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Warum Ambri den nächsten Dominik Kubalik gefunden hat

Finnlands bester Torschütze wechselt nach Ambri und nicht zu einem «Grossen». Gute Ausländer sind eben nicht nur eine Frage des Geldes. Ambris Sportchef Paolo Duca zeigt, was gute Beziehungen, gutes Scouting, ein guter Trainer und ein guter Ruf ausmachen können.



Julius Nättinen, der beste Torschütze der höchsten finnischen Liga, stürmt nächste Saison nicht für den SC Bern, Lausanne, Lugano, Zug oder die ZSC Lions. Sondern für Ambri. Wie kann das sein?

Der SC Bern ist zwar ein «Grosser» und Titelverteidiger. Aber das Unternehmen steckt in einer Spar- und Erneuerungsphase und hätte ähnlich gute Argumente wie Ambri gehabt. Wer böse ist und Polemik mag, der sagt deshalb: das miserable SCB-Scouting hat den 23-jährigen Finnen wahrscheinlich übersehen oder die Sportabteilung wusste womöglich gar nicht um dessen Qualitäten oder ist in den Verhandlungen zu wenig überzeugend aufgetreten.

Das ist wahrlich polemisch und dafür sei schon mal ein «Sorry», das von Herzen kommt. Sobald der Meister die Verpflichtung eines ähnlich hochkarätigen Ausländers vermeldet, werden wir uns selbstverständlich entschuldigen und sagen: neue sportliche Führung, neuer Trainer, neue Ausländer, neues Glück, neue Ära, neuer Ruhm.

Aber warum nicht zu den von Sven Leuenberger sportlich exzellent gemangten ZSC Lions? Ganz einfach: In einer so gut besetzten Mannschaft könnte Julius Nättinen bei weitem nicht eine so zentrale Rolle übernehmen wie in Ambri. Und das ist entscheidend. Für eine Weiterentwicklung auf dem Weg zu den Dollarmillionen der NHL kann eine dominierende Position in einem NL-Klub eine wichtige Station sein. Gleiches oder zumindest ähnliches gilt etwa auch für Zug, Lausanne, Biel, Gottéron oder Lugano.

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Die Ausgangslage in Ambri ist eine andere. Der Blick zurück sagt uns, warum. Dominik Kubalik kommt im Alter von 22 Jahren nach Ambri. Im Sommer 2019 wechselt er als Liga-Topskorer (50 Spiele/57 Punkte) zu Chicago. Dort hat er letzte Saison in 68 Spielen 46 Punkte gebucht. Ambri war für ihn als Aus- und Weiterbildungsklub und Sprungbrett für die grosse Karriere in Nordamerika. Eine (oder zwei) Saisons für ein vernünftiges Gehalt in die Schweiz und dann die Dollar-Millionen in der NHL: das kann heute ein gute Variante für grosse skandinavische oder osteuropäische Talente sein.

Aber für die Verpflichtung eines hochkarätigen jungen Ausländers braucht es die klare Positionierung als Ausbildungsklub und überzeugende Argumente. Ambris Sportchef Paolo Duca hatte ein solches Argument bei den Verhandlungen: Dominik Kubalik. Er konnte Julius Nättinen sagen: wir können dir bieten, was wir Dominik Kubalik geboten haben. Du kannst bei uns unter dem gleichen Trainer (Luca Cereda) den gleichen Weg gehen. Ambri kassiert nun sozusagen die Dividenden aus dem Kubalik-Geschäft.

Eine klare Positionierung als Ausbildungsklub ist allerdings nicht für alle möglich. Eigentlich haben aktuell nur die SCL Tigers, die Lakers, Servette und – mit Einschränkungen – Davos und ein SCB in der Spar- und Aufbauphase ähnlich gute Voraussetzungen für einen ausländischen Spieler wie der Kultklub aus der Leventina. Aber nicht alle machen aus diesen Voraussetzungen so viel wie Ambri.

