysten vor zwei bis drei Wochen im Durchschnitt noch lediglich mit der Hälfte gerechnet hatten. Die Aktien legten um mehr als 5 Prozent auf über 26 Franken zu.
Die Überraschung kommt selbstredend aus einer Ecke, in der Ertragsprognosen besonders schwierig zu machen sind. So hat die Investment Bank im Berichtsquartal mit 2,8 Milliarden Dollar rund 400 Millionen Dollar mehr eingenommen, als dies die Marktteilnehmer vorausgesehen hatten. Etwa im gleichen Umfang blieben auch die Erträge aus dem Abverkauf der bei der UBS nicht mehr erwünschten Credit-Suisse-Geschäfte und -Aktiva. Das Abwrackportfolio, das den Namen «Non-Core and Legacy» trägt und von der Spanierin Beatriz Martin mit beachtlichem Erfolg geleitet wird, löste zwischen Ende März und Ende Juni 401 Millionen Dollar.
Demgegenüber bildeten sich die Einnahmen in der UBS-Flaggschiffdivision Globale Vermögensverwaltung aber auch im Schweizer Privat- und Firmenkundengeschäft und im Asset Management, dem Geschäft mit Anlagefonds, leicht zurück, sodass der Konzern im Quartal mit 11,9 Milliarden Dollar 6,3 Prozent weniger Einnahmen generierte als im Quartal davor.
Sequenzielle Leistungsvergleiche dieser Art sind allerdings mit einer gewissen Vorsicht zu geniessen, zumal es im Bankgeschäft saisonale Muster gibt, die just im ersten Quartal 2024 einen besonders günstigen Einfluss auf die Leistung der UBS hatten. Direkte Vorjahresvergleiche, sind bei der UBS aber wegen der CS-Übernahme erst ab dem kommenden Quartal möglich. Der Konzern konsolidiert die Credit Suisse erst seit dem 12. Juni 2023, sodass bei einem Vorjahresvergleich der aktuellen Quartalszahlen 11 von 13 Wochen durch die Maschen fallen.
Klar ist aber, dass der Rückenwind der Märkte, den die UBS im ersten Quartal genossen hatte, im Berichtsabschnitt schwächer geworden ist. Dennoch blieben die Geschäftsbedingungen bis Ende Juni einigermassen gut, obschon Konzernchef Sergio Ermotti auf einer Telefonkonferenz mit Journalisten eine andere Meinung vertrat. Der CEO sagte, die UBS verdanke ihr gutes Abschneiden im Berichtsabschnitt vor allem der eigenen Leistung. Die Bank gewinne Marktanteile und setze seit der Credit-Suisse-Übernahme laufend viel Eigenkapital und Kapazitäten frei, die entweder für die Entwicklung lukrativerer Geschäfte genutzt werden könnten oder Kosten einsparten.
Tatsächlich hat die UBS seit Ende Juni 2023 ihren Personalbestand um rund 10'000 Vollzeitangestellte auf noch knapp 110'000 reduziert. Und der Rückbau wird weitergehen, wenn die CS-Kunden ab Herbst zuerst in verschiedenen ausländischen Märkten und ab 2025 auch in der Schweiz auf die UBS-Plattform verschoben werden. Allein in der Schweiz sind davon etwa 1 Million Kunden betroffen, sagte Ermotti. Die Bank rechnet weiterhin mit bis zu 3000 Entlassungen im Heimmarkt bis zum Endpunkt der CS-Integration 2026.
Im Ausland dürfe sich der Personalrückbau nun verlangsamen, zumal schon viele ehemalige CS-Investment-Banker von Bord gegangen sind. Vom erklärten Kostensparziel von 7 Milliarden Dollar im laufenden Jahr hat die UBS per Ende Juni bereits 6 Milliarden Dollar erreicht. Und es sieht ganz danach aus, als könnten bis Ende 2026 sogar mehr als die prognostizierten 13 Milliarden Dollar Kosteneinsparungen pro Jahr resultieren. Das erklärte Ziel der UBS besteht darin, so rasch als möglich das Profitabilitätsniveau zurückzuerlangen, das die Bank vor der CS-Übernahme ausgezeichnet hatte.
Ein Weg zur Steigerung der Rendite auf dem investierten oder regulatorisch vorgeschriebenem Eigenkapital ist der Rückbau von Geschäften mit unterdurchschnittlichem Risiko-Ertrags-Profil, wie ihn die erwähnte Managerin Beatriz Martin konsequent mit relativ hohem Tempo geht. Eine andere Möglichkeit ist es, im Verhältnis zum bestehenden Eigenkapital mehr Geschäft zu tätigen.
Da ist bei der UBS aber noch vieles offen. Erst Ende Jahr oder Anfang 2025 werde man wissen, wie sich die Schweizer Behörden die Eigenkapitalaufstockung der UBS konkret vorstellen, sagte Ermotti. Im Frühjahr war von einem zusätzlichen Eigenkapitalbedarf von bis zu 15 Milliarden Dollar die Rede, der die Schweizer Steuerzahlerinnen und Steuerzahler vor einer nächsten Bankenkrise schützen sollte. Ermotti sagte zwar, er gehe nicht davon aus, dass die Dividenden- und Aktienrückkaufpläne seiner Bank durch eine verschärfte Schweizer Eigenkapitalregulierung kompromittiert würden, aber er könne auch nicht mehr als nur spekulieren.
Ein interessantes Element im vorliegenden UBS-Quartalsbericht sind die Informationen zum Schweizer Firmenkundengeschäft, in dem die UBS in einer kleinen Zahl von Risikopositionen die Verlustrückstellungen um 53 Millionen Dollar erhöht hat. In der Schweizer Unternehmenslandschaft befürchten viele, dass eine risikoaverse UBS eine erhebliche Verteuerung oder Verknappung des Angebots für Schweizer Firmenkredite bewirken könnte. Ermotti sagte, Preisanpassungen seien nötig, zumal die früher von der Credit Suisse verlangten Kreditzinsen «in vielen Fällen nicht mal in die Nähe der Kapitalkosten der Bank kämen».
Ermotti sagte, es sei nicht die Aufgabe der UBS, bestimmte Geschäfte in der Schweiz mit nicht nachhaltigen Kreditzinsen zu «subventionieren». Auch Informationen im vorliegenden Quartalsbericht deuten darauf hin, dass die UBS ihre Risikozuschläge auf Schweizer Firmenkredite im Mittel deutlich erhöht hat. (bzbasel.ch)
Auch wenn Ermotti etwas anderes behauptet, die CS hat sicher auch an Firmenkrediten in der Schweiz verdient.
Aber die UBS hat sich ja zum Quasi-Monopolisten gemacht, da können die Zinsen und Margen gefahrlos höher geschraubt werden.