«Also GUT. Ich MACH'S.» – Kanadische Wahlkampagne geht viral
«Hallo – ich bin Brady.»
«Macht mir Politik Spass?
Nein.
Weiss ich eigentlich, was ich da tue?
Nein.
Aber bin ich dafür qualifiziert?
Ebenfalls nein.»
So stellt sich Brady Rogers, 33-jähriger Kleinunternehmer und gelernter Ingenieur, auf seiner Website vor. Sein Vorhaben: einen Sitz im Stadtrat von Kelowna, British Columbia in Kanada, zu gewinnen.
Oder, wie es auf seiner Website heisst:
«Anscheinend kandidiere ich also für den Stadtrat.»
In einem dichten Mitbewerberfeld mit 37 Kandidaten kam Rogers zum Schluss, dass eine Kandidatur, wenn er es denn schon versuche, auf authentische und ehrliche Art geschehen müsse – weshalb er seinen Wahlkampf mit Slogans führte wie …
… «Also GUT. Ich MACH'S.»
«Wie schwer kann das schon sein?»
«Keine Sorge, ich bringe alles in Ordnung.
(*Es gelten die AGB.)»
«Ach, schauen wir doch einfach mal, was passiert?»
«Brady Rogers als Stadtpräsident!
Nur ein Witz. Stadtrat.»
«Ich habe WIRKLICH KAUM Lust dazu.»
(Aber immerhin ist er ein Kandidat «under 60» – unter 60 Jahren!)
«Ich versuche nur, meine Miete zu bezahlen.»
Und wisst ihr was? Es hat funktioniert. Rogers holte bei den Kommunalwahlen am Samstag 12'635 Stimmen und sicherte sich damit als Viertplatzierter einen Sitz im Stadtrat. Ein Wahlkampf, der auf Bescheidenheit und Selbstironie setzt, geht offenbar auf.
Ebendiese Selbstironie signalisierte aber auch: Transparenz. Während Rogers mit seinen Memes im Netz viral ging, steckten hinter der Kampagne ernsthafte politische Ideen zu bezahlbarem Wohnraum, öffentlichem Verkehr, Steuern und Obdachlosigkeit.
«Ich denke, dass jüngere Wähler, die die aktuelle Wirtschaftslage tatsächlich am eigenen Leib erleben, wichtige Stimmen im Stadtrat sind», so Rogers gegenüber CBC Radio Canada. «Sie haben den augenzwinkernden Humor der Kampagne verstanden, und als sie sich näher mit meinem Wahlprogramm befassten, haben sie erkannt, dass ich tatsächlich einige ziemlich ausgereifte Ideen habe.»
David Black, ausserordentlicher Professor für Politologie an der Royal Roads University in British Columbia, sieht den Vorstoss positiv. Solche Kandidaturen seien ausgesprochen gesund für die Demokratie: «Wir mögen es, wenn Menschen nur widerwillig an die Macht kommen – selbst wenn es sich um einen Sitz im Stadtrat von Kelowna handelt und nicht um die Weltherrschaft.»
Rogers selbst betont, dass er es als Verpflichtung sieht, neue Perspektiven in den Stadtrat einzubringen, in dem er hofft, echte Arbeit zur Verbesserung der Stadt mit rund 167'000 Einwohnern leisten zu können. Oder, wie er es in seinem ersten Instagram-Post nach der Wahl trocken zusammenfasste: «Thanks, I guess.»
«Danke an alle, die für mich gestimmt haben. Das ist ziemlich cool. Also, ja, ich bin jetzt wohl im Stadtrat.»