Das Beispiel Ambri zeigt noch eines: wer Geld sparen und ein guter Ausbildungsklub sein will, muss hochwertiges ausländisches Personal beschäftigen. Investitionen in gute Ausländer lohnen sich also. Nur wenn die ausländischen Spieler die Mannschaft zu prägen und zu tragen vermögen, kann den jungen Talenten viel Eiszeit zugeteilt werden ohne dass die Mannschaft zu stark an Leistungsfähigkeit verliert. Nur dann können die jungen Spieler auch mal einen Fehler machen und sich weiterentwickeln. Ihre ausländischen Mitspieler sind dann gut genug, um den «Schaden» wieder auszubügeln.

Ex-Ambri player Paolo Duca, right, with Davos's coach Arno del Curto, left, during the retreat ceremony of his jersey number 46 before the preliminary round game of the National League Swiss Championship 2017/18 between HC Ambrì Piotta and HC Davos, at the ice stadium Valascia in Ambri, Switzerland, Saturday, September 9, 2017. (KEYSTONE/Ti-Press/Gabriele Putzu)

Ambris Sportchef Paolo Duca zeigt, was gute Beziehungen, gutes Scouting, ein guter Trainer und ein guter Ruf ausmachen können. Bild: TI-PRESS

Julius Nättinen ist nicht nach Ambri gekommen, um lange zu bleiben und reich zu werden. Gute Spieler kommen und gehen, Ambri bleibt bestehen. Das ist das Los eines Ausbildungsklubs. Der kräftige, flinke finnische Center wird, wie Dominik Kubalik, eher früher als später in die NHL weiterziehen. Und dann obliegt es Paolo Duca, den nächsten Dominik Kubalik und Julius Nättinen zu finden.

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20Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Jumbo Joe 05.07.2020 14:50
    Highlight Highlight Grandioser Transfer der Leventiner! Es ist zu hoffen, dass der sympathische Tessiner Traditionsverein mit Nättinen kommende Saison wieder die Playoffs erreichen wird. Ambri ist für Liga, Cup, Spengler Cup und allfälliger Champions Hockey League immer eine Bereicherung.
  • W.G. 04.07.2020 23:04
    Highlight Highlight Zurzeit sieht es wieder nicht so gut aus, dass Mitte September gespielt werden könnte.
    Falls es losgeht gut für Ambri.
    Falls nicht, gute Nacht für einige Clubs.
    Das Risiko, jetzt Ausländer zu verpflichten ist gewaltig. Das sind sich wohl nicht alle Clubs bewusst.
  • Nixnutz 04.07.2020 16:34
    Highlight Highlight Wie der Eismeister geschrieben hat, bietet Ambri dem Spieler eine dominante Rolle innerhalb des Teams an. Ich denke aber nicht, dass der Trainer sein System deswegen umstellt. Ambri wird seine Punkte auch weiterhin erchrampfen, mit viel Herz, Schmerz und Schweiss, sprich Leidenschaft. Da wird sich Julius schon einfügen müssen!
  • BOSELLI 04.07.2020 15:00
    Highlight Highlight Duca macht guten Job...das man Bern auch in Bericht einbezieht...hohl.
    Ambri hat Sportchef und Coach schon länger..logisch können sie urteilen was es noch brauchte.
    Bern ist weder unter Zugzwang noch ist es intelligent jetzt Auslánder dazuzuholen.Für was...um zu golfen?
    Neh,Don soll das Team ab August in Ruhe beurteilen und dann Puzzlestein verpflichten.
    Machte MC Sorley immer so und viele male klappte es.
  • Bing Tribbiani 04.07.2020 14:52
    Highlight Highlight Wenn er sich dann nur nicht als finnischer Schillerfalter entpuppt welcher am Ende von den NHL Bandengenerälen verschmäht wird.
  • Goldjunge Krater 04.07.2020 13:57
    Highlight Highlight Topskorer in der finnischen Operettenliga? Also bitte.. 😂
    • Fabian Lehner 04.07.2020 14:56
      Highlight Highlight Körpät Oulou hat 2 mal die CHL gewonnen und stand auch im Finale. Dazu kommt das die Finnische Liga noch ausgeglichener ist als die Schweiz. Die schweizer Teams sind nur auf der Ausländerposition besser in der Regel.
  • Vord Lader 04.07.2020 10:01
    Highlight Highlight Gut für Ambri, aber ein Spieler allein reicht leider nicht um eine Meisterschaft zu gewinnen.
    • Thomas Deuber (1) 04.07.2020 13:03
      Highlight Highlight ,jetzt sind die Ambrifans aber traurig das es nicht reicht.
  • Ironiker 04.07.2020 09:43
    Highlight Highlight Ich mag mich erinnern, dass Biel mal den Schwedischen Topscorer verpflichten konnten. Biel war damals sogar noch schlechter einzustufen als Ambri heute.

