Jordan im Hinterkopf – LeBron James hat die bestmögliche Entscheidung getroffen
LeBron James setzt seine Karriere in Philadelphia fort. «Ich glaube, dass ich dabei helfen kann, die Philadelphia 76ers zu einem Meisterteam zu machen», schrieb der Basketballer auf X. Spätestens mit James sind diese definitiv zu den ganz grossen Titelanwärtern zu zählen.
Der 41-Jährige erklärte ausserdem, dass er nach der letzten Saison kurz davor war, zurückzutreten. «Ich war ziemlich sicher, dass ich mein letztes Spiel hinter mir habe», so James. Doch mit einiger Bedenkzeit habe er gemerkt, dass «ich das Spiel noch immer wirklich liebe und noch viel zu geben habe». Er sei weiterhin bereit, Opfer zu bringen und hart zu arbeiten, um das einzige Ziel, das nun noch bleibe, zu erreichen: eine weitere Meisterschaft.
Und ein besseres Team hätte sich James dafür kaum aussuchen können. Die Philadelphia 76ers spielen in der schwächeren Eastern Conference und können in den Playoffs erst im Final auf die absoluten Topteams wie die Oklahoma City Thunder um MVP Shai Gilgeous-Alexander oder die San Antonio Spurs um den womöglich besten Basketballer der Welt, Victor Wembanyama, treffen. Auch sonst ist das Talent in der NBA aktuell ziemlich ungleich verteilt. Im Osten scheint das Erreichen des Playoff-Finals deutlich einfacher als im Westen.
Philadelphia sicherte sich schon einen Star
Doch nicht nur deshalb sind die Sixers das perfekte Team für King James. Schliesslich spielen auch 14 andere Teams in der Eastern Conference, von denen seine früheren Arbeitgeber Cleveland und Miami bis zum Schluss in der Verlosung waren. Bei den Cleveland Cavaliers mit Donovan Mitchell, James Harden und dann LeBron James hätte es aber grosse Fragezeichen in der Defensive gegeben. Und bei den Miami Heat, die sich per Hammertrade die Dienste von Giannis Antetokounmpo gesichert haben, wären mit James, dem Griechen und Bam Adebayo drei unzuverlässige Distanzschützen auf dem Feld gestanden. Diese Probleme gibt es in Philadelphia nicht.
James kommt nämlich in ein Team, das einen ereignisreichen Sommer hinter sich hat. Per Trade wurde zuvor schon Jaylen Brown von den Boston Celtics geholt, im Gegenzug für den 29-Jährigen gab Philadelphia den sieben Jahre älteren Paul George ab. Die Startaufstellung dürfte in der im Oktober beginnenden Saison damit folgendermassen aussehen: Tyrese Maxey, V. J. Edgecombe, Jaylen Brown, LeBron James und Joel Embiid.
Maxey ist bereits einer der besten Guards der NBA, der 20-jährige Edgecombe hat das Potenzial dazu. Beide sind offensiv enorm gefährlich und defensiv mindestens okay. Brown hat seine Stärken an beiden Enden des Courts und bewies bereits, sowohl als Anführer als auch als zweite Option agieren zu können. Center Embiid könnte einer der besten Basketballer der Welt sein, ist aber zu häufig verletzt. Ist der 32-Jährige aber fit, gibt es am Ring kaum ein Vorbeikommen an ihm.
James kann auch die dritte Geige spielen
Es ist zu erwarten, dass es in Philadelphia Zeit brauchen wird, bis sich die Stars etwas gefunden haben. Das in der NBA altbekannte Problem, dass es nur einen Ball gibt, aber mehrere Spieler diesen haben wollen, wird die 76ers gerade zu Beginn beschäftigen. Doch James, Brown und Co. sind schlicht zu intelligent, um sich damit nicht arrangieren und das nicht lösen zu können. Auch der vierfache MVP LeBron James hat in der vergangenen Saison bei den Los Angeles Lakers gezeigt, dass er sich zurücknehmen kann. Hinter Luka Doncic und Austin Reaves spielte er zeitweise nur die dritte Geige.
Ausserdem steht ihnen in Nick Nurse ein hervorragender Trainer zur Seite, der die Toronto Raptors 2019 zum Meistertitel geführt hat. Sobald sich Philly eingespielt hat, dürfte es zu den besten Teams der NBA gehören. Und durch die grosse Fülle an Stars können sich der 41-jährige James sowie der verletzungsanfällige Embiid auch mal eine Pause gönnen.
All das spricht dafür, dass mit den Philadelphia 76ers zu rechnen ist. Auch die New York Knicks als amtierender Meister sind kein Überteam, von dem zu erwarten ist, dass es den Erfolg wiederholt. Und die Boston Celtics sind eher schwächer geworden als stärker. Für LeBron James bilden die Sixers damit wohl die grösste Chance, sein ultimatives Ziel voranzutreiben.
King James jagt nur noch Air Jordan
Um Geld geht es dem Superstar, der längst Milliardär ist, nicht mehr. So unterschrieb James gemäss Berichten für insgesamt acht Millionen Dollar über zwei Jahre. Es ist das von der Liga vorgeschriebene Mindestgehalt für einen langjährigen NBA-Profi. James verfolgt eine andere Mission: Er will Michael Jordan im Kampf um den Titel als bester Basketballer der Geschichte den Schneid abkaufen.
Seinen Status als einer der zwei besten Spieler seines Sports hat LeBron James schon lange zementiert. Doch noch gilt Jordan mit seinen sechs Titeln bei sechs Finalteilnahmen, fünf MVP-Auszeichnungen und einer Ehrung als bester Verteidiger der Saison bei den meisten Fans und Experten als GOAT («Greatest Of All Time»). James hält mit vier Meisterschaften bei zehn Finalteilnahmen, vier MVP-Awards sowie dem Titel des besten Punktesammlers der NBA-Geschichte beeindruckend dagegen.
Wenn er entscheidend zu einer weiteren Meisterschaft beiträgt, könnte er den Geist von Chicago, wie James Jordan selbst einmal nannte, in der Gunst der Öffentlichkeit womöglich überholen.
Das ist sein grosses Ziel – und Philadelphia ist der bestmögliche Platz für ihn, genau dies zu erreichen.
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