Googeln half nicht: Wie ein falscher NFL-Star 26 Frauen täuschte
Eine Gefängniszelle in Boise (Idaho) ist mutmasslich nicht der schönste Ort auf Erden. Dort stecken gerade Daejon Love (35) und sein Kumpel Taylor Jamie Chan (18). Angeklagt sind sie wegen Betrugs.
Der Vorwurf: Love habe mit Hilfe seines Komplizen mehr als zwei Dutzend Frauen um ihr Geld gebracht. Bislang ist eine Beute von 1,3 Millionen Dollar bekannt, aber das FBI glaubt, dass es noch viele weitere Opfer gibt.
Die Frauen fielen auf einen Mann herein, der sich als Footballer in der NFL ausgegeben hatte. Love hatte sich auf seinen Social-Media-Profilen, für die er Follower und Likes gekauft hatte, als Wide Receiver der legendären San Francisco 49ers ausgegeben – und als erfolgreicher Investor. Kollege Chan habe ihm als Anlageberater geholfen, ein Vermögen im zweistelligen Millionenbereich aufzubauen.
Angeblich der Spross einer reichen Schweizer Familie
Auf Dating-Apps suchte Love ab dem Jahr 2022 nach Opfern und fand mindestens 26 Frauen, die auf seine Lügengeschichten hereinfielen. Zu diesen gehörte mitunter auch, dass er angeblich aus einer wohlhabenden Schweizer Familie kommt, oder dass er mit Jordan Love, dem Quarterback der Green Bay Packers, verwandt ist. Und um Überzeugungsarbeit zu leisten, bediente er sich gefälschter Kontostände.
«Love unterhielt romantische Beziehungen zu vielen der Opfer und erzählte ihnen, er wolle gemeinsam mit ihnen Wohlstand und eine Zukunft aufbauen», hielt die Staatsanwaltschaft fest. Er habe für nicht existierende Anlageprodukte geworben und behauptet, diese Investitionen würden sowohl für ihn als auch für seine Opfer enorme Renditen einbringen. Love ging es offenbar nicht um Liebe – sein Ziel war das Geld.
Real women for falling for the shuffle dance 😭
— Polymarket Football (@PolymarketBlitz) August 29, 2026
pic.twitter.com/gMfr5GoqBd
Sobald die Frauen «investiert» hätten, sei die Beziehung vorbei gewesen: «Keines der befragten Opfer gab an, Geld von Love und Chan zurückerhalten zu haben.» Sobald ihnen das Geld für weitere Investitionen ausgegangen sei oder sie zu viele Fragen gestellt hätten, habe Love sie geghostet.
«Das ist nicht von mir, das ist von Google»
Wer die Opfer vorschnell verurteilt, tut ihnen womöglich unrecht. Die Frauen hatten Love vermutlich sehr wohl gegoogelt. Laut FBI-Informationen führte Loves Präsenz auf Social Media jedoch dazu, dass Suchmaschinen und KI ihn gelegentlich als echten 49ers-Spieler identifizierten. Als die Ermittler nach ihm suchten, wurde ihnen ebenfalls angezeigt, dass es sich bei Daejon Love um einen NFL-Footballer handelt.
In einer Instagram-Story postete Love einmal einen Screenshot, auf der ihn eine KI-Zusammenfassung als Wide Receiver der 49ers bezeichnet. Er kommentierte ihn mit: «Das ist Google. Das ist nicht von mir, das ist von Google.»
Das gibt der Masche eine neue Dimension von Romance Scamming: Das Internet machte sich ungewollt zum Komplizen, indem es half, die erlogenen «Fakten» zu verbreiten und ihnen damit Glaubwürdigkeit zu verleihen. Hinzu kommt die Tatsache, dass viele User glauben, was sie lesen, selbst wenn ihr Bauchgefühl ihnen etwas anderes sagt.
Spott von wahren NFL-Spielern
Mittlerweile hat der Fall die echten Stars erreicht. Einige machten sich über den Betrüger lustig. So postete Daiyan Henley von den Los Angeles Chargers ein Bild von sich mit Helm am Strand, wie es Love gezeigt hatte und schrieb: «Ob ihr es glaubt oder nicht: Ich spiele in der NFL.»
Believe it or not I’m in the NFL https://t.co/SzX1pG0PAI pic.twitter.com/OQ6Qrwrl6R
— THE RANGER (@daiyan_henley11) August 29, 2026
Cameron Heyward von den Pittsburgh Steelers liess die künstliche Intelligenz arbeiten und ein gemeinsames Bild mit Love in der Kabine erstellen. «Bro, er war gerade noch bei uns im Training», kommentierte Heyward seinen Post.
Bislang wusste man, was bei Skepsis zu tun ist: googeln. Doch der Fall Daejon Love zeigt, dass im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz noch mehr Vorsicht angebracht ist.