    Ich will ihn nicht schlechtreden, aber die Liga konnte er nicht aufmischen.

    Was ich damit sagen will: Das Potential des Finnen ist vorhanden. Kann er es auch in der Schweiz komplett abschöpfen?

    Falls ja, wird die Liga wieder ein bisschen mehr zusammenrücken.
    • besserwisser#99 05.07.2020 12:29
      Highlight Highlight Ich gönne Ambri diesen Transfer und hoffe aufrichtig, dass er auch einschlägt. Aber genau wie Ironiker schreibt, sind Erfolge in anderen Ligen keine Garantien für eine gute Saison bei uns. Noch weniger helfen dabei Klaus Huldigungen und Einschätzungen. In Lugano spielte letzte Saison Ryan Spooner. Im besten Alter und mit über 350 NHL Spielen und 167Pkt. eigentlich ein garantierter Vollerfolg. 2x durfte er ran. Danach war er wieder äusserst erfolgreich in der KHL. Beim SCB spielte ein aktueller Weltmeister, auch diese Geschichte ist hier bekannt...
  • Ranger55 04.07.2020 09:24
    Highlight Highlight Zwei Artikel hintereinander, in welchen der Eismeister den SCB entschuldigt potenzielle Starspieler nicht verpflichten zu können. Dies aufgrund der begrenzten finanziellen Möglichkeiten.
    Müssen wir uns langsam Sorgen machen..?

    Zum Schluss noch dies:
    Item, Aus nach Regular Season!
    • W.G. 04.07.2020 23:05
      Highlight Highlight Kannst du mal etwas positives schreiben über K.Z?
      Wenn es dir nicht paßt, musst du es ja nicht lesen.
    • besserwisser#99 05.07.2020 12:33
      Highlight Highlight Das darfst du ihm nicht übel nehmen. Er kennt nun mal halt nichts ausserhalb vom Kanton Bern. Sonst müsste er sich ja plötzlich noch für andere Klubs Interesse vorheucheln. Das wollen wir doch auch nicht.
  • Antiklaus 04.07.2020 09:18
    Highlight Highlight Wunderbar, dass Ambri so einen guten Ausländer gefunden hat. Tolle Arbeit von Duca(Cereda). Aber bis Data ist Kubalik der Erste der es von Ambri in die NHL geschafft hat. Da gibt es einige andere Clubs, die mehr Spieler ausgebildet und in die NHL gebracht haben.
    • MarcoTschannen 04.07.2020 10:56
      Highlight Highlight Falsche Aussage... sowohl Cereda als auch Pauli Jaks spielten in der NHL. Zu einer Zeit als der CH-Spieler noch einen zweifelhaften Ruf genoss... oder auch ein Oleg Petrov gelangte über Ambri in die NHL....
    • Max Dick 04.07.2020 11:18
      Highlight Highlight Innerhalb der letzten zwei Jahre? Alles andere ist nicht wirklich relevant. Ich glaube nicht, dass es Nättinen interessiert, dass Gerber Tinu 2001 von Langnau den Sprung in die NHL schaffte, oder Brunner und Diaz vor etwa 10 Jahren von Zug aus.
    • MarcoTschannen 04.07.2020 12:26
      Highlight Highlight korrekt... aber @antiklaus meinte das es der erste von Ambri war...
      RICHTIG VIELE ausser Kubalik haben es ohnehin in den letzten zwei Jahren nicht geschafft 🤷🏻‍♂️😁
    Weitere Antworten anzeigen
  • Shizophrenic 04.07.2020 09:18
    Highlight Highlight Quasi die Rolex auf dem Transferwühltisch...

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