Schweiz
Zürich

Birmensdorfer Schule setzt umstrittenen Tracking-Versuch aus

Schule in Zürich wollte Kinder-Tracking – jetzt bricht sie den Versuch ab

05.06.2024, 16:0405.06.2024, 16:39
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Die Primarschule Birmensdorf ZH wird ihren geplanten Versuch mit Tracking-Armbändern für Schülerinnen und Schüler nicht starten: Sie will ihr Pilotprojekt «optimal Betreut» noch einmal kritisch prüfen.

An einem Elternabend am Dienstag sei das Projekt zwar auf reges Interesse gestossen, heisst es in einer Mitteilung der Schule vom Mittwoch. Es habe aber «in einigen Bereichen gewisse Fragen und Bedenken» ausgelöst. Deshalb werde das Projekt «optima Betreut» vorerst zurückgestellt.

Auch die kantonale Datenschützerin Dominika Blonski hatte die Pläne am Mittwoch als «unverhältnismässig» kritisiert. «Ein Tracking ist wohl nicht unbedingt nötig», sagte Blonski vor den Medien in Zürich.

Es gebe sicher andere Möglichkeiten, die Kinder zu beaufsichtigen. Den Einsatz von Tracking-Armbändern an Schulen bezeichnete sie deshalb als «nicht verhältnismässig».

Weiteres Vorgehen ist offen

Die Primarschule Birmensdorf will sich gemäss ihrer Mitteilung nun mit den offenen Fragen noch einmal kritisch und konstruktiv auseinandersetzen. Dann will sie über das weitere Vorgehen entscheiden und darüber informieren.

Der Start für das Pilotprojekt war für die kommende Woche geplant: Am 10. Juni hätten zunächst die Hortkinder der dritten und vierten Klassen mit den Tracking-Armbändern ausgerüstet werden sollen. Nach den Sommerferien sollte der Versuch auf alle Klassen ausgeweitet werden. Für Herbst war der Entscheid über die definitive Einführung angekündigt.

Mit dem Versuch wollte die Schule abklären, ob sich der Betrieb der Tagesstrukturen dank einer elektronischen Erfassung des Aufenthaltsortes der Kinder effizienter gestalten liesse. Denn so könnten die Betreuungspersonen die wachsende Zahl von Schützlingen auf dem Schulareal innert nützlicher Frist finden.

Die Armbänder sollten das Personal auch darüber informieren, wenn ein Kind das Schulareal unerlaubterweise verlässt. Zusätzlich sollten darauf persönliche Angaben wie Nahrungsmittelallergien abgespeichert sein.

Die Armbänder und die Technologie dahinter stammen vom Hort-Leiter selber. Er gründete ein Unternehmen für Kinder-Überwachung per Bluethooth, das er an der Schule testen wollte. Diese hätte für das Pilotprojekt nichts bezahlt. (hkl/sda)

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34 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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RightIsWrong
05.06.2024 16:45registriert November 2023
Oh mein Gott, ich fragte mich noch, wie man denn auf diese Schnapsidee kommt.
Aber nun ist alles klar: "Die Armbänder und die Technologie dahinter stammen vom Hort-Leiter selber."

Sorry, aber egal, was es ist: Leiter mit ihren Privatfirmen (krasser Interessenkonflikt) haben an unseren Schulen nichts zu machen.

Und zum konkreten Vorhaben: bitte nicht. Digitale Überwachung ist nicht toll, für Straftäter gerne, aber nicht für unserer Kinder. Meilenweit daneben.

Ich hoffe der betroffene Leiter fliegt raus.
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timob
05.06.2024 17:18registriert Januar 2014
Ja, klar. Ein Verhaltens-Punktesystem haben sie ja sicher schon. Man könnte sich von China noch die Gesichtserkennung dazu abschauen. Dazu etwas morgendlicher Drill und dann sind wir der optimalen Betreuung der gemeingefährlichen Bratzen doch schon nahe.

Welches Menschenbild vertreten Pädagog:innen, die sich so etwas ausdenken?
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amberli
05.06.2024 18:08registriert Februar 2014
Systematisch Kinder tracken in einer Schule? Ich glaub, ich spinne. 😮

Wie oft kommt es vor, dass ein Kind aus dem Hort verschwindet und dann nie wieder auftaucht? Ja, das passiert tatsächlich. Aber dann nützt auch ein Tracking-Armband nichts. Darum alle tracken?

Systematisches tracken ist nicht mal privat bei den eigenen Kindern Ok, find ich. Was will man denn damit erreichen? Damit füttert man doch nur die eigenen Ängste und im Ernstfall hilft es nicht weiter. Der Hunger treibt sie nach Hause. Der Rest ist Erziehung und die sollte menschlich sein und nicht elektroniych gesteuert. 🤦‍♀️
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